Immer bessere Tarnung

Die Reportage verdeutlicht: Illegale Hundehändler haben sich längst angepasst und zu einer regelrechten Hundemafia zusammengeschlossen. Sie machen es für Interessenten immer schwieriger zwischen unseriösen und seriösen Züchtern zu unterscheiden. Anzeichen, die bisher deutlich für unseriöse Angebote sprachen, werden heute gekonnt und vorsätzlich verschleiert: Kein Impfpass, Welpen mehrerer verschiedener Hunderassen zur selben Zeit, Vorenthalten des Muttertiers und Ablehnung einer Vorabbesichtigung des Lebensraumes der Vierbeiner. Hauptindiz für unseriöse Verkäufer war bisher meist ein spottbilliger Preis für die jeweiligen Welpen.

Unseriöse Hundezüchter wissen jedoch längst über diese Aspekte Bescheid und täuschen Interessenten auf perfide Art und Weise – zum Leid der Tiere. Sie nehmen dieselben Preise wie seriöse Züchter, besitzen gefälschte Impfpässe und verstecken andere Hunde in Zwingern, sodass diese bei der Besichtigung des eigentlichen Welpen unentdeckt bleiben. Die Welpen scheinen in einem liebevollen Zuhause zu leben, der „Züchter“ vermittelt einen sympathischen und vertrauenswürdigen Eindruck. In Wirklichkeit sind die Welpen jedoch erkrankt, wurden noch keiner einzigen tierärztlichen Untersuchung unterzogen, viel zu früh von dem Muttertier getrennt und aus Osteuropa eingekauft. Die Beschreibungen der Welpenhändler im Internet klingen liebevoll und herzerwärmend. Am Ende erwartet viele unwissende und gutgläubige Neu-Hundebesitzer hingegen ein böses Erwachen.

Schockierender Polizeieinsatz

Stern TV berichtete über einen besonders schwerwiegenden Fall. In Kreuztal, Nordrhein-Westfalen, wurde Ende letzten Jahres ein Hundehändler gefasst, der bereits seit über 10 Jahren unter Verdacht der Tierquälerei stand. Bei der Großrazzia der Polizei wurden insgesamt 106 Hunde beschlagnahmt, darunter mehr als 30 Welpen. Ein schockierender Anblick: Flehende Hundeaugen, verletzte und verwahrloste Tiere, blutiger Kot in Wassernäpfen und tote Hunde vor der Garage liegend. Besonders traurig an dem Fall des Hundehändlers aus Kreuztal: Es gab bereits zahlreiche Anzeigen von betroffenen Käufern, zuständige Tierärztekammer sowie Veterinäramt wurden mehrfach informiert. Bereits 2004 wurde dem Mann das Züchten und Handeln verboten. Um den illegalen Welpenhandel weiterführen zu können, übernahm 2006 einfach seine Frau das „Geschäft“.

Bei Betriebsprüfungen 2012 stellte das Veterinäramt vor Ort zwar eine massive Überbelegung fest, unternommen wurde jedoch nichts. 109 Hunde, darunter 50 Zuchthunde, befanden sich zu der Zeit im Besitz des nordrhein-westfälischen Händlers – erlaubt sind nur 30 Zuchthunde. Man müsste meinen, dass es genügend Anzeigen, Indizien und sogar Beweise gab, um dem Hundemafia-Mitglied allein aus tierschutzrechtlicher Sicht das Handwerk zu legen. Zu der Festnahme kam es letztendlich jedoch nur, weil der Familie organisierte Kriminalität und nicht etwa eine Verletzung des Tierschutzes vorgeworfen wird. Auch eine Tierärztin war in den abscheulichen Fall involviert. Sie stellte dem illegalen Hundehändler Impfpässe in großer Zahl aus, ohne die Welpen je gesehen zu haben. Gegen sie liegt mittlerweile ebenfalls ein Haftbefehl vor.

Illegale Welpenhändler sind längst keine Seltenheit mehr. Sie haben sich zu einem Netzwerk, einer Hundemafia, zusammengeschlossen und täuschen Hundeliebhaber bis aufs Mark. Die Welpen sind dabei dem größten Leid ausgesetzt. Umso wichtiger ist es beim Welpenkauf die Augen offen zu halten! In unserer Welpenkauf-Checkliste finden Sie hilfreiche Tipps und Anzeichen zum Erkennen eines seriösen Hundezüchters.

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Anzeigenbild: © Mia Anderson – unsplash.com

Verwendetes Bildmaterial

Foto: © juefraphoto/fotolia.com

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