Von Qualzucht bei Hunden spricht man, wenn gezielt auf bestimmte Merkmale gezüchtet wird, unter denen die Gesundheit der Hunde leidet. Viele Rassen werden auf Basis bestimmter ästhetischer Kriterien gezüchtet, obwohl Erkrankungen und Einschränkungen in der Lebensqualität zu erwarten sind. Die Palette an beliebten Merkmalen ist dabei vielfältig. Erfahren Sie hier mehr über die verbreitetsten Merkmale und wie diese Probleme bereiten können.


Inhaltsverzeichnis:


Qualzucht bei Hunden: Niedlich und krank

Gerade die Überzüchtung beim Mops ist ein immer wiederkehrendes Thema, doch auch andere Rassen sind von Qualzucht bei Hunden betroffen. Die Tierärztekammer Berlin nennt dazu als weitere Beispiele: Französische Bulldogge, Englische Bulldogge, Chihuahua, Pekinese und Shih Tzu. Bei Rassen wie diesen führt die Überzüchtung zu einer Reihe an Merkmalen, die zwar äußerlich von vielen als besonders niedlich wahrgenommen werden, jedoch ernste gesundheitliche Probleme mit sich bringen und die Lebensqualität der Vierbeiner maßgeblich einschränken. So sind beispielsweise große, hervorstehende Augäpfel ungeschützt und in erhöhtem Maß durch Verletzungen und Entzündungen gefährdet – es kann sogar passieren, dass die Augen bei einem leichten Trauma wie einem festen Griff in den Nacken oder einem Sturz von der Couch  aus den Höhlen vorfallen. Übermäßig viele Hautfalten machen betroffene Rassen besonders anfällig für Entzündungen. Im Gesichtsbereich kurznasiger Rassenwird dieses Risiko noch erhöht, da die Augen aufgrund verengter Tränenkanäle vermehrt tränen. Auch vermehrte Missbildungen an Wirbeln, die Schmerzen und Lähmungen durch Quetschungen des Rückenmarks mit sich bringen, können ein Merkmal für Qualzucht bei Hunden sein. Ein übergroß proportionierter Kopf kann Geburten erschweren, besonders große Schlappohren neigen zu Entzündungen und einem Blutohr. Eine verkürzte Rute oder ein Ringelschwänzchen gehen häufig mit einer Verkrümmung des Skeletts einher.

Qualzucht bei Hunden tritt mit den unterschiedlichsten Merkmalen auf. Zwar kommen die oben beschriebenen Varianten besonders häufig vor, doch auch andere Züchtungen sollten hinterfragt werden, weshalb wir uns im Folgenden einige weitere Beispiele ansehen.

Qualzucht bei Hunden: Kurzköpfige Rassen

Ein weit verbreitetes Merkmal besonders „niedlicher“ Rassen sind flache Nasen, die durch Qualzucht bei Hunden zu der sogenannten Brachycephalie (Kurzköpfigkeit) führen können. Eine immer weiter zurückgezüchtete Nase führt bei unseren Vierbeiner zu einer Vielzahl an gesundheitlichen Leiden. Ein offensichtlicher Hinweis auf Qualzucht bei Hunden mit kurzen Köpfen ist die Atemnot, die sich in der Regel durch Röcheln und Schnarchen äußert. Die Hunde leiden unter einem verengten Rachen, einem verlängerten weichen Gaumen und haben zu enge Nasengänge bzw. zu kleine Nasenhöhlen, um genug Luft zu bekommen. Dazu kommt, dass die Schnauze zwar verkürzt, die Zunge jedoch noch immer „normal“ groß ist, sodass sie einfach zu groß für den Mundraum ist. Auch kann der Kehlkopf oder die Luftröhre kollabieren. Zu dem recht offensichtlichen Problem der Atemnot kommt noch hinzu, dass Qualzucht bei Hunden dazu führen kann, dass der Hund seinen Wärmehaushalt nicht mehr über die Atmung regulieren kann. Betroffene Rassen sind weniger belastungsfähig und insbesondere in der Sommerhitze gefährdet, einen Kreislaufzusammenbruch und einen Hitzschlag zu erleiden, was tödlich enden kann. Die deformierten Kieferknochen bringen außerdem häufig schiefe Zähne mit sich und erschweren das Fressen und nach der Geburt das Befreien der Neugeborenen aus der Eihaut und das Abnabeln dieser.

Qualzucht bei Hunden: Besonders klein oder groß

Riesen- und Zwergwuchs ist ebenfalls ein wichtiges Kriterium, wenn es um das Aussehen eines Hundes geht und ein wichtiges Thema hinsichtlich der Qualzucht bei Hunden. Die Beliebtheit von Zwergrassen lässt sich schnell durch einen Blick auf den Trend zu sogenannten Teacup-Hunden beweisen. Bei so kleinen Hunden ist sind die inneren Organe im Vergleich zum Körper überproportional groß, ebenso wie bei besonders großen Hunden die Organe verhältnismäßig klein sind. Das sich daraus ergebende Missverhältnis zwischen der Körpermasse und dem Bewegungsapparat bedeutet für Zwerghunde, dass sie besonders gefährdet sind, unter Knochenbrüchen, Knie- und Geburtsproblemen, einem Wasserkopf oder einem Luftröhrenkollaps zu leiden. Von Riesenwuchs betroffene Rassen dagegen ist die Wahrscheinlichkeit von Knochentumoren, Gelenkproblemen, rückenmarksbedingten Schmerzen und Lähmungen sowie Verdauungsstörungen erhöht. Besonders kurze Beine steigern das Risiko eines Bandscheibenvorfalls – Sie werden sicherlich schon einmal den Begriff „Dackellähme“ gehört haben.

Qualzucht bei Hunden: Verändertes Fell

Nackthunden (Mexikanischer Nackthund und Peruanischer Nackthund) fehlt zuchtbedingt ein Fell, wodurch sie besonders schnell frieren und durch die ungeschützte Haut besonders sehr leicht einen Sonnenbrand bekommen. Zusätzlich sind bei Nackthunden Gebissfehlbildungen und Immunschwächen die Regel. Ein eindeutiger Hinweis darauf, dass es sich hier um eine unnatürliche Qualzucht handelt, ist, dass bei der Kreuzung zweier Nackthunde die Nachkommen nicht lebensfähig sind. Hinsichtlich der Färbung gibt es gleich zwei Mutationen, die bewusst gezüchtet werden, obwohl die Gesundheit der Hunde gefährdet ist: Das Blue-dog-Syndrom und der Merle-Faktor. Bei Ersterem geht es um eine blaugraue Farbaufhellung, wie sie beispielsweise häufig beim Dobermann vorkommt. Leider stehen damit eine Veranlagung zu partiellem Haarausfall, Hautentzündungen, Ödeme und Veränderungen von Lymphsystem und Nebennierenrinde in Verbindung. Der Merle-Faktor erzeugt unregelmäßige weiße Flecken im Fell und wird besonders oft bei Collies erzielt. Mit diesem Gendefekt gehen Störungen bei der Fortpflanzung (wie eine hohe Welpensterblichkeit) sowie Hirn-, Augen- und Gehörveränderungen einher.

Qualzucht bei Hunden: Gesetzeslage

Die meisten Defekte werden durch Rassestandards und bestimmte Zuchtkriterien gezielt gefördert, um die ästhetischen Merkmale der Hunde beizubehalten. Dabei ist Qualzucht bei Hunden – und anderen Tieren – durch das Tierschutzgesetz verboten, das Gesetz kann jedoch kaum wirksam umgesetzt werden. Das Problem ist, dass der Begriff Qualzucht nur schwammig formuliert und damit juristisch kaum einzuschätzen bzw. der Tierschutz nicht umzusetzen ist. Die Sachverständigengruppe Tierschutz und Heimtierzucht hat allerdings im Jahr 2005 ein Expertengutachten erstellt, wie mit dem Begriff umzugehen ist. Neben einer Neuformulierung der Gesetzgebung oder Änderungen der Rassestandards kann die Nachfrage eine wichtige Rolle im Rückgang der Qualzucht bei Hunden spielen: Legen künftige Halter weniger Wert auf ästhetische, gesundheitsschädliche Merkmale (bzw. lehnen diese klar ab) wird auch das Geschäft mit der Qualzucht bei Hunden zurückgehen. Bei der Anschaffung eines neuen vierbeinigen Familienmitglieds können Sie auf Merkmale achten, die Ihnen unnatürlich scheinen und sich selbstverständlich im Vorfeld genauer über die Rasse und ihre möglichen gesundheitlichen Einschränkungen informieren. Umfassende Informationen bieten außerdem Organisationen wie der Deutsche Tierschutzbund und die Bundetierärztekammer. Außerdem sind Hunde nicht die einzigen Vierbeiner, die von Überzüchtungen betroffen sind: Auch Qualzucht bei Katzen und anderen Heimtieren ist ein wichtiges Thema. Wir haben außerdem ein paar Tipps, wie Sie gezielt Überzüchtung erkennen können.

Foto: © nuraann/Adobe Stock

(20)