Unsere Freigänger-Katzen genießen es, draußen herumzustromern und ihr Revier zu erkunden. Wenn ihnen diese Freiheit plötzlich genommen wird, kann das zu viel Stress bei Tier und Halter:in führen und sogar die Gesundheit beeinträchtigen, beispielsweise wenn die tägliche Bewegung abnimmt. Wir haben ein paar Tipps für Sie, wie Sie den Übergang vom Freigänger zur Wohnungskatze möglichst angenehm gestalten.


Inhaltsverzeichnis:


Warum einen Freigänger zur Wohnungskatze machen?

Es gibt viele Gründe, warum die freiheitsliebende Katze auf einmal zum Stubentiger in Wohnungshaltung werden muss. So können der Umzug in eine neue Wohnung mit einer fremden Umgebung oder Erkrankungen zu der Umstellung bewegen. Ist das eigene Tier beispielsweise an Katzenaids erkrankt, würde der Freigang riskieren, dass es Artgenossen damit ansteckt. Und auch ein neues Umfeld kann Orientierungsschwierigkeiten, Revierkämpfe oder einfach neue Gefahren wie viel befahrene Straßen mit sich bringen. Der Aufwand, seinen Liebling vom Freigänger zur Wohnungskatze umzugewöhnen, ist allerdings nicht zu unterschätzen.

Vom Freigänger zur Wohnungskatze: Herausforderungen

Ihr Liebling ist es gewöhnt, sein Revier nach Lust und Laune zu erkunden – doch plötzlich bleiben die Türen verschlossen und die Katzenklappe ist verschwunden. Das kann bei der Katze zu verschiedenen Reaktionen führen, die von unterschiedlichen Faktoren, beispielsweise der individuellen Persönlichkeit, dem Wetter, dem Alter und der Gesundheit des Tieres, abhängig sind: Während es im Winter nicht so schwer fallen mag, drinnen zu bleiben, kann es im Frühling und Sommer eine echte Herausforderung sein, die Vögel auf dem Fensterbrett umherspringen zu sehen. Auch wird sich wahrscheinlich eine alte oder von einer Erkrankung geschwächte Katze nicht so sehr gegen das Eingesperrtsein wehren, wie ein junger Kater im „besten Alter“.

Zu rechnen ist mit unterschiedlichen Reaktionen. Gerade Anzeichen von Stress und allgemeine Unruhe kommen häufig vor – wundern Sie sich also nicht, wenn Ihr Liebling Ihnen plötzlich den Schlaf raubt oder aggressives Verhalten an den Tag legt. Einige Katzen reagieren auf die Veränderungen, indem sie sich zurückziehen, die Nahrung verweigern und lethargisch oder lustlos wirken. Außerdem kämpfen viele Halter:innen mit plötzlicher Unsauberkeit ihrer Lieblinge, dem Zerkratzen der Einrichtung oder damit, dass die Katze auf einmal giftige Dinge wie Plastik frisst. Außerdem ist nicht zu vergessen, dass Stubentiger eher zu Übergewicht neigen. Wird ein Freigänger zur Wohnungskatze, sollten Sie also besonders viel Wert auf Bewegung und ggf. angepasste Futtermengen legen.

Besonders wichtig: Genügend Auslastung

Wenn das freie Herumstromern wegfällt, mangelt es dem Tier schnell an Bewegung und Abwechslung. Das erschwert die Umstellung vom Freigänger zur Wohnungskatze sowohl psychisch als auch physisch: Schenken Sie Ihrem Liebling entsprechend viel Aufmerksamkeit, planen Sie regelmäßige Spielzeiten (am besten 2-3 mal täglich) ein und passen Sie Ihre Wohnung an. So mindern oder verhindern Sie oben beschriebene Stressreaktionen und wirken einer übermäßigen Gewichtszunahme entgegen (dazu kann dennoch eine neue Futterrationierung nötig sein). Es gibt eine Vielzahl an Tipps für eine aktive Wohnungskatze, die Sie mit wenig Aufwand umsetzen können. Probieren Sie am besten aus, was Ihrer Katze am meisten zusagt:

  • Spielzeug, das Ihrer Katze ständig zugänglich ist und den Jagdtrieb befriedigt, bietet jederzeit Beschäftigung. Nach einem Umzug kann altes, vertrautes Spielzeug beruhigend wirken.
  • Baldrian und Katzenminze können das Spielzeug noch aufregender machen. Ein wenig Katzengras kann außerdem etwas Natur nach drinnen bringen.
  • Spielangeln arbeiten ebenfalls mit dem Jagdtrieb und fördern die Bindung zwischen Ihnen und Ihrem Liebling. Womit Sie eher vorsichtig umgehen sollten, sind Laserpointer.
  • Lassen Sie nach einer Bestellung einfach mal den Karton, vielleicht sogar noch mit Verpackungspapier, liegen – die meisten Katzen freuen sich sehr darüber.
  • Haben Sie schon einmal Clicker-Training mit Ihrer Katze ausprobiert? Es kann eine tolle Herausforderung für Sie und Ihren Liebling sein, die für kognitive Auslastung sorgt!
  • Fummelbretter fördern die Intelligenz und Motorik und sind eine gute Möglichkeit für Ihre Katze, sich ihre Leckerlis zu erarbeiten.

Besonders wichtig ist außerdem ein Kratzbaum. Dort kann Ihre Katze nicht nur fröhlich herumklettern, sondern hat auch hohe Plätze zum Ausruhen und Beobachten sowie kleine Höhlen als Rückzugsorte. Verteilen Sie zusätzlich Kletter-, Liege und Rückzugsmöglichkeiten in der ganzen Wohnung – gerne auch am Fenster mit abwechslungsreichem Ausblick.

Vom Freigänger zur Wohnungskatze: Einrichtungsänderungen

Neben den oben genannten Einrichtungselementen sollten Sie unbedingt darauf achten, dass Sie genügend Katzenklos an den passenden Orten platzieren und diese immer sauber halten. Die Katzentoilette kann ein wichtiger Faktor sein, wenn es um das Wohlbefinden und die Stubenreinheit der Katze geht und Ihr Liebling hat nun nicht mehr die Möglichkeit, nach draußen auszuweichen. Informieren Sie sich außerdem, wie Sie das Haus für Stubentiger sicher machen können. Gerade für ausbruchsfreudige Tiere stellen beispielsweise gekippte Fenster eine ernstzunehmende Gefahr dar. Damit Ihr Liebling weiterhin etwas frische Luft schnuppern kann, können Sie (falls vorhanden) einen katzenfreundlichen Balkon einrichten.

Natürliche Mittel gegen Stress

Achten Sie insbesondere in der Anfangsphase der Umgewöhnung vom Freigänger zur Wohnungskatze darauf, dass Sie Ihren Stubentiger nicht zu lange allein lassen. Allein Ihre Gesellschaft kann bereits ein wichtiger Faktor sein, wenn es darum geht, Stress zu vermeiden. Dazu können Sie versuchen, ob Pheromone für Katzen helfen. Sie sind ein beliebtes Mittel, um unsere Samtpfoten bei schwierigen Situationen und Veränderungen zu unterstützen. Auch Bachblüten können das Wohlbefinden der Katze fördern. Lassen Sie sich vor der Anwendung am besten von Ihrem Tierarzt oder Ihrer Tierärztin beraten.

Die Umstellung mit Geduld begleiten

Wenn ein Freigänger zur Wohnungskatze wird, ist das nicht leicht für das Tier – zumal Sie ihm ja nicht erklären können, warum er nicht mehr raus darf. Haben Sie daher Verständnis für Ihre Katze und reagieren nicht mit Ärger, egal, wie anstrengend die neuen Marotten sein mögen. In dieser schwierigen Zeit der Umgewöhnung braucht Ihr Liebling Ihre Unterstützung umso mehr. Sollten Sie feststellen, dass die Veränderungen Ihre Katze über einen längeren Zeitraum stark belasten, empfehlen wir Unterstützung durch einen Katzenpsychologen oder eine Katzenpsychologin.

Foto: © michaelstephan/fotolia.com

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