Was heißt eigentlich „ausreichend Bewegung“ – und was ist zu viel? Pauschal lässt sich das leider nicht für alle Hunde sagen. Dennoch gibt es ein paar Faktoren, an denen Sie sich orientieren sollten. In diesem Artikel erklären wir, wie Sie herausfinden können, wie viel Auslauf Ihr Hund benötigt.


Inhaltsverzeichnis:


Verschiedene Faktoren beeinflussen den Bewegungsbedarf

Wie viel Auslauf braucht ein Hund? – Bei dieser Frage scheiden sich die Geister. Und das aus gutem Grund, denn eine allgemein zutreffende Regel gibt es nicht und kann es gar nicht geben, schließlich ist jeder unserer Vierbeiner eine eigene Persönlichkeit mit individuellen Ansprüchen. Der Bewegungsbedarf eines Hundes ist abhängig von seinem Alter und Gesundheitszustand, seiner Rasse bzw. seinem Körperbau (leichte, langbeinige Hunde brauchen in der Regel mehr Bewegung als stämmige Vierbeiner), der Intensität und Abwechslung der Aktivitäten sowie der aufgebauten Kondition. Dabei ist es sehr wichtig, dass Sie sich mit dem Bewegungsbedarf Ihres Lieblings auseinandersetzen und ihm genügend Auslauf bieten: Übergewicht wird vermieden, die Muskulatur wird gestärkt und die Funktionsfähigkeit des Herz-Kreislauf-Systems und des Immunsystems gefördert. Insgesamt wird die Lebenserwartung und -qualität gesteigert.

Wie oft muss ein Hund raus?

Zwar kann der Bewegungsbedarf eines Hundes durch junges und hohes Alter oder Erkrankungen gemindert werden – normalerweise sollte allerdings jeder erwachsene Hund täglich mindestens zwei bis drei Spaziergänge von insgesamt mindestens einer Stunde ermöglicht bekommen, wovon etwa 15 Minuten aus freiem Spiel ohne Leine bestehen. Das „mindestens“ ist dabei besonders wichtig und sollte in der Regel über- aber niemals unterschritten werden.

Zu den Rassen, die vergleichsweise wenig Bewegung brauchen, gehören unter anderem der Bichon Frisé, Yorkshire Terrier und Zwergpinscher. Etwas aktiver dagegen sind unter anderem der Airedale Terrier, der Scottish Terrier und der Cocker Spaniel. Auch Arbeits- oder Jagdhunde wie der Border Collie, Labrador, Golden Retriever oder Schäferhund freuen sich über bis zu drei Stunden Auslauf täglich. Diese Rassen sind Belastung gewöhnt und haben besonders viel Energie. Die letzte Steigerung dazu sind hochaktive und extrem belastbare Hunde, darunter beispielsweise der Siberian Husky. Bis zu sechs Stunden Bewegung am Tag sind bei aktiven Rassen möglich – aber nicht nötig: Es kommt auf den Charakter des Tieres ebenso an, wie auf die Kondition und den Gesundheitszustand. Auslastung und Bewegung sind übrigens keinesfalls gleichzusetzen! Bewegung kann zwar dazu beitragen, den Hund auszulasten, doch einige Hunde sind von stundenlangem Laufen wenig beeindruckt und brauchen mehr Kopfarbeit. Viel Bewegung kann dann sogar kontraproduktiv wirken und den Vierbeiner eher noch „aufputschen“, anstatt ihn auszulasten. Darum ist es wichtig, die individuelle Balance aus Körper- und Kopfaufgaben herauszufinden. Wenn Ihr Liebling einfach nicht müde werden will und Sie nicht weiter wissen, ist professionelle Unterstützung ratsam. Ein besonders hohes Maß an Bewegung sollte beispielsweise immer auch tierärztlich begleitet und kontrolliert werden.

Es gibt zwar Rassen, die typischer Weise mehr Bewegung brauchen und Rassen, die mit es etwas ruhiger mögen – trotzdem sollten Sie sich nicht auf die rassetypischen Merkmale verlassen, Ihr individueller Vierbeiner kann sie immer wieder überraschen! Den individuellen Bedarf an Auslauf und Spiel können Sie in unserem kostenlosen Bewegungstracker für Hunde festhalten und nachverfolgen.

Gesunde Hunde mit gesunder Auslastung

Für einen reibungslosen Bewegungsablauf ist es wichtig, dass die Knochen, Muskeln und Gelenke gesund sind. Beispielsweise neigen Dackel zu einem Bandscheibenvorfall – der sogenannten Dackellähme – und sollten springende Bewegungen vermeiden, um die Gelenke nicht zusätzlich zu belasten. Generell sollte das Wachstum des Tieres abgeschlossen sein, bevor es mit „richtiger“ Bewegung los geht; das ist meist mit einem bis anderthalb Jahren der Fall. Ein funktionsfähiges Herz-Kreislauf-System versorgt die Muskeln mit sauerstoff- und nährstoffhaltigem Blut und auch die Lunge und Atemwege sollten natürlich nicht beeinträchtigt sein. Rassen, die unter Brachycephalie leiden, sind daher nicht so belastbar wie der „durchschnittliche“ Hund. Bei akuten Infekten und nach Impfungen brauchen Hunde (wie auch wir Menschen) eine Erholungspause. Zwar ist zunehmendes Alter keine Erkrankung, dennoch sinkt meist die Kondition und die Wahrscheinlichkeit von Erkrankungen steigt. Regelmäßige tierärztliche Check-Ups sind hier besonders wichtig und den Auslauf sollten sie auf kürzere, langsame Einheiten aufteilen.
In jedem Alter und bei jedem Hund ist es wichtig, das Bewegungspensum mit der Tierärztin oder dem Tierarzt zu besprechen. Sie können mögliche Krankheiten ausschließen und Sie individuell beraten, welche Bewegung und wie viel Auslauf für Ihren Hund am besten sind.

Wie viel Auslauf für Welpen?

Das Alter spielt eine Rolle – insbesondere bei Welpen, bei denen durch Überlastung leicht nachhaltige Schäden entstehen können. Daher gelten bei Junghunden, die noch nicht ausgewachsen sind, ganz andere Regeln. Spaziergänge sollten zunächst in mehreren einzelnen Einheiten starten; sechs bis acht Spaziergänge, die jeweils zehn Minuten nicht überschreiten, sollten für den Anfang genügen und können langsam gesteigert werden. Auslauf, der eine ganze Stunde erreicht, sollte allerdings frühestens mit sechs Monaten eingeführt werden – und dann zunächst nur alle paar Tage und mit genügend Ruhezeit (auf eine Stunde Auslauf sollten drei bis vier Stunden Pause folgen). Außerdem sollte zunächst der Fokus auf freier Bewegung liegen: Also im eigenen Tempo des Welpen.
Es kann aber gut sein, dass Ihr Liebling damit nicht im Ansatz ausgelastet zu sein scheint. Solange Sie eine kognitive Überforderung durch die vielen verschiedenen Eindrücke ausschließen können, sollten Sie überlegen, wie Sie Ihren Liebling besser auslasten, ohne ihn körperlich zu überlasten. Wandern mit Hund können Sie und Ihr Liebling frühestens ab einem Jahr üben. Auch dabei sollten Sie schrittweise Kondition aufbauen und sich nur langsam anspruchsvolleren Strecken nähern.
Sollten Sie früher mehr und längere Spaziergänge für sinnvoll halten, ist zunächst tierärztliche Beratung einzuholen – ansonsten drohen langfristige Entwicklungsschäden, die sich beispielsweise in Gelenkproblemen äußern können. Übrigens: Wann ein Hund ausgewachsen ist, hängt hauptsächlich von der Rasse ab. Kleine Rassen sind meist schneller ausgewachsen als große, bei denen der Knochenaufbau länger dauert und damit auch länger das Bewegungspensum eingeschränkt werden sollte.

Wie viel Auslauf für Stadthunde?

Ein Hundeleben in der Stadt birgt eine besondere Verantwortung für Sie, Ihrem Liebling genügend Auslauf zu bieten. Hauptsächlich, weil selbst die hundefreundlichste Stadt weniger Grünflächen und mehr Gefahren (zum Beispiel große Straßen) mit sich bringt. Außerdem kann durch die vielen anderen Menschen und Reize das Gassi gehen anstrengend kann und es ist selten ein Garten vorhanden, in dem der Hund seinen Tag verbringen kann.
Das heißt für eine Hundehaltung in der Stadt, dass Sie mit Ihrem Hund ein entspanntes Verhalten im urbanen Umfeld gut trainieren, sich verschiedene (hundefreundliche) Parks und Hundewiesen raussuchen, und vielleicht sogar spezielle Gassi-Treffs aufsuchen sollten. Weiche Böden – also Erde, Sand und Wiese – sind für Hundepfoten der angenehmste Untergrund. Achten Sie darauf, wenn Sie sich Gassi-Runden heraussuchen. Lange Ausflüge aufs Land sind am Wochenende eine willkommene Abwechslung  für Hund und Halter:in.

Auslastung durch Abwechslung

Spaziergang ist nicht gleich Spaziergang – wie viel Auslauf Ihr Hund braucht, hängt von der Qualität des Spaziergangs ab. Dabei sollten Sie ausprobieren, was Ihrem Hund am meisten Spaß macht. Einigen reicht es, einfach nur langsam und ohne Leine herumzulaufen und alles einmal genauer zu beschnuppern. Andere Vierbeiner sind auf ein ausgeprägtes Sozialleben und Tobe-Stunden mit Artgenossen angewiesen. Wiederum andere brauchen gezielte Konzentrations- und Koordinationsübungen. Vielleicht ist ja auch regelmäßiger Hundesport, beispielsweise Agility, sinnvoll? Oder begleitet Ihr Hund Sie gerne bei Ihrem Sport, zum Beispiel beim Joggen oder Fahrradfahren?

Welchen Auslauf bei welchem Wetter?

Auch im Herbst und Winter sind Hundesport und ausgeglichener Auslauf möglich und sinnvoll, denn der berühmte „Winterspeck“ hat bei unseren Haustieren nichts zu suchen. Natürlich sollten Sie immer, je nach Jahreszeit, bestimmte Sicherheitsmaßnahmen ergreifen, um beispielsweise winterliche Gefahren zu meiden. Kürzere Spaziergänge und besonders sorgfältige Pfotenpflege sind in der kälteren Jahreszeit angemessen. Auch im Sommer sollten Sie Ihrem Liebling nicht zu viel zumuten, hier drohen Hitzschlag und Sonnenbrand. Sollte Ihnen allerdings das Wetter einfach nicht so richtig zusagen, ist das keine Ausrede; auch ein Hundespaziergang bei Regen kann zu einem großen Vergnügen werden. Finden Sie die Wettervorlieben beim Hund heraus und nutzen Sie die Gelegenheiten für besonders lange, spaßige Spaziergänge.

Dieser Artikel wurde geprüft von Tierärztin Melanie Ahlers.

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