Zwergpinscher sind die kleinsten Vertreter der Pinscherfamilie – und damit die kleinere Variante des Deutschen Pinschers und des Dobermanns. In Deutschland hat der Zwergpinscher – der aufgrund seiner häufig rehbraunen Färbung auch Rehpinscher genannt wird – eine sehr lange Tradition. Als gesichert gilt, dass diese Hunderasse von dem sogenannten Torfgrubenhund abstammt, der vor rund 3000 Jahren im Ostseegebiet lebte. Im Mittelalter war ein Hund, der dem heutigen Zwergpinscher sehr ähnelte, im ländlichen Raum stark verbreitet.

Zwergpinscher sind ausgesprochen vielseitig

Spätestens im 19. Jahrhundert war der 25 bis 30cm große Rehpinscher auf fast jedem Bauernhof zu finden, wo er den Stall von Ratten und Mäusen freihielt und mit seinem Gebell Fremde ankündigte. Händler, Postkutscher und Marketender ließen sich gern von einem Hund dieser Rasse begleiten. Trotz seiner geringen Größe besaß der Zwergpinscher also viele Einsatzgebiete: Er war sowohl Jagdhund als auch Wachhund und Begleithund. Das zeigt, über welch vielseitige und starke Hundepersönlichkeit der Zwergpinscher schon damals verfügte. Kein Wunder, dass man auch in Amerika Gefallen an dem beherzten Kleinhund fand – so trat der kleine Rattenjäger seinen Siegeszug um die ganze Welt an. Auch die Franzosen erwärmten sich für den Rehpinscher – doch hier standen eher seine Qualitäten als Damenhund im Vordergrund. Das hatte zur Folge, dass die kleine Kämpfernatur durch züchterische Selektion immer mehr zum Schoßhund wurde. Denn in Frankreich favorisierte man einen extrem kleinen Typ Zwergpinscher, der nur noch bleistiftdünne Beinchen besaß. Ein Glück, dass sich nach dem zweiten Weltkrieg verantwortungsbewusste Züchter zusammenschlossen, die sich gesündere und robustere Vertreter dieser Rasse zum Ziel machten. Ihnen ist es zu verdanken, dass der Zwergpinscher wieder zu einem kernigen Kleinhund wurde, der mit echten Großhund-Qualitäten aufwartet.

Kleinhund mit vielen Qualitäten – und Ansprüchen

Rehpinscher haben einen starken Charakter und vielseitige Begabungen. Da wundert es nicht, dass sie gefordert werden wollen und eine konsequente, souveräne und hundegerechte Erziehung brauchen. Ein unterbeschäftigter und unerzogener Zwergpinscher wird schnell zum Kläffer. Wer sich viel mit dem Kleinhund beschäftigt, erhält dagegen einen zuverlässigen und anpassungsfähigen Gefährten. Ein gewisser Hang zum Bellen ist einem Zwergpinscher jedoch auch bei guter Erziehung eigen, denn schließlich betrachtet er es seit jeher als seine Aufgabe, sein Heim zu beschützen und Fremde zu melden. Zwergpinscher sind sehr agile Hunde und haben in der Regel große Freude an fast jedem Hundesport. Der flinke Hund überzeugt vor allem beim Agility, wo große Wendigkeit gefragt ist. Doch der gelehrige Kleinhund lässt sich auch im Handumdrehen Hunde-Tricks beibringen und kann sogar im Obedience zeigen, wie glänzend er gehorcht. Allerdings sind Rehpinscher sensibel und vertragen keine Härte. Ideal ist es, wenn sie mit viel Lob, Spiel und Motivation erzogen werden – dann sind sie stets mit großem Eifer bei der Sache.

Familienhund, Stadthund – aber kein Seniorenhund

Aufgrund ihrer großen Anpassungsfähigkeit sind Rehpinscher gut als Familienhunde geeignet – Kinder sollten lediglich in einem Alter sein, in dem sie rücksichtsvoll mit dem kleinen Hund umgehen können. Auch in der Stadt kann man den quirligen Kerl sehr gut halten – sofern man ihn entsprechend auslastet und ihm eine Aufgabe gibt. Für ältere Menschen ist der Rehpinscher nicht unbedingt der ideale Begleiter – dafür ist er in der Regel zu aktiv und temperamentvoll. Senioren hätten Schwierigkeiten, dem rastlosen Kleinhund genügend Bewegung zu verschaffen – und könnten womöglich über ihn stolpern.