Hungrige Vierbeiner überzeugen mit traurigen Blicken schnell, dass der volle Futternapf viel zu schnell leer war – also dringend eine zweite Portion nötig ist. Dabei sollten wir uns allerdings nicht immer auf die Einschätzung unserer Lieblinge verlassen, denn sie liegen häufig daneben. In diesem Artikel erfahren Sie, wie Sie die richtige Futtermenge beim Hund einschätzen können.


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Einflüsse auf die Futtermenge beim Hund

Wie viel Futter braucht mein Nimmersatt? Um diese Überlegung kommen keine Halter:innen herum, schließlich will niemand, dass sein Liebling an Übergewicht leidet. Und so weit, wie diese Frage verbreitet ist, so komplex ist sie auch. Bei jedem einzelnen Hund gibt es eine große Zahl an Einflüssen, die unterschiedlich stark die benötigte Energie- und Nährstoffmenge bestimmen. Und auch individuell variiert die Futtermenge beim Hund ständig. Einige Faktoren sind naheliegend, wie das Aktivitätslevel. Leistungssportler verbrauchen schließlich mehr Energie und haben daher einen höheren Bedarf als „Normalos“ – das gilt sowohl für Menschen, als auch für Hunde. Es spielt also eine große Rolle, ob Ihr Liebling Sie regelmäßig beim Joggen oder Fahrradfahren begleitet oder Sie sogar aktiv Hundesport betreiben, beispielsweise Agility. Bei wenig Bewegung wird übrigens neben dem verringerten Energiebedarf auch der Stoffwechsel allgemein träge.

Die richtige Futtermenge: Welpen und Senioren

Ein weiterer Einflussfaktor auf die Futtermenge beim Hund ist das Alter. Während junge Tiere besonders viel Energie benötigen, das ihr in der Regel hohes Aktivitätslevel und vor allem natürlich ihr Wachstum stützt, sollte bei Hundesenioren die Energiezufuhr etwas reduziert werden - meist um ungefähr 20 bis 25 Prozent. Die älteren Hunde bewegen sich in der Regel etwas weniger und haben einen verlangsamten Stoffwechsel. Über das ganze Leben,  vom Welpen bis zum Senior, wird die benötigte Futtermenge beim Hund also langsam weniger bzw. der Energiegehalt wird angepasst; Welpenfutter hat normalerweise einen höheren Energiegehalt als die gleiche Menge Seniorenfutter.

Achtung: Überfütterung im Welpenalter vermeiden

Neben den Entwicklungsstörungen durch eine Unterversorgung an Energie kann auch zu viel Futter im Welpenalter zu ernsthaften Problemen führen; ein zu schnelles Wachstum sollte unbedingt vermieden werden. Ansonsten drohen Störungen in der Skelettfunktion (insbesondere an den Gelenkknorpeln), Mikroverletzungen und Störungen des Hormonhaushalts. Ein häufiges Beispiel für eine Skeletterkrankung, die bei prädispositionierten Tieren durch frühe Überfütterung gefördert wird, ist die Hüftdysplasie. Gerade bei schnellwüchsigen, großen Rassen sollte auf die richtige Futtermenge genau geachtet werden, da sonst die Wahrscheinlichkeit orthopädischer Entwicklungsstörungen steigt. Halten Sie sich bei Welpenfutter daher streng an die Mengenangaben auf der Verpackung und fragen Sie im Zweifel Ihre Tierärztin oder Ihren Tierarzt, ob die Gewichtsentwicklung in Ordnung ist. Beispielsweise sollten Hunde mittelgroßer Rassen, die ausgewachsen ungefähr 20 kg Gewicht erreichen, am Ende des zweiten Lebensmonats um die 4,4 kg schwer sein, mit vier Monaten 10,4 kg, mit sechs Monaten 14 kg und mit zwölf Monaten 19 kg. Große Rassen dagegen (ausgewachsen ca. 35 kg) erreichen Ende des zweiten Monats in der Regel 7 kg, mit vier Monaten 16,8 kg, mit sechs Monaten 22,8 kg und mit zwölf Monaten bringen Sie 30,8 kg auf die Waage.

Die richtige Futtermenge bei Kastration und Krankheit

Die Futtermenge beim Hund kann je nach Gesundheitszustand und Hormonhaushalt variieren. Viele Halter:innen haben auch zumindest schon einmal davon gehört, dass Tiere nach der Kastration vermehrt zunehmen. Das liegt an dem veränderten Hormonspiegel, durch den der Stoffwechsel verlangsamt wird, der Appetit jedoch häufig zunimmt. Doch auch Stress kann die Hormone und damit den Futterbedarf des Hundes beeinflussen – Stichwort: Kortisol. Das Stresshormon sorgt bei vielen Vierbeinern für übermäßiges Fressen, bei einigen kann es jedoch genau das Gegenteil bewirken, sodass sie plötzlich ihr Futter nicht mehr anrühren. Ist Ihr Liebling also besonderen Stresssituationen ausgesetzt oder bekommt sogar das Medikament Kortison (eine synthetische Form von Kortisol) verabreicht, sollten Sie besonders auf mögliche Appetit- und Gewichtveränderungen achten. Daneben gibt es eine Reihe an Erkrankungen selbst, die den Stoffwechsel beeinflussen: Schilddrüsen-, Gelenk- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie Diabetes verändern die richtige Futtermenge beim Hund. Dementsprechend ist es wichtig, starke Gewichtsveränderungen mit dem Tierarzt oder der Tierärztin zu besprechen, da sie auf Erkrankungen hinweisen könnten. Daneben kann es sein, dass Ihr Tier während des Fellwechsels oder der Trächtigkeit einen anderen Energiebedarf hat.

Futtermenge für Malteser und andere Rassen

Zwar brauchen kleine Hunderassen im Verhältnis normalerweise etwas mehr Futter als große Hunderassen – das heißt, ein 20 kg schwerer Hund braucht im Vergleich zu einem 10 kg schweren Hund nicht die doppelte Portion – dennoch gibt es auch bei den einzelnen Rassen Unterschiede. So neigen beispielsweise Cocker Spaniel, Malteser und Beagle zu Übergewicht. Auch die richtige Futtermenge für Dackel fällt in der Regel eher geringer aus, da die kleinen Vierbeiner schneller Fettpölsterchen anlegen und sich ein zu hohes Gewicht schnell auf die Gelenke auswirken und zur sogenannten Dackellähme führen kann. Energieärmeres Futter wird ebenfalls für den Labrador Retriever und den Golden Retriever, aber auch für den Neufundländer, den Berner Sennenhund und den Leonberger empfohlen.

Im Gegensatz dazu benötigen die Deutsche Dogge und auch einige Jagdhunde tendenziell mehr Energie. Damit hier der Bedarf gedeckt wird, ohne den Magen mit zu großen Futtermengen zu belasten, gibt es besonders energiereiches Futter.

Futtermenge für Hunde ermitteln

Es gibt verschiedene Formeln, die die richtige Futtermenge beim Hund preisgeben sollen. Viele stützen sich dabei auf eine Rechnungsweise von Meyer und Zentek, widersprechen sich jedoch immer wieder in einzelnen Multiplikatoren und stiften so unter Halter:innen nur noch mehr Verwirrung. Ungefähr können Sie allerdings den Energiebedarf Ihres gesunden erwachsenen Hundes (damit er sein Gewicht hält) in Kilokalorien ermitteln, indem Sie sein Körpergewicht in Kilogramm hoch 0,75 nehmen und mit einem Wert zwischen 95 (bei geringerem Bedarf) und 130 (bei höherem Bedarf) multiplizieren. Bei einem 20 kg schweren Hund mit geringem Bedarf würde die Rechnung also lauten: 200,75 x 95 ≈ 899 kcal. Bei dem gleichen Gewicht, aber einem hohen Bedarf, würden Sie zu folgendem Ergebnis kommen: 200,75 x 95 ≈ 1.230 kcal.

Die große Differenz verdeutlicht noch einmal, was Sie nie vergessen sollten: Die Berechnungsmöglichkeiten des Grundbedarfs – und ebenso jegliche Tabellen, die Sie online finden werden – dienen lediglich als Orientierungshilfen. Keine der oben beschriebenen Faktoren, die die Futtermenge beeinflussen, werden mit einbezogen. Außerdem wird hier lediglich die Kalorienmenge bedacht, die wichtigen Nährstoffe werden jedoch außer Acht gelassen. So verlockend es also auch sein mag, die „perfekte“ Kalorienmenge zu ermitteln, so kompliziert ist es auch. Entscheidend ist, dass Ihr Vierbeiner in guter „Form“ ist – also weder zu dick noch zu dünn und zusätzlich ausgewogen mit allen wichtigen Nährstoffen versorgt ist. Sind Sie sich bei der richtigen Futtermenge beim Hund unsicher, sollten Sie lieber Ihren Tierarzt oder Ihre Tierärztin fragen, sodass Sie individuell auf Ihren Liebling eingehen können.

Fütterungsempfehlung: Hunde sind verschieden

Wie wir bereits mit unserer Beispielrechnung verdeutlicht wurde, ist es unmöglich, eine pauschale Fütterungsmenge für Hunde anzugeben. Daher sollten Sie auch mit der Fütterungsempfehlung auf einzelnen Hundefutterdosen vorsichtig umgehen. Sie können sie als Basis nutzen, sollten sie aber bei Gewichtsabnahmen oder -zunahmen hinterfragen und die Menge gegebenenfalls verringern oder erhöhen. Ein eindeutiges Warnzeichen für eine unzuverlässige Mengenangabe ist übrigens, wenn bei doppeltem Gewicht die doppelte Futtermenge empfohlen wird. Denn je größer der Hund ist, umso weniger Energie verbraucht er im Verhältnis (die Fütterungsempfehlung sollte also bei einem 20 kg schweren Hund deutlich unter der doppelten Menge von der Fütterungsempfehlung für einen 10 kg schweren Hund liegen).

Außerdem sollten Sie – insbesondere bei einer Futterumstellung – immer bedenken, dass verschiedene Futtersorten unterschiedliche Energiedichten haben und die Menge entsprechend angepasst werden muss – Nassfutter enthält beispielsweise bei der gleichen Menge weniger Energie als Trockenfutter. Auch sollten die Leckerlis selbstverständlich immer mit einberechnet werden; bekommt Ihr Liebling viele Leckereien zwischendurch, sollten Sie die Futtermenge beim Hund reduzieren. Die einzige Regel hinsichtlich der richtigen Futtermenge für Hunde, die wirklich für jeden Vierbeiner ist: Lernen Sie den Idealzustand Ihres Lieblings kennen und schenken Sie ihm viel Aufmerksamkeit. So bemerken Sie Veränderungen und lernen, die richtige Futtermenge für Ihren Hund einzuschätzen und anzupassen. Und wann immer Sie sich unsicher sind, erhalten Sie zuverlässige Unterstützung in Ihrer Tierarztpraxis.

Dieser Artikel wurde geprüft von Tierärztin Melanie Ahlers.

Foto: © quipu/Adobe Stock

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