„Richtig barfen?" Viele Hunde- und Katzenhalter informieren sich im Internet, wenn es um den Ernährungstrend geht und stoßen dabei auf positive Berichte. Die Risiken, die diese Fütterungsmethode mit sich bringt, kennen viele Tierbesitzer dagegen nicht. Kontaminiertes Fleisch ist jedoch nicht nur für die Tiere gefährlich, auch für den Menschen besteht Ansteckungsgefahr.

Wissen Sie, wofür der Begriff „Barf“ steht? Die meisten Hunde- und Katzenhalter haben eine grobe Idee, was es bedeutet, aber wofür die Abkürzung genau steht, ist nicht so leicht zu sagen. „Biological Appropriate Raw Food“, „Bones and Raw Food“ oder auf Deutsch: „Biologisch artgerechte Rohfütterung“ – im Internet finden sich verschiedene Bedeutungen. Es wird jedoch bei allen deutlich, worum es bei dieser Form der Fütterung geht: Während auf industriell hergestelltes Trocken oder Nassfutter verzichtet wird, kommen rohe Lebensmittel in den Napf. Neben rohem Fleisch und Innereien durchaus auch Obst, Gemüse, Milchprodukte oder gelegentlich auch Knochen für Hunde. Der Ernährungstrend erfreut sich großer Beliebtheit. Oft ist in diesem Zusammenhang die Rede von einer biologischen und artgerechten Fütterungsweise und das klingt ja erstmal vielversprechend. Aber was bedeutet „richtig barfen?" Neben der Gefahr einer einseitigen bzw. unausgewogenen Ernährung sollten sich Hunde- und Katzenhalter weiterer Risikofaktoren bewusst sein. Schließlich können rohes Fleisch und Innereien mit Parasiten, Viren oder Bakterien belastet sein.


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Richtig barfen heißt richtig informieren

Glänzendes Fell, mehr Muskelmasse, und sauberere Zähne – diese Verbesserungen nannten Hundebesitzer, die eine Rohfütterung auf Basis von rohem Fleisch einführten, in einer Online-Befragung. Das Barfen brachte für sie den Vorteil mit sich, selbst die Kontrolle über Qualität und Zusammensetzung des Futters zu übernehmen. An sich ist der Gedanke gut, denn so ist man dem Dschungel der Futtermittelindustrie weniger ausgeliefert. Die Rohfleischfütterung ist nicht durchweg abzulehnen, jedoch sind ihre Nachteile und Risiken in der Wissenschaft besser dokumentiert als die Vorteile. Aktuelle Studien aus Deutschland, Österreich und der Schweiz zeigen, wie schwierig "richtig barfen" aufgrund vielerlei Gefahren und Risiken sein kann:

  • Parasiten, Viren und Bakterien: Rohe Lebensmittel können für Tier und Mensch gefährlich werden. Schließlich erfolgt hier keine Erhitzung, die viele Parasiten, Viren und Bakterien inaktivieren würde. Besonders bei falscher Lagerung oder mehrmaligem Auftauen von Rationsbestandteilen besteht das Risiko, dass mitunter krankheitsauslösende Mikroorganismen im Futter enthalten sind. Auch Barf-Komplettmenüs, die bereits vor dem Kauf fertig zusammengestellt werden, können auf diese Weise belastet sein.
  • Resistente Keime: Für eine aktuelle Studie untersuchte ein Labor in der Schweiz 51 Rohfleisch-basierte Futterrationen für Hunde. Diese wurden von Zoofachgeschäften nahe dem untersuchenden Labor sowie aus Internetshops bezogen. Außerdem kamen Proben von einem kleinen Schweizer Unternehmen, das solche Barf-Futterrationen produziert. Fast drei Viertel der Proben fielen auf, weil der Anteil der enthaltenen Enterobakterien über dem EU-Richtwert lag. Enterobakterien halten sich im Verdauungstrakt auf. Sie können einerseits Teil der normalen, gesunden Darmflora sein. Andererseits zählen zu ihnen auch Gattungen, die Krankheiten wie Durchfälle oder Darmentzündungen verursachen. Mehr als die Hälfte der Proben enthielt resistente Enterobakterien. Eine Ihnen vielleicht bekannte krankheitsverursachende Gattung der Enterobakterien sind Salmonellen. Auch diese fanden sich in Proben. Da Salmonellen auch für Menschen ansteckend sind und mitunter schwere Magen-Darm-Erkrankungen auslösen können, ist dies besonders zu beachten. Selbst, wenn ein mit kontaminiertem Futter gebarftes Haustier selbst nicht erkrankt, kann sich sein Halter beim Vorbereiten des Futters oder auch über den Kot seines Vierbeiners anstecken.
  • Nährstoffe: Richtig barfen bedeutet auch, eine ausgewogene Ernährung für den Vierbeiner zu gewährleisten. Wie viel rohes Fleisch ist gut für den Hund? Welche Nährstoffe müssen unbedingt hinzugegeben werden und in welcher Menge? Barf-Rationen, egal ob fertig gekaufte Komplettmenüs oder von Hundehaltern eigens zusammengestellte Rationen, weisen trotz der Kombination mit Nahrungsergänzungsmitteln oft einen Mangel an Nährstoffen auf. Auch diese Problematik wurde wissenschaftlich untersucht. So befragten Forscher deutsche Hundehalter nach den von ihnen erstellen Rohfleisch-basierten Futterrationen. Nach der Auswertung der Fragebögen wurde die Zusammensetzung von 95 selbst kreierten Rationen unter die Lupe genommen. Etwa die Hälfte der Rationen lieferte weniger Iod als es dem Mindestbedarf entsprechen würde. Auch die ausreichende Versorgung mit Zink und Kupfer konnten viele Rationen nicht gewährleisten. Ein Viertel der Rationen deckte lediglich 70 Prozent des Bedarfs an Vitamin A ab. Iod-Mangel kann zu Problemen mit der Schilddrüse führen. Ein länger andauernder Vitamin-A-Mange kann zu Augenproblemen sowie Schäden an Haut und Schleimhäuten führen. Auf der anderen Seite zeigten manche Rationen einen Calcium Überschuss. Auch ein Überangebot bestimmter Nährstoffe kann zu gesundheitlichen Problemen führen. Im komplexen Stoffwechsel unserer Vierbeiner bestehen viele Wechselwirkungen. Die Überversorgung mit einem Nährstoff, wie hier zum Beispiel Calcium, kann den Stoffwechsel stören und somit zum Mangel eines anderen Nährstoffs führen. Eine Calcium-Überversorgung könnte so zu einem Zink-Mangel führen. Auch fertig zusammengestellte Komplettmenüs halten nicht immer ein, was ihre Etiketten versprechen. Richtig barfen bedeutet, eine bedarfsdeckende, vollwertige Ernährung zu gewährleisten.
  • Schlachtnebenprodukte: Hundefutter vom Metzger mitsamt Innereien steht ebenfalls auf so manchem Barf-Speiseplan. Der Verzehr roher Schlachtnebenprodukte wie Leber oder Schlund mit anhaftendem Schilddrüsengewebe kann jedoch erhebliche gesundheitliche Risiken mit sich bringen. So können Katzen unter den Folgen einer Überversorgung mit Vitamin A leiden, das in der Leber enthalten ist. Bei einer sogenannten Hypervitaminose A können krankhafte Skelettveränderungen entstehen, die die Katze in ihrer Beweglichkeit stark einschränken. Auch eine Überversorgung mit Vitamin D durch Leberverfütterung stört den Stoffwechsel der Katze erheblich und führt beispielsweise zu Nierenschäden. Zugefüttertes Schilddrüsengewebe kann Symptome einer Schilddrüsenüberfunktion hervorrufen.

Richtig barfen: Weitere Tipps

Das zu verfütternde Fleisch sollte vorher mindestens eine Woche lang bei -17 bis -20°C tiefgefroren werden. Durch das Einfrieren töten Sie Parasiten wie Spulwürmer oder kleine Hundebandwürmer ab. Hunde- und Katzenhalter, die richtig barfen möchten, aber kein entsprechendes Einfrieren ermöglichen können, sollten zu alternativen Maßnahmen greifen. Zum einen ist das regelmäßige Entwurmen – am besten alle sechs Wochen – zu empfehlen, um die Tiere vor einer Parasiten-Infektion zu schützen. Auch eine regelmäßige Kotuntersuchung kann hilfreich sein. Jedoch ist hier Vorsicht geboten: Eine negative Kotprobe bedeutet nicht zwangsläufig, dass das untersuchte Tier keine Würmer in sich trägt.

Achtung: Es hilft nicht gegen alle Erreger, das Fleisch einzufrieren und nicht alle Erreger lassen sich bei einer Kotuntersuchung entdecken. Salmonellen beispielsweise können Minusgrade überleben. Außerdem sollten Sie auf keinen Fall rohes Schweinefleisch verfüttern, auch nach längerer Einfrierzeit nicht. Hier besteht immer das Risiko, dass Viren enthalten sind, die die tödliche und hochansteckende Aujeszky-Krankheit hervorrufen.

Richtig barfen: Fazit

Zwar gilt es einiges zu beachten, wenn Sie sich für die Barf-Methode entscheiden, aber: Wer sich der beschriebenen Risiken bewusst ist und Barf-Mahlzeiten nach eingehender Beratung mit dem betreuenden Tierarzt oder Ernährungsexperten zusammenstellt, kann so eine ausgewogene, gesunde Ernährung für Hunde und Katzen gewährleisten. Richtig barfen oder gar nicht barfen? Wir haben uns außerdem für Sie mit Pro & Contra des Barf-Trends auseinandergesetzt.

Foto: © manushot/Adobe Stock

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