Hunde haben keinen „linearen“ Lebensverlauf, das heißt, je nach Rasse und vor allem Größe entwickeln sie sich sehr individuell. Deswegen sollten verschiedene Faktoren in die Frage mit einbezogen werden, in welchem Lebensabschnitt sich unsere Vierbeiner gerade befinden.

Inhaltsverzeichnis:

Welche Faktoren beeinflussen die Lebenserwartung von Hunden?

Grundsätzlich gibt es drei entscheidende Faktoren, die die Lebenserwartung von Hunden beeinflussen: Ihre Größe (nach Gewicht), ihre Rasse und ihr Gesundheitszustand. Lange herrschte Verwunderung darüber, warum bei Hunden – im Gegensatz zu anderen Spezies der Tierwelt wie Elefanten oder Blauwalen – ein Mehr an Größe nicht gleich ein Mehr an Lebensjahren bedeutet. Laut einer Studie von Dr. Cornelia Kraus von der Georg-August-Universität Göttingen aus dem Jahr 2013 liegt es daran, dass große Hunde schneller altern als kleine, vielleicht als Folge eines übermäßig schnellen Wachstums.

Der zweite Faktor ist die Rasse des Hundes, denn auch hier wurde beobachtet, dass sich die Lebenserwartung noch einmal deutlich, auch innerhalb gleicher Gewichtsklassen, unterscheidet. Der American Kennel Club nennt als Extreme zwei Rassen: die Bordeaux-Dogge mit einer sehr niedrigen Lebenserwartung von durchschnittlich fünf bis acht Jahren, im Vergleich zur sehr hohen Lebenserwartung des Coton de Tuléar („Baumwollhund“) mit durchschnittlich 15 bis 19 Jahren.

Abschließend ist der Gesundheitszustand des Hundes ein wichtiger Faktor, denn natürlich verringern angeborene oder erworbene Krankheiten die Lebenserwartung genauso, wie umgekehrt die richtige Pflege und Ernährung zur Gesundheit des Vierbeiners beitragen kann.

Warum ist es gut, zu wissen, wie alt mein Hund werden kann?

Jeder, der ein Tier liebt, fürchtet die Auseinandersetzung mit dessen Lebenserwartung – denn der Gedanke an den Verlust des kleinen Schatzes erscheint unerträglich. Warum ist es aber dennoch gut zu wissen, wie hoch die Lebenserwartung des Hundes ist? Damit sich Haltende vorbereiten und ihrem Vierbeiner ein altersgerechtes Leben ermöglichen können. Wer Bescheid weiß, in welcher Lebensphase der Hund steckt, kann sich darauf einstellen und Vorkehrungen treffen.

Wie erreicht mein Hund ein hohes Alter?

Wie kann ich als Mensch dafür sorgen, dass mein Hund möglichst lange fit und gesund bleibt – auch im Alter? Dies sind die wichtigsten Kriterien für ein fideles und glückliches Hundeleben:

  1. Ernährung: Hunde benötigen eine altersgerechte Ernährung, um ihr Bedürfnis an Nährstoffen zu stillen, ohne dass eine übermäßige Kalorienzufuhr stattfindet
  2. Gewicht: Viele altersbedingte Krankheiten stehen in direktem Zusammenhang mit dem Gewicht des Hundes, welches sich maßgeblich auf seine Fitness auswirken kann. Die Einhaltung des Idealgewichts ist also bei Hunden sehr wichtig. Sprechen Sie hierzu am besten mit Ihrer Tierarztpraxis.
  3. Bewegung und Auslastung: Damit ein Hund fit und gesund bleibt, ist es wichtig, ihn auch im Alter zu fördern und zu fordern. Geistige und körperliche Aktivität sorgen dafür, dass unsere Vierbeiner im guten Sinne ausgelastet sind, was sich wiederum positiv auf ihre Lebensqualität und -erwartung auswirkt.
  4. Impfungen und Vorsorge: Viele Infektionskrankheiten können heute durch Impfungen vermieden werden. Dafür ist es wichtig, dass der Impfschutz stets aktuell ist und auch andere Vorsorgemaßnahmen, zum Beispiel zur Parasitenabwehr, in Absprache mit der Tierarztpraxis getroffen werden.
  5. Kenntnis über rassespezifische Erkrankungen: Wer sich gut über die rassespezifischen Gesundheitsrisiken seines Hundes informiert, kann typische Symptome schneller erkennen und rechtzeitig handeln.
  6. Regelmäßige Check Up-Untersuchungen: Eine regelmäßige tierärztliche Kontrolle inklusive der wichtigen Laboruntersuchungen hilft dabei, Krankheiten oder Mangelerscheinungen rechtzeitig zu diagnostizieren und zu bekämpfen.
  7. Schutz vor Gift- und Schadstoffen: Nicht nur für den Menschen ist eine „saubere“ Umgebung gesundheitsförderlich – auch für unsere Tiere sollten wir auf eine gift- und schadstofffreie Lebensgestaltung achten.

Das Hundealter in Menschenlebensjahre umrechnen geht das?

Es gibt viele Mythen über die Umrechnung des Hundealters in Menschenlebensjahre. Viele kennen sicherlich die Formel „mal sieben“, doch diese Rechnung ist nicht korrekt, denn Hunde- und Menschenalter entwickeln sich nicht parallel. Nachdem nun diese Rechenmethode überholt ist, ergibt sich die Frage, ob es denn überhaupt eine Möglichkeit des Vergleichs gibt. Ja – die gibt es. Die Berechnung ist allerdings etwas umständlicher, denn als weiteres Kriterium kommt das Gewicht bzw. die Größenklasse des Hundes dazu. Der Tiermediziner Jean-Louis Pouchelon erstellte beispielsweise die folgende Tabelle im Jahr 1998.

Tabelle: Wie alt werden Hunde in Menschenjahren?

Zum Vergrößern der Tabelle bitte auf das Bild klicken.

Was muss ich bei alten Hunden beachten?

Wie auch Menschen werden Hunde im Alter anfälliger für Krankheiten und Beschwerden. Ihre Sinneswahrnehmungen lassen nach, ihr Fell verändert sich, sie möchten mehr schlafen und ausruhen. Aufgrund von altersbedingten Krankheitsbildern wie beispielsweise Arthrose können höhere Einstiege, wie etwa in einen Kofferraum, für die Vierbeiner sehr anstrengend sein. Hundebesitzende können hier helfen, indem sie ihrem Hunde-Senior eine Hunderampe zur Verfügung stellen und auch die Wohnungseinrichtung möglichst barrierefrei gestalten.

Dem verringerten Bewegungsdrang der Tiere und ihrem gleichzeitig verlangsamten Stoffwechsel sollte mit Futter Rechnung getragen werden, welches den geringeren Kalorienbedarf berücksichtigt. Hier gibt es auch spezielles Hundefutter für Senioren. Gleichzeitig muss der Vierbeiner aber mit allen für ihn wichtigen Nährstoffen versorgt werden, zumal auch sein Appetit im Alter nachlassen kann. Sowohl für Spaziergänge als auch für Mahlzeiten gilt: Lieber mehrere kleine Portionen über den Tag verteilt.

Im Alltag ist es gut, wenn der Mensch sich auf die verlangsamten Reaktionen und eventuell getrübten Sinneswahrnehmungen des Hundes einstellt, insbesondere zum Beispiel im Straßenverkehr. Urlaube und Ausflüge sollten auf die Bedürfnisse des Vierbeiners angepasst sein, zumal auch eine Demenz (bei Hunden „kognitive Dysfunktion“) hinzukommen kann, bei der eine vertraute Umgebung Erleichterung verschafft. Selbstverständlich sollte für jeden Hundehaltenden sein, Veränderungen und Symptome schnell in der Tierarztpraxis des Vertrauens abzuklären und für eine gute Pflege und seelisches Wohlbefinden des Tieres zu sorgen.

Welche Hunderassen werden besonders alt?

Der bereits erwähnte Coton de Tuléar gehört mit seinen 15 bis 19 Jahren Lebenserwartung bereits zu den Spitzenreitern seiner Gattung. Aber auch der Lakeland Terrier, dem eine durchschnittliche Lebensdauer von 15,46 Jahren zugeschrieben wird, ist ganz vorne dabei. Forschende haben auch beobachtet, dass Mischlinge häufig länger gesund und agil bleiben und damit einen Vorsprung gegenüber Rassehunden haben. Menschen, die sich einen langjährigen Begleiter wünschen, kann also empfohlen werden, einen kleinen Mischlingshund aufzunehmen.

Foto: © stock.adobe.com - Carola Schubbel

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