Viele Hunde bellen gern freudig, wenn Frauchen oder Herrchen nach Hause kommen. Allerdings übertreiben es einige Exemplare und bellen selbst zu unpassenden Zeiten und Gelegenheiten besonders laut und ausdauernd. Dieses Hundegebell stört oft die Nachbarn und führt im Extremfall gar zu rechtlichen Auseinandersetzungen. Doch wie ist hier die Rechtslage und was können Sie gegen übermäßiges Hundegebell Ihres Vierbeiners tun? 

Inhaltsverzeichnis:

Hundegebell - Was ist zumutbar?

Laut OLG Köln darf Hundegebell nicht länger als 10 bis 15 Minuten am Stück dauern. Allerdings gilt dies nur von 6 bis 22 Uhr und nicht während der Mittagsruhe von 13 bis 15 Uhr. Mittags und nachts darf Ihr Hund nämlich gar nicht bellen. Außerdem zählen auch Sonn- bzw. Feiertage zu den Ruhezeiten, in denen Hundegebell verboten ist. Ansonsten gilt auch dies als Ruhestörung.

Ihr Nachbar hat im Wiederholungsfall das Recht, das Ordnungsamt zu rufen. Die Mitarbeiter führen dann Lärmpegelmessungen durch, um den Grad der Lärmbelastung festzustellen. In der Regel wird anschließend ein Bußgeld im unteren dreistelligen Bereich fällig. Der entscheidende Punkt bei der Strafbarkeit des Vergehens liegt in der Zumutbarkeit. Der Gesetzgeber unterscheidet grundsätzlich zwischen zumutbarem und unzumutbarem Hundegebell.

Zumutbar ist

  • Kurzes Bellen, weil es zum natürlichen Hundeverhalten gehört.

Unzumutbar ist

  • Durchgehendes, lautes Bellen über einen längeren Zeitraum
  • Bellen während der Ruhezeiten oder an Sonn- bzw. Feiertagen

Eine Anzeige wegen Hundegebell gilt als Ordnungswidrigkeit nach § 117 OWiG. In diesem Paragraphen ist festgelegt:

(1) Ordnungswidrig handelt, wer ohne berechtigten Anlaß oder in einem unzulässigen oder nach den Umständen vermeidbaren Ausmaß Lärm erregt, der geeignet ist, die Allgemeinheit oder die Nachbarschaft erheblich zu belästigen oder die Gesundheit eines anderen zu schädigen.

(2) Die Ordnungswidrigkeit kann mit einer Geldbuße bis zu fünftausend Euro geahndet werden, wenn die Handlung nicht nach anderen Vorschriften geahndet werden kann.

Das Oberverwaltungsgericht (OVG) Lüneburg bekräftigte 2013 die Rechte der Nachbarn bei Ruhestörung durch Hundegebell (Az.: 11 ME 148/13). Fortdauerndes und lautes Bellen wird durch Gesetze sanktioniert, da es  das Wohlbefinden der Nachbarn beeinträchtigt.

Weil Bellen zum natürlichen Hundeverhalten zählt, kann es nicht ganz unterbunden werden. Allerdings kommt es maßgeblich auf Lautstärke und Dauer des Bellens an. 

Betroffene fertigen deshalb ein Lärmprotokoll an, um die Lärmbelästigung zu notieren. Darin halten sie Dauer und  Lautstärke des Bellens fest. Die Geschädigten suchen außerdem nach Zeugen, die ihre Aussage bestätigen können. In einer Mietwohnung melden sie die Lärmbelästigung zunächst dem Vermieter, der den Mieter dann ermahnt. Stellt sich auch nach einer Ermahnung keine Besserung ein, schreibt der Vermieter eine Abmahnung. Ändert sich immer noch nichts, schaltet sich das Ordnungsamt ein oder es erfolgt eine Anzeige.

Nur der Vermieter hat Ansprüche gegen den Hundehalter, andere Mieter ihrerseits können beim Vermieter eine Mietminderung beantragen, falls das Hundegebell die Wohnqualität entscheidend vermindert.

Bei Hausbesitzern erfolgt direkt eine Meldung ans Ordnungsamt. Die zuständigen Mitarbeiter führen dann weitere Maßnahmen durch.

Wann ist Hundegebell Ruhestörung?

Dazu gibt es folgende Richtlinie:

Dauer des Hundegebells am Tag

30 Minuten

Dauer des Hundegebells am Stück

10 Minuten

höchste zumutbare Lautstärke

60 - 80 Dezibel


Welche Hunderassen bellen am häufigsten?

Grundsätzlich hängt es von den Lebensumständen und der Erziehung des Hundes ab, wie oft er bellt. Außerdem gibt es zwischen den Hunderassen Unterschiede, was das Bellverhalten betrifft. Einige Tiere bellen selten bis nie, während andere bei jeder Gelegenheit mit Hundegebell anfangen. Kleine Hunde machen tendenziell mehr Lärm, große Hunde verhalten sich dagegen oft ruhiger. Ein Grund könnte darin liegen, dass kleine Vierbeiner sich häufiger verteidigen müssen, während große Hunde allein durch ihre körperliche Präsenz einschüchtern. Auch sehr selbstbewusste Hunde bellen oft weniger, sie sind sich ihrer Wirkung bewusst und verzichten auf übermäßige Lautäußerungen.

In der folgenden Tabelle finden Sie einige nach Bellverhalten geordnete Hunderassen: 

Hunde, die wenig bellen:

Hunde, die viel bellen:

Deutsche Dogge

Deutscher Schäferhund

Retriever

Beagle

Greyhound

Yorkshire Terrier

Mops

Zwergschnauzer

Französische Bulldogge

Chihuahua

 

Wachhunde bellen, um auf eine Gefahr aufmerksam zu machen, während ängstliche Hunde damit ihr Unwohlsein ausdrücken. Beherzigen Sie die Tipps im folgenden Abschnitt und verhindern Sie damit, dass Ihr Liebling zu viel bellt.

Was tun gegen Hundegebell?

Als Hundebesitzerin- oder besitzer wollen Sie andere Menschen nicht stören, deshalb sollten Sie nach Möglichkeiten suchen, übermäßiges Hundegebell zu verhindern. Reagieren Sie schnell auf unerwünschtes Bellen und machen Sie Ihrem Vierbeiner klar, dass dieses Verhalten nicht angebracht ist. Schimpfen Sie ihn aber keinesfalls aus, sondern setzen Sie eher auf Belohnungen, falls er Ihre Anweisungen brav befolgt.

Hundegebell hat verschiedene Gründe:

  • Angst oder Schmerzen
  • Nervosität oder Aufregung
  • Langeweile
  • Einsamkeit

Bellen ist vollkommen normal, problematisch wird es nur, wenn Lautstärke oder Dauer des Bellens bestimmte Zumutbarkeitsgrenzen übersteigen. Gut trainierte Hunde reagieren dabei auf einen Finger vor dem Mund oder auf einen beruhigenden „Psst“ - Ton.

Hören Sie genau hin, was Ihr Hund Ihnen mitzuteilen hat. Bellen unterscheidet sich

  • in der Tonlage
  • der Tondauer
  • der Wiederholungshäufigkeit

Bei tiefem Bellen will der Hund, dass andere Distanz zu ihm halten. Hohe Töne dagegen drücken das Bedürfnis nach Nähe und Zuneigung aus. Je länger der Ton andauert, umso sicherer ist der Hund über sein Bedürfnis. Je häufiger ein Hund das Bellen wiederholt, umso dringlicher ist der geäußerte Wunsch.

Beobachten Sie Ihren Hund genau und versuchen Sie seine Äußerungen zu deuten. Durch Ihre Reaktion merkt der Hund, dass er verstanden wird. So können Sie ihm unerwünschtes Bellen gezielter abtrainieren und rechtliche Schwierigkeiten vermeiden. In vielen Fällen ist Hilfe von einer Hundetrainerin oder einem Hundetrainer sinnvoll, um vermehrtes Bellen abzustellen.

Hundegebell in der Nacht vermeiden

Nachts stellt sich das Problem anders dar, denn hier darf eigentlich gar nicht gebellt werden. Hier muss der Vierbeiner lernen, dass sein Bellen keinen Effekt hat und er die gewünschte Aufmerksamkeit nicht bekommt, weil Herrchen oder Frauchen schlafen wollen.

Vermeiden Sie durch gezielte Maßnahmen, dass Ihr Hund nachts auf sich aufmerksam macht.

  • Ausreichend Bewegung trägt dazu bei, dass Ihr Hund abends ausgeglichen und müde ist.
  • Mentales Training ist ebenfalls Auslastung, es steigert die Zufriedenheit und verringert so die Wahrscheinlichkeit für unerwünschte Verhaltensweisen.
  • Ausreichend Aufmerksamkeit im Laufe des Tageshilft dabei, dass Ihr Hund sich nicht vernachlässigt fühlt und in der Nacht nach Aufmerksamkeit bettelt.

Es gibt noch zwei weitere Gründe, die einen Hund zum Bellen in der Nacht bringen.

  1. Hunde haben einen sehr empfindlichen Gehör- und Geruchssinn. Sie nehmen Dinge wahr, die für Menschen nicht hör- oder riechbar sind. Diese feinen Wahrnehmungen können zu unerwünschten nächtlichen Bellattacken führen.
  2. Einige Hund haben Angst vor der Dunkelheit. Sie können nachts zwar viel besser sehen als Menschen, komplette Finsternis macht ihnen jedoch Angst. Sorgen Sie in diesem Fall zumindest für eine schwache Beleuchtung, um Angstbellen zu vermeiden. Versuchen Sie ihm einen Schlafplatz einzurichten, in dem er sich sicher und geborgen fühlt. So vermeiden Sie Aufregung.

Achten Sie auf einen artgerechten Schlafplatz für Ihren Hund. Wählen Sie einen ruhigen Ort und berücksichtigen Sie die Eigenheiten und sozialen Bedürfnisse Ihres Vierbeiners. Versuchen Sie das Bett Ihres Hundes für die Nacht so zu platzieren, dass er sich nicht in der Verantwortung fühlt, wegen jedes Geräusches Alarm zu schlagen.

Fazit

Bedenken Sie, dass einigen Rassen das Bellen über Jahrhunderte antrainiert wurde, um auf Gefahren aufmerksam zu machen. Jagdhunde bellten, wenn sie Wild sahen und sogenannte Klingelhunde machten darauf aufmerksam, wenn sich jemand Haus und Hof näherte.

Vermeiden Sie Situationen, die Ihren Vierbeiner stressen und bemühen Sie sich, ihn zu verstehen. Greifen Sie auf die Methode der Gegenkonditionierung zurück. Holen Sie sich dafür im Idealfall professionelle Hilfe, damit Sie zu einem Lernerfolg kommen.

Beobachten Sie Ihren Hund und versuchen Sie, seine Bedürfnisse zu verstehen. Nach kurzer Zeit wissen Sie dann, warum Ihr Hund bellt und können, falls das Gebell zu störend ist, Maßnahmen dagegen einleiten.

Foto: © oben: Igor Normann/Adobe Stock; im Text Nr. 1 tanya69/Adobe Stock, Nr. 2 kerkezz/Adobe Stock

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