Ein Gastartikel von Annika Grunert

Weiß glitzernde Wege und Baumwipfel locken im Winter die Menschen nach draußen. Wenn die kühle Luft durchs Gesicht weht und der Schnee unter den Schuhen knirscht, herrscht eine besonders friedliche und märchenhafte Stimmung. Viele Hunde mögen diese Jahreszeit besonders gerne und lieben es richtig aktiv zu sein. Hundesport ist nämlich auch im Winter möglich: Skijöring wäre eine Idee.

Früher war Skijöring eine reine Trainingsmethode für Schlittenhunde, die sich aus dem Pulkafahren (Fahren mit einem kleinen Lastenschlitten) entwickelte. Schließlich ist es etwas unkomplizierter und geht schneller die Skier anzuspannen, als den Schlitten zu beladen. Mittlerweile hat sich ein eigener Sport daraus entwickelt, der nicht nur in Skandinavien große Beliebtheit erfährt. In Deutschland kann man ebenso gut mit Skiern und Hund durch den Schnee sausen. Allerdings gibt es einiges zu beachten – sowohl für Mensch als auch für den Vierbeiner.

Skijöring ist nicht nur den klassischen Schlittenhunderassen wie Huskies vorbehalten. Theoretisch kann fast jeder Hund vor die Skier gespannt werden, sofern er eine gewisse Größe hat und gut auf Schnee laufen kann. Also ein Labrador eignet sich genauso gut für den winterlichen Zughundesport wie ein Border Collie oder Hound. Allerdings gibt es ein paar Voraussetzungen. „Der Hund sollte vor allem lauf- und zugfreudig sein. Außerdem ist es wichtig, dass er sich als Leithund eignet, denn er bekommt die Befehle von hinten. Also Kommandotreue ist nötig“, sagt Werner Schaub. Als leidenschaftlicher Langläufer kam er zum Hund und fing 1983 mit Skijöring an. Seitdem hat er bereits einige Vierbeiner erfolgreich im Zughundesport ausgebildet und nimmt regelmäßig an Skijöring-Rennen teil, unter anderem in Deutschland, Frankreich und Skandinavien. „Wer an Rennen teilnehmen möchte, sollte einen sozialverträglichen Hund haben, damit unter anderem das Überholen problemlos funktioniert“, so Schaub.

Vor dem Skijöring zum Tierarzt

Oberstes Gebot beim Zughundesport allgemein – also egal ob im Schnee oder auf dem Waldboden: Der Hund sollte körperlich gesund sein. Vor dem Sport gehört ein Check in der Tierarztpraxis zum Pflichtprogramm. Aber Skijöring stellt nicht nur bestimmte Anforderungen an den Hund, sondern auch an die Haltenden. „Man sollte sicher auf Skiern sein und die Technik, das sogenannte Skating, gut beherrschen. Außerdem ist eine gewisse Kondition und Risikobereitschaft erforderlich“, sagt Werner Schaub. Also alle, die noch keine Langlauferfahrung haben, sollten erst einmal einen Skikurs besuchen, bevor sie den Vierbeiner vor die Skier spannen. Das lässt sich natürlich in jeder x-beliebigen Skischule lernen. Der Verband der Deutschen Schlittendhundesport Vereine (VDSV) sowie manch Mitgliedsverein bieten sowohl Skijöring- als auch Skikurse an.

Steht der Mensch sicher auf den Langlaufskiern und der Hund ist ebenfalls einsatzbereit, fehlt nur noch das passende Equipment. Skier, Schuhe und Skistöcke gehören dazu. Eine mindestens zwei Meter lange Leine mit Ruckdämpfer, eine sogenannte Jöringleine, ist ebenfalls vonnöten. Mit einem Panicsnap lässt sich der Hund schnell ausspannen, falls es zu einer brenzligen Situation kommen sollte. Außerdem benötigt der Vierbeiner ein extra Zuggeschirr: Denn das verteilt den Zug optimal auf den gesamten Körper. Beim Kauf sollten Interessierte sich professionelle Beratung holen, damit es optimal passt und dem Hundekörper nicht schadet. Ein Bauchgurt mit Beinschlaufen macht die Ausrüstung komplett. Dann kann es losgehen – fast.

Natürlich kann man nicht gleich von null auf hundert starten, sondern sollte den Hund erst einmal langsam an den Sport gewöhnen. Regelmäßiges Training ist wichtig – sowohl für den Muskel- als auch Konditionsaufbau. Die Distanzen sollten nur langsam gesteigert werden. „Im Winter trainiere ich meine Hunde zwischen ein- bis dreimal die Woche mit Skiern, sofern genügend Schnee liegt. Ansonsten gehe ich mit ihnen viel Wandern, Pilze sammeln, fahre Dogscooter und lasse sie viel freilaufen. Im Sommer gehen wir dann oft schwimmen“, sagt Werner Schaub.

Bereits im Welpenalter den Grundstein fürs Skijöring legen

An Rennen dürfen Hunde erst ab 18 Monaten teilnehmen. Die Gewöhnung beginnt aber schon viel früher – am besten bereits im Welpenalter. Die Grundkommandos können schon vor dem ersten Zug geübt werden genauso wie das Tragen eines Geschirrs. Werner Schaub nimmt die Hunde so früh wie möglich bereits mit zu den Veranstaltungen, damit sie sich an die Geräusche, die Aufregung und den Trubel gewöhnen. „Wenn ein Hund mit den Lautsprechern, den Zuschauern oder anderen Hunden Probleme hat oder auch mit langen Autofahrten, dann tut man ihm keinen Gefallen, wenn man mit ihm an Rennen teilnimmt“, sagt Werner Schaub. Wenn der Vierbeiner bereits ein bisschen länger unterwegs sein kann, lässt er ihn kurze Strecken neben den Skiern herlaufen: Denn so kann sich der Junghund schon ein bisschen von dem erfahrenen Vierbeiner abschauen.

Egal ob man nun fürs Rennen trainieren oder nur zum Spaß Skijöring betreiben will, Rücksicht und Verantwortungsbewusstsein sind Pflicht – gerade wenn es auf eine Loipe geht. „In Deutschland ist man nicht überall auf den Loipen gerne mit Hund gesehen. Manche haben Angst, dass die Hunde etwas kaputt machen. Man sollte den Loipenbetreiber vorher unbedingt um Erlaubnis fragen. Am besten erst gegen Nachmittag fahren, dann ist der Hauptandrang oft vorbei und die Loipen werden bald darauf wieder gespurt“, so Schaub. Wie vor jeder sportlichen Betätigung sollte sich der Vierbeiner vor dem Skijöring lösen können. „Falls der Hund dann doch nochmal muss, sollte es selbstverständlich sein, dass man die Hinterlassenschaften beseitigt“, ergänzt Werner Schaub. Außerdem kann man den Vierbeiner und sich selbst bei einem Spaziergang vorab noch gut aufwärmen, denn das gehört wie bei jedem Hundesport dazu. Dann heißt es, Hund anspannen, Skier anschnallen und los.

Foto: © oben + im Text: Werner Schaub

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