Sina Gratzke ist Tierphysiotherapeutin bei Step by Step-Tierphysiotherapie, -osteopathie und Naturheilkunde in Sehnde, Niedersachsen. Tagtäglich behandelt sie die unterschiedlichsten Leiden bei Hunden. Sie hat uns die am häufigsten auftretenden Schmerzen vorgestellt und verraten, wie Halter sie bei ihrem Liebling erkennen können.

Verspannungen und Verklebungen

Faszien sind ein Bindegewebe, das sich durch den gesamten Körper zieht, mit der grundlegenden Funktion, den Körper einschließlich der Gelenke zu stabilisieren. Es kann vorkommen, dass Faszien und Muskeln des Hundes verspannen oder verkleben, was die Bewegung schmerzhaft gestaltet und einschränkt. Wenn Sie bei Ihrem Liebling einen Rückgang in seiner Flexibilität feststellen, können Sie vorsichtig versuchen, die Haut an der betreffenden Stelle zu verschieben. Achten Sie darauf, ob Sie den Eindruck haben, dass die Haut fest und unflexibel ist, also „verklebt“.  Ist das der Fall und zuckt die Haut bei Berührungen, sind das erste Anzeichen für Verspannungen und Verklebungen der Muskulatur und Faszien.

Spondylose

Spondylose beschreibt knöcherne Zubildungen an der Wirbelsäule. Durch sie verspannt sich der Rücken stark, wodurch jegliche Bewegungen verlangsamt und reduziert werden. Beim Laufen stellen Sie in diesem Fall vermutlich auch einen auffallenden Hüftschwung fest. In schlimmen Fällen kann eine plötzliche Inkontinenz auftreten.

Hüftgelenksdysplasie

Bei einer Fehlentwicklung des Hüftgelenks leidet Ihr Vierbeiner unter Kraftlosigkeit in der hinteren Körperhälfte, sodass jede Bewegung zu einer Herausforderung wird. Der Hund läuft nur noch langsam und in einem steifen Gang, vermeidet Treppen und Sprünge.

Patellaluxation (Kniescheibenverränkung)

Bei dieser Kniegelenksverletzung springt die Kniescheibe aus ihrer Führung. Bei einer fortgeschrittenen Erkrankung hüpfen Hunde auf drei Beinen, um das betroffene Knie nicht zu belasten. Viele Hunde, die von dieser Erkrankung betroffen sind, zeigen vorerst keine Lahmheit und es kommt erst im sehr späten Verlauf zu sichtbaren Problemen. Beim Abtasten des Knies durch einen Tierarzt oder Therapeuten zeigt der Vierbeiner Schmerzen und eine Lockerheit der Kniescheibe ist zu spüren.

Blockierung von Gelenken

Blockierungen von Gelenken können in verschiedenen Körperregionen und an allen Gelenken vorkommen, ein häufig auftretendes Beispiel sind Wirbelblockaden. In solchen Fällen bemerken Halter bei ihrem Liebling eine verminderte Bewegungsfreude, der Hund ist auffällig ruhiger und liegt viel. Insgesamt zeigt sich ein untypisches Gangbild. Auch psychische Veränderungen wie zum Beispiel plötzliche Angst kann durch eine Wirbelblockade ausgelöst werden.

Bandscheibenvorfall

Bei einem Bandscheibenvorfall leidet der Hund unter sehr starken Schmerzen, die sogar mit einer plötzlichen Lähmung der Vorder- und Hinterbeine einhergehen können. Seine Beschwerden äußert er in der Regel mit Winseln und lauten Schreien. Sein Gang ist unkoordiniert und sein Rücken verspannt.

Vorsorge statt Nachsorge

Sie als Hundehalter können einige Maßnahmen treffen, um eine Erkrankung vorzubeugen oder Ihren Vierbeiner im Falle einer Erkrankung zu unterstützen. Grundsätzlich sollte Ihr Hund immer von einem Tierarzt untersucht werden, ein Physiotherapeut kann Sie während des Krankheitsverlaufs oder zur Vorsorge begleiten und beraten.

Viele Tierhalter nutzen ein regelmäßiges Check-Up, um rechtzeitig Veränderungen bei ihrem Liebling aufzudecken. Grundsätzlich kann mit einer frühzeitigen Therapie ein wesentlich besserer Erfolg erzielt werden. Vorsorge und Behandlung sind jedoch immer mit Kosten verbunden, weshalb Sie sich ebenfalls frühzeitig überlegen sollten, ob eine Tierkrankenversicherung für Sie in Frage kommt.

Foto: © Martin Schlecht/Adobe Stock

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