Fast jeder zweite Hund hat „zu viel auf den Rippen“. Denn Leckerlis, Essensreste, große Futterportionen und was sonst noch so gut gemeint ist, können schnell zu Übergewicht beim Hund führen und damit zu einer starken Belastung werden. Hier erfahren Sie mehr über die Erkrankung und ihre Folgen.


Inhaltsverzeichnis:


Was ist Übergewicht beim Hund?

Übergewicht beim Hund ist eine Erkrankung, bei der sich vermehrt Fett im Körper ansammelt und das Tier ein deutlich überdurchschnittliches Gewicht hat, was die normalen Körperfunktionen einschränkt. Werden keine entsprechenden Maßnahmen getroffen und es kommt zu einer weiteren Zunahme der Körpermasse, führt das zur Fettleibigkeit, auch als Adipositas bekannt. Von Adipositas spricht man, wenn das Normalgewicht um ungefähr 15 bis 20 Prozent überschritten wird.  Während Halter:innen bei leichtem Übergewicht (bis zu 10 Prozent über dem Normalgewicht) noch selbst Maßnahmen – in der Regel eine leichte Futterreduktion – ergreifen können, stellt Fettleibigkeit eine starke gesundheitliche Gefahr dar und benötigt tierärztliche Betreuung.
Adipositas und Übergewicht beim Hund sind weit verbreitet; der Bundesverband praktizierender Tierärzte gibt an, das bis zu 50 Prozent aller Hunde darunter leiden. Das ist ein großes Problem, denn neben einer allgemeinen Beeinträchtigung der Lebensqualität führt Übergewicht beim Hund häufig zu chronischen Erkrankungen und verkürzt die Lebenszeit.

Ursachen für Übergewicht beim Hund

Die Ursachen können vielfältig sein, ein Großteil der Erkrankungen ist allerdings auf eine falsche Ernährung zurückzuführen. Das beschreibt eine zu energiereiche Nahrung, bei der der eigentliche Bedarf des Tieres überschritten wird. Die dabei gebildeten Fettpolster und damit das erhöhte Gewicht können sogar bestehen bleiben, wenn die Nahrungsaufnahme nicht mehr den Bedarf überschreitet. Das heißt, dass Übergewicht erst durch eine energiereduzierte Diät wieder abgebaut wird. Der Energiebedarf eines Hundes verändert sich über die verschiedenen Lebensphasen hinweg, sodass beispielsweise ältere Vierbeiner, die sich weniger bewegen und einen langsameren Stoffwechsel haben, auch weniger energiereiche Nahrung zu sich nehmen sollten.
Neben der Ernährung gibt es weitere Faktoren, die Übergewicht beim Hund begünstigen oder dazu führen können. So neigen Hunde nach einer Kastration vermehrt zu einem erhöhten Gewicht –  die genauen Gründe sind aber noch nicht abschließend geklärt. Außerdem zeigen einige Rassen eine Prädisposition, darunter Beagle, Cocker Spaniel und Labrador Retriever. Daneben können bestimmte Medikamente zu Übergewicht bei Hunden führen, beispielsweise Cortison. Letztlich kann Übergewicht als Symptom einiger Erkrankungen auftreten, häufig wird dies bei einer Fehlfunktion der Nebenniere (bekannt als Morbus Cushing) und des Hypothalamus (ein Abschnitt des Zwischenhirns) sowie einer Schilddrüsenunterfunktion beobachtet.

Risiken von Übergewicht beim Hund

Es handelt sich hier um eine ernstzunehmende Krankheit, die eine große Zahl gesundheitsschädlicher Folgen mit sich bringen kann. Allgemein sollte klar sein, dass die Lebensqualität betroffener Hunde abnimmt und auch die Lebenszeit ist bei übergewichtigen und adipösen Tieren im Vergleich zu normalgewichtigen reduziert. Die durch Übergewicht beim Hund geförderten chronischen Krankheiten sind vielfältig. Je weiter das Übergewicht oder die Fettleibigkeit beim Hund fortgeschritten ist, umso gefährdeter ist auch die Gesundheit des Vierbeiners.

Chronischen Erkrankungen im Zusammenhang mit Fettleibigkeit und Übergewicht beim Hund:

  • Atemprobleme
  • Gelenkschmerzen und eingeschränkte Funktion der Gelenke
  • Bewegungsstörungen
  • Verdauungsstörungen
  • Hauterkrankungen
  • Inkontinenz
  • Fruchtbarkeitsstörungen
  • Lebererkrankungen
  • Herz- und Kreislauf-Erkrankungen
  • Störungen des Immunsystems
  • Diabetes mellitus

 

Wie erkennt man Übergewicht beim Hund?

Ein zu hohes Gewicht wird von vielen Halter:innen nicht als solches wahrgenommen. Umso wichtiger ist es, dass Sie sich über Anzeichen informieren und Ihren Liebling dahingehend beobachten. Allgemein können sie mehr vorhandenes Fett erkennen, häufig am Ansatz der Rute sowie am Bauch, der durch innere Fettablagerungen dicker wirkt. Die Rippen sollten bei normalgewichtigen Hunden gut zu tasten sein – ist das nicht mehr der Fall, liegt das wahrscheinlich an einer darüber abgelagerten Fettschicht.

Bei adipösen Hunden werden außerdem starke Verhaltensänderungen deutlich: Sie bewegen sich nicht mehr gerne, was neben der eingeschränkten Fitness auf schmerzende Gelenke zurückgeführt werden kann. Schweres Atmen bzw. Probleme beim Luftholen, Schnarchen und Hecheln nach nur geringer Belastung sind weitere Anzeichen. Hinzu kommen jegliche Symptome der Folgeerkrankungen wie beispielsweise Durchfall, Erbrechen, Unsauberkeit, Abgeschlagenheit und Fieber.

Übergewicht beim Hund: Diagnose

Tierärzte und Tierärztinnen sind geschult darin, Übergewicht beim Hund zu erkennen. Für eine objektive Einschätzung gibt es in der Tierarztpraxis die Möglichkeit, die Körpermasse mittels einer Waage zu bestimmen. Außerdem kann der Zustand Ihres Lieblings mittels des sogenannten Body Condition Score (BCS) beurteilt werden. Dabei handelt es sich um ein standardisiertes Punkte-Schema, das in neun Staffelungen von „abgemagert“ (BCS 1) über „ideal“ (BCS 5) bis „verfettet“ (BCS 9) einteilt.

Übergewicht beim Hund: Ernährung

Bei leichtem Übergewicht bei Hunden reicht es in der Regel, die Futtermenge (also Energiezufuhr) zu reduzieren bzw. Leckerlis und ähnliches wegzulassen bzw. auf weniger reichhaltige Leckerchen zurückzugreifen. Dabei sollte auf ausreichend bzw. möglicherweise etwas mehr Bewegung geachtet werden. Leidet der Hund bereits unter Adipositas, wird der Tierarzt oder die Tierärztin zu drastischeren Maßnahmen raten: Die Energiezufuhr ist dann deutlich zu reduzieren und die Bewegung (sofern es der Gesundheitszustand zulässt) zu erhöhen. Die nötige Reduktionsdiät ist neben von einem deutlich geringeren Energiegehalt von einem reduzierten Fettanteil und erhöhtem Rohfasergehalt gekennzeichnet. Dazu sind mehr Proteine und essenzielle Aminosäuren wichtig, damit die fettfreie (also gewünschte) Körpermasse erhalten und nicht zusammen mit den Fettpolstern abgebaut wird. Entsprechende Futtermittel erhalten Sie bei verschiedenen Herstellern, Ihr Tierarzt oder Ihre Tierärztin wird Sie dahingehend beraten.

Selbstgemischte Diätfütterungen enthalten in der Regel folgende Zutaten:

  • Magere Fleischsorten (z.B. Geflügel) als Basis
  • Kohlenhydratreiche Nahrungsmittel (z.B. gekochte Kartoffeln)
  • Rohfaserreiche Produkte (z.B. Möhren oder Weizenkleie) als Zusatz

Dazu sollten Ergänzungsfuttermittel die nötigen Mineralstoffe und Vitamine sicherstellen, außerdem decken geringe Mengen an Pflanzenölen den Bedarf an Linolsäure.


Wie es auch bei Menschen der Fall ist, sollten Hunde nicht zu schnell abnehmen. Ratsam ist bei adipösen Hunden der Gewichtsverlust von ca. einem Prozent der Körpermasse pro Woche, sodass das Gewicht nachhaltig abnimmt und dabei keine Muskelmasse angegriffen wird. Regelmäßiges Wiegen zu Kontrolle des Therapieverlaufs sowie eine Dokumentation sind dabei in der Regel üblich. Wie lange es dauert, bis der Hund sein Idealgewicht erreicht hat, ist von seinem Startgewicht und dem Therapieverlauf abhängig – häufig ist mit ungefähr 6 Monaten zu rechnen.

Übergewicht beim Hund verhindern

Achten Sie bei Ihrem Liebling auf die Zusammensetzung des Hundefutters. Zucker ist beispielsweise keinesfalls dienlich und führt dazu noch zu Zahnproblemen. Auch bleibt die Empfehlung für die Futtermenge auf der Verpackungsrückseite weiterhin eine Empfehlung, die allerdings nicht pauschal auf jeden Hund übertragbar ist, da der Kalorienbedarf des Tieres von verschiedenen Faktoren – unter anderem dem Alter, der Rasse, der Aktivität und dem Futtermittel selbst – abhängig ist und individuell variiert. Die energetische Überversorgung ist außerdem auf viel „Leckerchen nebenbei“ zurückzuführen. Achten Sie also auf die Menge der Leckerlis, die Sie Ihrem Vierbeiner geben, und ziehen Sie diese von den Mahlzeiten ab. Außerdem sind Leckerlis häufig energiereicher als einfaches Futter – freut sich Ihr Liebling vielleicht auch über eine gesündere Variante, beispielsweise einem Stück Möhre? Die Nahrungsmenge sollten Sie außerdem an die Bewegung anpassen – der unbeliebte „Winterspeck“ kann für unsere Vierbeiner zu einem ersthaften gesundheitlichen Problem werden, wenn sie aufgrund der niedrigen Temperaturen nicht mehr den ganzen Tag durch die Natur tollen können.
Am wichtigsten ist es, dass Sie Ihren Hund kennen und lernen, seinen Idealzustand richtig einzuschätzen. Gewichtsveränderungen können Sie beispielsweise in Ihrem Tiergesundheitskalender notieren und so besser nachvollziehen. Das hilft auch Ihrem Tierarzt oder Ihrer Tierärztin, die Ihnen gern mit Rat und Tat zur Seite stehen.

Dieser Artikel wurde geprüft von Tierärztin Melanie Ahlers.

Die genannten Informationen stellen keine Anleitung zur Selbstdiagnose und Behandlung von Tierkrankheiten dar. Tierhalter sollten bei gesundheitlichen Problemen ihres Tieres in jedem Fall einen Tierarzt um Rat fragen. Diagnosen über das Internet sind nicht möglich.

Foto: © AGILA