Unter dem Titel „Das ist doch krank!“ läuft die zweite Anti-Qualzucht-Kampagne der Tierärztekammer Berlin. Plakate in der U-Bahn und an Bussen sowie auf Postkarten machen auf Züchtungen aufmerksam, die für viele Menschen zwar schöne, aber dennoch kranke Tiere hervorbringen.

Hunde, Katzen, Kaninchen, Vögel, Fische und andere Heimtiere sind betroffen und müssen unter den Folgen von Qualzucht leiden. Welche gesundheitlichen Einschränkungen für Tiere entstehen, die den menschlichen Vorlieben für besondere Formen und Farben gerecht werden sollen, ist vielen gar nicht bewusst. Bei der Katze, dem beliebtesten Haustier der Deutschen, lassen sich einige Rassen nennen, bei denen das optische eindeutig vor dem gesundheitlichen Zuchtziel stand. Die Bundestierärztekammer hat wichtige Informationen über die Qualzucht bei Katzen zusammengestellt und gibt Tipps, worauf Sie beim Kauf einer Katze achten sollten.

Qualzucht bei Katzen: Schönheit vor Gesundheit

Über Brachycephalie, die durch Überzüchtung entstehende Kurzköpfigkeit, haben wir bereits berichtet. Kurze Köpfe und Schnauzen sowie kleine Nasen führen zum beliebten niedlichen Erscheinungsbild, aber auch zu gravierenden Atemproblemen. So können beispielsweise die flachnasigen Perserkatzen aufgrund verengter Nasengänge und zu kleiner Nasenhöhlen an Atemnot leiden oder bei hohen Umgebungstemperaturen leichter überhitzen. Durch zu enge Tränennasenkanäle kommt es häufig zu tränenden Augen. Zudem stehen die Augen teilweise weiter vor, der Lidspalt kann zu groß sein und der Tränenfilm, der normalerweise die Hornhaut schützt, ist möglicherweise unzureichend. Wiederkehrende oder chronische Augenentzündungen können somit die Folge der Qualzucht bei Katzen sein. Auch der zu kurze oder deformierte Kiefer bereitet Probleme: Oft bietet er nicht genug Platz für alle Zähne. Bei Katzen mit geknickten Ohren, wie zum Beispiel bei der Scottish Fold, geht es nicht nur darum, dass die Hörfähigkeit der Vierbeiner eingeschränkt sein könnte. Die Bundestierärztekammer schreibt dazu, dass Faltohrkatzen eine Veranlagung zu schweren Knorpel- und Knochenschäden in sich tragen. Katzen der Rassen Maine Coon, Perser, Ragdoll und Britisch Kurzhaar leiden zudem häufiger unter einer erblichen Herzerkrankung, die im Verlauf des Lebens zu einer Verdickung des Herzmuskels und zur Abnahme der Herzleistung führt. Auch schneeweißes Fell kann Probleme mit sich bringen. Steht dieses Zuchtziel im Vordergrund, können betroffene Katzen unter angeborener Taubheit oder Augenschäden leiden.

Qualzucht bei Katzen: Äußere Anzeichen

Kann man Qualzucht bei Katzen auf den ersten Blick erkennen? Bestimmte optische Auffälligkeiten weisen auf jeden Fall darauf hin, dass eine Katze „krank“ gezüchtet wurde. Neben einem flachen Gesicht und geknickten Ohren sind auffällig kurze Beine, ein sehr kurzer oder fehlender Schwanz oder Haarlosigkeit Anzeichen dafür, dass die Katze möglicherweise gesundheitliche Problem hat. Nacktkatzen fehlt oft nicht nur das Fell, sondern jegliche Art von Behaarung. Tasthaare für die Orientierung und Wimpern zum Schutz der Augen sind jedoch dringend notwendig. Die Bundestierärztekammer hat eine Checkliste mit Punkten erstellt, die beim Kauf eines Katzenjungen berücksichtigt werden sollten. Gibt es optische Auffälligkeiten, wie beispielsweise Tränenspuren, bei den kleinen Kätzchen oder ihrer Mutter? Schielende oder sich ruckartig bewegende Augen können auf einen Sehfehler hindeuten. Geben selbst entspannte Tiere laute Atemgeräusche von sich? Wie verhalten sich die Tiere? Teilnahmslosigkeit, unkontrollierte Bewegungen oder Schreie sind ebenfalls nicht normal und sind möglicherweise auf einen Hirnschaden durch die Flachzüchtung des Kopfes zurückzuführen. Darüber hinaus sollten Sie sich auch den Züchter und seine gesamte Zucht genau anschauen. Achten die Züchter auf die Gesundheit und das Wohlergehen der Katzen? Mehr als ein Wurf pro Jahr und Kätzin spricht eher gegen den verantwortungsvollen Umgang mit den Zuchttieren. Von einem Kauf im Internet ist abzuraten, besonders wenn Informationen zur Zucht zurückgehalten werden. Hilfreich ist die Beratung durch einen Tierarzt, der sich mit den gesundheitlichen Problemen bestimmter Katzenrassen auskennt. Denn, so schreibt es die Bundestierärztekammer, nur, wenn verantwortungslose Züchter keine Käufer mehr finden, werden wieder mehr gesunde Katzen angeboten – und das wäre hoffentlich der Anfang vom Ende der Qualzucht bei Katzen.

Foto: © chayantorn/Adobe Stock

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