Die wilden Vorfahren unserer heutigen Hunde hatten quasi unendlich viel Auslauf, immer frisches Fleisch und ständige Gesellschaft in ihrem Rudel – wir haben also guten Grund, uns Gedanken darüber zu machen, wie wir unseren Vierbeinern zuhause gerecht werden wollen. Zum Glück hat der Hund nicht mehr viel mit dem Wolf gemeinsam – den Aufwand für eine artgerechte Hundehaltung sollten Sie dennoch nicht unterschätzen.


Inhaltsverzeichnis:


Artgerechte Hundehaltung: Anschaffung

Welcher hundefreundliche Mensch träumt nicht davon, einmal selbst einen eigenen Vierbeiner zu halten? Damit die Haltung artgerecht ist, gibt es allerdings einiges zu beachten - bereits in der Vorbereitung. Überlegen Sie sich genau, ob und wie Sie eine artgerechte Hundehaltung ermöglichen können, nutzen Sie dafür gerne unsere Checkliste. Setzen Sie sich mit den individuellen Bedürfnissen der Rasse auseinander für die Sie sich interessieren. Es wird schwer sein, dem Bewegungs- und Platzbedarf eines Siberian Huskys bei einer Haltung in der Stadt gerecht zu werden. Bei der Anschaffung eines Welpen oder eines jungen Hundes sollten Sie bedenken, dass Sie damit ungefähr 8 bis 18 Jahre Verantwortung für ein Lebewesen übernehmen (kleine Rassen werden tendenziell älter als große Rassen – ausgenommen so genannte Teacup-Hunde). Bei älteren Hunden – häufig aus dem Tierheim – sollten Sie sich über mögliche traumatische Vorerfahrungen des Tieres informieren und abwägen, ob sie mit entsprechenden Eigenheiten im Verhalten oder in der Art umgehen können. Investieren Sie also viel Zeit in die Suche nach einem seriösen Züchter oder Tierheim, um nicht dem illegalen Welpenhandel und Qualzucht zuzuspielen.

Neben der Anschaffung des Hundes spielt natürlich auch die Einkaufsliste für die richtige Ausrüstung eine wichtige Rolle. Ein passendes, bequemes Halsband und/oder Brustgeschirr, eine Hundeleine und ein Trink- und ein Fressnapf für den Hund sind wohl naheliegend. Dazu kommen natürlich noch gemütliche Liege- und Schlafplätze, also ein Körbchen oder dicke Liegekissen. Spielzeug lässt auch die meisten Hundeaugen aufleuchten, hier sollten Sie darauf achten, dass keine Verletzungsgefahr besteht. Was für den Menschen geeignet scheint, kann für Hunde ungesund sein, beispielsweise Tennisbälle. Für die Pflege von Fell, Pfoten und den Zähnen sollten Sie ebenfalls ausgestattet sein, wenn Sie einen Hund halten.

Artgerechte Hundehaltung in Haus und Wohnung

Während sich bei der Katzenhaltung die Frage stellt, ob die Samtpfote überhaupt Freigang erhält, werden Hunde teilweise noch immer ausschließlich draußen mit Zwinger und Hundehütte gehalten. Diese Haltungsform erinnert an die Position des Hundes als Nutztier und ist in unserer Gesellschaft nur noch selten anzutreffen. Ob Hundehütte oder Haus – worauf es ankommt, sind die Umstände, also u.a. der Sozialkontakt, die Auslastung und die Fütterung. Wichtig ist, dass die Hunde nicht frieren (viele Rassen haben beispielsweise gar nicht mehr das richtige Fell haben, um ohne Schutz kühlen Nächten gewachsen zu sein) und genügend Wertschätzung als vierpfotiges Familienmitglied entgegengebracht bekommen. Ob der Hund mit ins Bett darf, sein eigenes orthopädisches Bett bekommt oder einfach in einem normalen, gemütlichen Körbchen schläft – hauptsache, Sie geben Ihrem Liebling in Ihrer Wohnung eigene Rückzugs- und Wohlfühlorte. Für eine artgerechte Hundehaltung ist außerdem – falls möglich – ein Garten förderlich, in dem Ihr Tier bei gutem Wetter die Sonne genießen kann. Dabei sollten Sie natürlich darauf achten, dass Ihr Hund nicht ausreißen kann und auch nicht durchgängig am Zaun steht und bellt. Auch bei der Haltung von Tieren in einer Mietwohnung sollten Sie Rücksicht auf die Nachbarn nehmen und ggf. störendem Bellen mit professionellem Hundetraining entgegenwirken.

Artgerechte Hundehaltung: Bewegung und Auslastung

Wie viel Auslauf braucht ein Hund? Diese grundsätzliche Frage zur Haltung ist nicht pauschal zu beantworten, weshalb Sie sich ausgiebig und immer wieder aufs Neue mit dem Bewegungsbedarf Ihres Vierbeiners auseinandersetzen sollten. Dabei geht es darum, die richtige Balance zwischen körperlicher und kognitiver Auslastung zu finden, Abwechslung zu bieten, ohne zu überfordern, und gemeinsame aktive Hobbys entwickeln. Welche Art von Bewegung gefällt Ihnen und Ihrem Tier am besten? Wie viele Möglichkeiten gibt es, den Hund auch mal ohne Leine laufen zu lassen? Beachten Sie aber, dass sich die Bedürfnisse Ihres Hundes mit der Zeit verändern; ein Welpe hat andere Ansprüche als ein Senior. Für eine artgerechte Hundehaltung sind daher Bewegung und Auslastung ein ständiges Thema – der AGILA Bewegungstracker hilft Ihnen, alles im Blick zu behalten und das Angebot an tierärztlicher Beratung und professionellem Training für Hunde ist in Deutschland groß .

Artgerechte Hundehaltung: Abwechslung und Gesellschaft

Hunde leiden unter Einsamkeit. Wenn Sie Ihren Hund alleine lassen wollen, sollte dies nicht länger als ein paar Stunden sein. Wie lange genau Ihr Vierbeiner allein zuhause bleiben kann, hängt vom Alter aber vor allem von seinem individuellen Charakter ab – während der eine Hund die Abwesenheit seines Menschen gelassen nimmt und die Zeit mit einem leichten Schlaf überbrückt, leidet der andere unter Langeweile oder sogar Trennungsangst und kaut alles an oder bellt. Für eine artgerechte Hundehaltung profitieren viele Vierbeiner von einem freundlichen Artgenossen zur Gesellschaft. Insbesondere für einen Hund, den Sie alleine halten wollen, sind soziale Kontakte, beispielsweise in der Hundeschule oder auf der Hundewiese, wichtig. Doch ob mit oder ohne Zweithund: Legen Sie Wert auf die kognitive Auslastung Ihres Lieblings. Dabei müssen Sie – ggf. mit der professionellen Hilfe einer Hundetrainerin oder eines Hundetrainers – auf die individuellen Bedürfnisse der jeweiligen Art und des Charakters eingehen. So tun beispielsweise den meisten Jagdhunden Herausforderungen des Geruchssinns, beispielsweise mit Dummy-Training oder Gadgets wie dem Schnüffelteppich, gut.

Artgerechte Hundehaltung: Ernährung

Ermitteln Sie die richtige Futtermenge beim Hund und achten Sie darauf, den Wasserbedarf des Hundes zu decken. Wenn es um das richtige Futter und eine artgerechte Ernährungsmethode geht, scheiden sich die Geister. Die große Zahl verschiedener Ernährungstrends (einen Überblick bekommen Sie in AGILAs Tiermagazin Nr. 18) können Frauchen und Herrchen leicht verwirren. So scheinen die vegetarische Ernährung oder sogar veganes Hundefutter zunächst weit von dem Fressverhalten der wilden Vorfahren entfernt, dennoch genießen beide aber an zunehmender Beliebtheit. Ein Argument: Der Hund ist domestiziert und hat keinen Wolfsmagen mehr. Recht nah am Wolf scheint dagegen das Konzept der Prey-Fütterung, die auf ganze Tiere oder Teile eines Tieres zum Zerlegen setzt. Auch barfen (rohes Fleisch und Innereien mit Obst, Gemüse und Milchprodukten) ist seit Jahren ein Thema. Doch was davon ist nun besonders artgerecht? Um das herauszufinden, müssen Sie sich immer diese Frage stellen: „Was ist drin im Hundefutter?“ Denn egal, für welche Methode oder welches Futtermittel Sie sich entscheiden: Was zählt, ist die richtige Versorgung mit Nährstoffen. Da auch hier die Bedürfnisse der einzelnen Rassen und der individuellen Hunde variieren – beispielsweise neigen Cocker Spaniel schnell zu Übergewicht – empfehlen wir Ihnen, sich tierärztliche Beratung zum passenden Futter zu holen. Die richtige Ernährung ist schließlich elementar für eine artgerechte Hundehaltung.

Artgerechte Hundehaltung: Gesundheit

Setzen Sie sich kontinuierlich mit der Gesundheit Ihres Hundes auseinander. Dazu gehören regelmäßige Gesundheitschecks, zuhause und in der Tierarztpraxis, und eine umfassende Pflege. Informieren Sie sich also über häufige Krankheitsbilder, wie Sie Hunde auf Schmerzen untersuchen und legen Sie Wert auf eine ordentliche Zahnpflege und Fellpflege. Lernen Sie Ihren Hund kennen und achten Sie auf Veränderungen. Wie energiegeladen ist er normalerweise? Wie sieht sein bzw. generell gesundes Hundefell aus? Und wussten Sie, dass Sie den Gesundheitszustand von der Hundezunge ablesen können? Unser Tiergesundheitskalender hilft Ihnen dabei, den Überblick zu behalten und Veränderungen frühzeitig zu bemerken. Informieren Sie sich außerdem über die jeweiligen Rasseprädispositionen und versuchen Sie, den entsprechenden Erkrankungen nach Möglichkeit vorzubeugen. So sind beispielsweise kleinere Hunderassen mit kleineren Mündern in der Regel anfälliger für Zahnprobleme, während dem Dackel eine Hunderampe zugutekommt, um einen Bandscheibenvorfall zu vermeiden. Beim Boxer ist die Liste mit wahrscheinlichen Erkrankungen lang, darunter Leiden, die mit der Brachycephalie einhergehen, sowie Allergien und Magenprobleme, die zu besonderen Futteransprüchen führen. Für alle Vierbeiner sind Vorsorgemaßnahmen wie Hundeimpfungen und ein sorgfältig gewählter Schutz vor Zecken, Wurmbefall, Zecken und anderen Parasiten wichtig, um ein langes und gesundes Leben zu sichern.

Eine artgerechte Hundehaltung richtig umzusetzen, ist nicht einfach – doch für unsere Vierbeiner lohnt sich (fast) jeder Aufwand. Und mit ein wenig Einsatz werden Mensch und Tier glücklich.

Dieser Artikel wurde geprüft von Tierärztin Melanie Ahlers.

Foto: © DoraZett/Adobe Stock

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