Neben uns Menschen können auch Hunde nach einer sportlichen Überbeanspruchung einen Muskelkater davontragen. Zwar leiden sie meist still, jedoch fällt auch unseren Vierbeinern das Aufstehen schwer und sie fühlen sich schlapp. Wie wir den Muskelkater beim Hund erkennen und unseren Lieblingen helfen können, haben wir im Detail mit Tierphysiotherapeutin und -osteopathin Sina Peine für Sie zusammengetragen.


Inhaltsverzeichnis:

Frau Peine, wann äußert sich ein Muskelkater beim Hund und was kann ich dann tun?

Der Muskelkater beim Hund äußert sich in der Regel wenige Tage nach einer übermäßigen Belastung. Aber auch durch scheinbar normale Aktivitäten, wie nach einem ausgiebigen Spaziergang, können untrainierte Tiere einen Muskelkater bekommen. Denn jeder Hund hat ein individuelles körperliches Limit. Die Symptome sind dabei nicht pauschal und eindeutig, da einige Hunde sehr gut darin sind, ihre Schmerzen zu verstecken. Je nachdem, welche Muskeln beansprucht wurden, können Sie jedoch Schmerzanzeichen erkennen. Ihr Hund ist dann bewegungsscheuer oder zuckt vor Ihren Berührungen an betroffenen Körperregionen zurück. Der Muskelkater beim Hund kann außerdem verschieden stark auftreten. Hier ist unter anderem auch das Bauchgefühl und die Einschätzung der Halter:innen gefragt. Manche wissen vielleicht auch, wie sie ihren Hund auf Schmerzen untersuchen. Denn sie kennen ihre Liebsten und dessen Gepflogenheiten am allerbesten. Bei über mehrere Tage anhaltenden, starken Schmerzanzeichen, wie einer veränderten Haltung oder einem Gangbild, das betroffene Zonen entlastet, sollte eine Tierärztin oder ein Tierarzt aufgesucht werden.

Was genau macht der Muskelkater beim Hund mit seiner Muskulatur?

Durch eine Überbelastung kommt es zu kleinen Muskelfaserverletzungen im Muskel. Dortige Rezeptoren geben diese Information weiter zum Gehirn, wodurch es zu dem bekannten Muskelschmerz kommt, der als Muskelkater bezeichnet wird.

Sollte der Muskel besonders stark überlastet worden sein, besteht auch die Gefahr, dass starke Muskelfaserrisse oder Muskelzerrungen entstanden sind. Dann sollte unbedingt eine Tierarztpraxis aufgesucht werden. Sind langanhaltende und für das Tier besonders schmerzhafte Langzeitschäden entstanden, kann der Vierbeiner (stark) lahmen, in jedem Fall aber dauert die Schonzeit des Hundes dann länger als nur wenige Tage, wie nach einem Muskelkater. Zwar sind solche Langzeitschäden durch eine muskuläre Überlastung eher selten: Um sie zu vermeiden, sollte jedoch während und direkt nach einem Muskelkater beim Hund eine ausreichende Regenerationszeit, sprich angepasste Pausen, eingehalten werden.

Nach vollständiger Genesung kann das Training schonend wieder aufgebaut werden.

Wie kann ich dem Muskelkater beim Hund und weiteren Schäden erfolgreich vorbeugen?

Ein regelmäßiges, sich steigerndes Training, das ohne übermäßige Beanspruchung an die Fitness des Vierbeiners angepasst ist, ist die grundlegende Vorsorge. Das richtige Aufwärmprogramm ist zudem ausschlaggebend, um dem Muskelkater beim Hund und anderen häufigen Krankheitsbildern vorzubeugen. Langsames Laufen und slalomähnliche, kreisende Bewegungen um die Beine der Besitzer:innen (oder auch Geräte) bieten sich als Aufwärmübungen an. Wichtig ist, dass immer beide Seiten des Hundes, also alle Übungen auf rechts und links, trainiert werden. Auch gerades Rückwärtsgehen ist eine tolle Möglichkeit, den gesamten Körper auf eine sportliche Tätigkeit vorzubereiten. Die Länge der Aufwärmübungen ist dabei immer den aktuellen Temperaturen anzupassen. Wenn es kalt ist, dauert es wesentlich länger einen Hund warm zu bekommen als bei etwas wärmeren Temperaturen.

*Hinweis von Tierärztin Melanie Ahlers: Bei Temperaturen über 20 Grad sollte mit dem Hund kein Sport getrieben werden, da dies gesundheitsgefährdend ist!

Im Anschluss an die Bewegungseinheit sollte mit einem Cool-Down im selben Tempo wieder heruntergefahren werden. Auch hier könnte man mit einem langsamen Auslaufen beginnen. Anschließend bieten sich leichte Dehnungsübungen an, wie die Übung „Diener“. Hierbei soll der Hund sich schön in den Rücken dehnen und lang machen. Die Vorderhand geht dabei tief runter und der Po bleibt oben. Sollte sich der Hund weigern, Übungen durchzuführen, sollte dies sicherheitshalber in der Tierarztpraxis abgeklärt werden.

Langfristig stehen Erhalt und Optimierung der aufgebauten Muskulatur auf dem Plan. In der Praxis sage ich immer, dass es niemals genug Muskeln geben kann. Daher ist ein angepasstes Training für alle Lebenslagen sinnvoll. Bereits mit Welpen kann mit vorsichtig aufbauenden Übungen gestartet werden, wie dem Training auf verschiedenen Untergründen. Beispielsweise kann vorsichtig an Balancekissen herangeführt werden, damit es später umso leichter fällt, Übungen aufzubauen. Spaß und Motivation sollten aber an oberster Stelle stehen. Wichtig ist, dass der Welpe bei den Übungen kontrolliert wird, damit dieser nicht ausrutscht oder stürzt. Aber auch für Senioren ist es nie zu spät. Dabei wird Individualität groß geschrieben. Kostenlose Trainingsmöglichkeiten gibt es jede Menge in der Natur, beispielsweise Baumstümpfe oder andere natürliche Hürden im Wald. Wer lieber mit Geräten zuhause trainiert, kann bereits mit einer kleinen Investition die Körperwahrnehmung, den Gleichgewichtssinn und die tiefen Muskeln seiner Vierbeiner stärken.

Welche Trainingsmöglichkeiten empfehlen Sie außerdem zur Vorsorge eines Muskelkaters beim Hund?

Pauschale Trainingspläne gegen einen Muskelkater beim Hund sind sehr schwierig aufzustellen, da jedes Tier eine andere körperliche Verfassung aufweist. Zudem sollten auch Vorerkrankungen, das Alter und die aktuelle Verfassung mit im Trainingsplan bedacht werden. Das Ziel des Trainings sollte in jedem Fall vorab definiert werden. In der Tierphysiotherapie für Vierbeiner kann mit Übungen auf jeden Hund individuell eingegangen werden. Je nach Status und Ziel kann dabei von täglichem bis wöchentlichem Training alles dabei sein.

Welche Ausstattung ist in Bezug auf Muskelentspannung zu empfehlen und worauf ist bei dem Kauf des „perfekten“ Hundebettes zu achten?

Um dem Muskelkater beim Hund entgegenzuwirken und die Muskulatur zu entspannen, können verschiedene Geräte genutzt werden, wie beispielsweise Igelbälle oder Faszien-Rollen. Viele Hunde genießen hingegen einfach eine Massage mit den Händen. Nach Sporteinheiten bei kälteren Temperaturen sind auch warme Körnerkissen oder Rotlichtlampen zu empfehlen, da sie für die Muskulatur des Hundes einfach wohltuend sind.

Vor allem aber ist eine Auszeit die beste Hilfe gegen Muskelkater beim Hund. Um den Bewegungsapparat zu unterstützen, kann ein orthopädisches Hundebett als Ergänzung hilfreich sein. Welches das perfekte Hundebett (oder eben auch nicht) ist, entscheidet meistens der Vierbeiner selbst. Häufig liegen die Hunde lieber auf den Fliesen anstatt auf den hochwertigen und oft teuren Hundebettchen. Ich nutze privat und auch in der Praxis dennoch orthopädische Hundebetten. Diese sollten weder zu weich, noch zu dick sein, damit die Gelenke genügend Stabilität beim Aufstehen bekommen. Außerdem sei erwähnt, dass ein orthopädisches Hundebett Muskelschmerzen nicht nehmen kann. Hunde können darauf gelenkfreundlich schlafen, so werden beispielsweise Liegeschwielen vermieden. In Kombination mit ausreichender Regeneration schwächen die Bettchen daher Beschwerden eines Muskelkaters beim Hund ab, wenn er sich denn gerne darauf schlafen legt.

 

Sina Peine behandelt in ihrer Praxis „Step by Step - Tierphysiotherapie“ vom Welpen bis zum Vierbeiner im Seniorenalter alle Patienten, deren Bewegungsapparat nicht ganz rund läuft. Aufgrund eigener sportlicher Ambitionen mit ihren Hunden ist ihr eine langfristig gestärkte und damit gesunde Muskulatur besonders wichtig – damit der Muskelkater beim Hund eine unangenehme Seltenheit bleibt.

Um das Bewegungslevel Ihres Vierbeiner stets im Auge zu behalten, nutzen Sie gern den kostenlosen AGILA Bewegungstracker.

Dieser Artikel wurde geprüft von Tierärztin Melanie Ahlers.

Die genannten Informationen stellen keine Anleitung zur Selbstdiagnose und Behandlung von Tierkrankheiten dar. Tierhalter sollten bei gesundheitlichen Problemen ihres Tieres in jedem Fall einen Tierarzt um Rat fragen. Diagnosen über das Internet sind nicht möglich.

Foto: © Sina Peine

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