Futter kaufen oder richtig barfen? Das fragen sich viele Hundebesitzerinnen und Hundebesitzer. Das richtige Futter für Hunde zu finden ist nicht einfach. Deswegen lautet die wichtigste Frage: Was und wie viel muss eigentlich im Futter drin sein, damit die Hundeernährung den Bedarf meines Vierbeiners deckt und was muss ich sonst noch bei der Hundeernährung beachten? Denn je nach Alter, Gesundheitszustand, Art der täglichen Bewegung und Rasse benötigt Ihr Hund ganz unterschiedliche Nährstoffe und Mengen.


Inhaltsverzeichnis:


Vom Wolf zum Haustier: Grundlagen der Hundeernährung

Der Hund ist von Natur aus ein Fleischfresser – was nicht bedeutet, dass er nur reines Muskelfleisch frisst. Ganz im Gegenteil, sein Nahrungsspektrum enthält auch andere Bestandteile eines Beutetieres nämlich Knochen, Haut, Fell, Innereien und in geringem Maße auch pflanzliche Anteile.

Aufgrund der heutigen Vielfalt an Rassen, ist der Bedarf an Futtermenge und -inhaltsstoffen sehr verschieden. Das hängt unter anderem mit der Größe des Hundes und der Dichte seines Fells also der Wärmeisolation zusammen. Die richtige Hundeernährung besteht also aus vielen verschiedenen Bestandteilen und ist von mehreren Faktoren abhängig.

Hundeernährung – was sie alle brauchen

Der Nährstoffbedarf wird in der Regel pro Kilogramm Körpermasse (KM) und Tag angegeben. Manchmal findet man jedoch auch Angaben zur metabolischen Körpermasse (KM0,75, also das Körpergewicht „hoch“ 75). Diese berücksichtigt die unterschiedlich große Körperoberfläche und den davon abhängigen Bedarf.

Die Mengenangaben der enthaltenen Nährstoffe in gekauftem Futter finden sie auf dem Etikett vom Futtermittel.

Zu den wichtigsten Nährstoffen der Hundeernährung gehören:

Eiweiße

Ihr Vierbeiner benötigt Eiweiße (auch Proteine genannt) für den Aufbau und den Erhalt von Blut und Geweben. Eiweiße bestehen aus Aminosäuren, wobei es essentielle und nicht essentielle Aminosäuren gibt. Essentielle Aminosäuren kann der Körper nicht selbstherstellen – sie müssen deswegen unbedingt mit dem Futter verabreicht werden. Nicht essentielle Aminosäuren kann der Körper selbst produzieren. Für eine ausgewogene Hundeernährung braucht ein Hund etwa einem Anteil von 18-22 g Eiweiß pro 100g Trockenfutter pro Tag. Jedoch ist Eiweiß nicht gleich Eiweiß. Ein Eiweiß mit sogenannter hoher biologischer Wertigkeit wie zum Beispiel reines Muskelfleisch kann besser verwertet werden. Das heißt, dass die einzelnen Aminosäuren besser in körpereigene Eiweiße umgebaut werden können als bei Eiweißen mit niedriger Wertigkeit wie beispielsweise sehr bindegewebsreichem Fleisch. Grundsätzlich haben tierische Eiweiße eine höhere Wertigkeit als pflanzliche, da sie den körpereigenen Eiweißen ähnlicher sind. Um den Eiweißbedarf zu decken, muss Ihr Hund also wesentlich mehr Getreide oder Kartoffeln essen als Muskelfleisch.

Bei einem Eiweißmangel sinkt unter anderem die Eiweißkonzentration im Blutplasma, dem flüssigen Bestandteil des Blutes. Die Eiweiße im Blut transportieren Abbaustoffe des Blutfarbstoffes, Fettsäuren und Hormone.  Hunde mit Eiweißdefizit wollen meist weniger fressen und haben eine beeinträchtigte Immunfunktion. Außerdem verlieren betroffene Hunde Gewicht und sind schlapper. Bei länger anhaltendem Eiweißmangel wird das Fell Ihres Lieblings stumpf und brüchig.

Ungesättigte Fettsäuren

Linol- (Omega 6)  und Linolensäure (Omega 3) müssen ebenfalls mit dem Futter aufgenommen werden, weil Ihr Hund sie nicht selber bilden kann. Ungesättigten Fettsäuren wird eine entzündungshemmende Wirkung zugeschrieben.

Mengenelemente

Die Bezeichnung Mengenelemente basiert im wahrsten Sinne des Wortes auf der benötigten Menge der Stoffe. Von den Mengenelementen braucht der Körper viel mehr als von den Spurenelementen, weshalb sie ein wichtiger Bestandteil der Hundeernährung sind. Calcium und Phosphor sind wichtig für die Knochen. Ganz entscheidend ist jedoch das Zusammenspiel: Das Calcium-Phosphor-Verhältnis sollte zwischen 1:1 und 2:1 sein. Darüber hinaus ist Calcium für die Muskelfunktion nötig.

Kalium, Natrium und Chlorid werden für die Übertragung von Nervenimpulsen und zur Aufrechterhaltung der Wasserbilanz und des Gleichgewichts gelöster Stoffe in den Zellen gebraucht. Alle Mengenelemente tragen außerdem zur Regulation des Säure-Basenhaushalts bei.

Spurenelemente

Ein weiterer Bestandteil der Hundeernährung sind die Spurenelemente Jod, Eisen, Kupfer, Zink, Mangan und Selen. Sie sind Bestandteil von Enzymen bzw. nötig für deren Funktion. Außerdem sind sie im Sauerstofftransport involviert und unterstützen das Immunsystem. Jod ist die Basis der Schilddrüsenhormone.

Vitamine

Vitamine sind nicht nur für uns wichtig sondern auch in der richtigen Hundeernährung nicht zu vergessen. Es werden wasserlösliche (C und B) und fettlöslichen Vitaminen (E, D, K und A) unterschieden. Der Körper kann wasserlösliche Vitamine nicht speichern – ein Überschuss wird einfach mit dem Harn ausgeschieden. Bei den fettlöslichen Vitaminen sollten Sie jedoch auf die Maximalmengen achten, da sie in der Leber und im Fettgewebe gespeichert werden und sich dort anreichern können – mit teils ungesunden Folgen.

Die Vitamine haben folgende Funktionen:

  • Vitamin A: Unterstützt die Funktion der obersten Hautschicht und des Immunsystems
  • Vitamin C: Stärkt das Immunsystem und wird für die Herstellung des Bindegewebes benötigt. Es wird im Normalfall vom Körper selbst produziert und muss nicht zugefüttert werden.
  • Vitamin C und D: Regulieren den Calciumstoffwechsel
  • Vitamin K: Aktiviert die Blutgerinnung
  • Vitamin E: Schützt die Zellen vor so genannten „freien Radikalen“. Der Bedarf an Vitamin E ist abhängig vom Gehalt an ungesättigten Fettsäuren im Futter.
  • Vitamin B: Ist Bestandteil vieler Enzyme

Ballaststoffe

Die Ballaststoffe, auch Rohfaser genannt, sind schwer- oder unverdauliche Nahrungsbestandteile. Sie sind wichtig für die Bewegung des Darms – vor allem des Dickdarms – und somit der Verdauung. 

Das Alter ist entscheidend für die Hundeernährung

Die Hundeernährung von Welpen bzw. noch im Wachstum befindlichen und älteren Hunden unterscheidet sich von der erwachsener Hunde. Sie haben andere Bedürfnisse.

Junge Hunde, die noch im Wachstum sind, haben einen erhöhten Bedarf an Nährstoffen für unter anderem den Knochenaufbau. Eine Überversorgung kann jedoch auch schädlich sein, weshalb die Hundeernährung immer an das Alter angepasst sein sollte. Insbesondere bei großen Hunderassen gestaltet sich die Wachstumsphase ernährungstechnisch häufig problematischer. Beachten Sie vor allem eine gerechte Energie- und Calcium-Phosphor-Versorgung. Eine übermäßige Energieversorgung führt zu schnellerem Wachstum und somit zu einer Überbelastung des Skeletts. Auch ein zu hohes Körpergewicht sollte aufgrund der extremen Belastung des wachsenden und noch (ver)formbaren Bewegungsapparates vermieden werden.

Phosphor-Mangel führt zu mangelnder Mineralisation der Knochen, auch als „weiche Knochen“ beschrieben. Das kommt jedoch selten vor. Häufiger ist eine Überfunktion der Nebenschilddrüse durch mangelnde Calciumversorgung und Phosphorüberschuss. Die Hormone der Nebenschilddrüse bauen dann vermehrt Calcium aus dem Knochen ab, wodurch das Skelett instabil wird und es zu Fehlbildungen oder sogar Knochenbrüchen kommt. Doch auch eine zu hohe Versorgung Ihres noch heranwachsenden Sprösslings mit Calcium hat negative Folgen – sie reduziert die Aufnahme von Phosphor. Im Zusammenhang mit der Calcium-Phosphor Aufnahme, ist auch die Vitamin-D-Versorgung zu beachten. Denn auch sie hat bei überhöhter Gabe negative Wirkung auf den Knochenstoffwechsel. Empfohlen werden für Welpen im Wachstum 20 IE pro kg Körpermasse.

Während des Wachstums ist außerdem eine ausreichende Eiweißversorgung wichtig, da Ihr Welpe das Eiweiß zur Neubildung von Gewebe benötigt. Der empfohlene Wert liegt bei 14 g pro kg KM pro Tag und geht dann innerhalb der ersten 12 Lebensmonate kontinuierlich runter bis auf den Bedarf für erwachsene Hunde.

Ältere Hunde (ca. ab dem 7. Lebensjahr) haben einen niedrigeren Energiebedarf. Um Verfettung zu vermeiden, sollte die Futtermenge also angepasst werden. Übergewicht und damit einhergehende Herz-Kreislauf oder Gelenkprobleme wollen schließlich tunlichst vermieden werden. Außerdem besteht bei übergewichtigen Hunden im Alter ein erhöhtes Risiko für Diabetes mellitus. Jedoch sollten Sie nicht einfach die Futtermenge verringern. Dadurch reduziert sich auch die Nährstoffmenge, wovon ältere Tiere zum Teil eher mehr brauchen, beispielweise bei Vitamin B und E sowie Zink. Um die Energiedichte zu reduzieren, kann der Rohfasergehalt erhöht werden. Dazu eignen sich zum Beispiel Weizenkleie, Zellulose oder gekochte Möhren. Die Eiweißquellen sollten möglichst hochwertig und gut verdaulich sein, dazu gehören unter anderem Fleisch, Milch- und Eiprotein. Altersbedingte Veränderungen der Leber und Nieren führen dazu, dass Tiere intoleranter gegenüber einem übermäßigen Nährstoffangebot sind. Ist Ihr Liebling zum Beispiel an einer Niereninsuffizienz oder Harnsteinen erkrankt, braucht er eventuell eine angepasste Ernährung. Fragen Sie dazu am besten Ihre Tierärztin oder Ihren Tierarzt. Umgekehrt können alte Hunde manche Nährstoffe aufgrund nachlassender Enzymaktivität schlechter verwerten, haben also einen höheren Bedarf. Deswegen gibt es im Handel speziell angepasstes Seniorenfutter. Wenn Sie die Ration Ihres Vierbeiners selber zusammenstellen, lassen Sie sich auch hierfür von Expertinnen und Experten beraten.

Sonderfall bei der Hundeernährung: Trächtigkeit und Laktation

Trächtige Hündinnen haben einen erhöhten Energie- und Nährstoffbedarf ab dem 30. Tag nachdem sie gedeckt wurden. Interessanterweise geht die benötigte Menge in der letzten Woche vor der Geburt zurück, obwohl das Wachstum des Embryos in dieser Zeit am größten ist. Vermutlich liegt dies am beschränkten Platz im Bauchraum. Damit die Mutter dennoch ausreichend Energie zu sich nimmt, sollten Sie die Futtermenge ab der 3. oder 4. Trächtigkeitswoche bei kleinen Rassen um 30% und bei großen Rassen um 50% erhöhen. Eine Verfettung Ihres Vierbeiners sollte unbedingt vermieden werden, da dies zu Schwierigkeiten bei der Geburt und zu verminderter Milchbildung führen kann.

Trächtige Hündinnen benötigen in der 2. Hälfte der Trächtigkeit 40% (kleine Würfe) bis 70% (große Hunderassen) mehr Protein für unter anderem das Wachstum des Embryos. Sie haben also einen 1,5 bis 1,7 Fachen Bedarf im Vergleich zu nicht trächtigen Hunden. Hündinnen, die Ihre Welpen mit Milch versorgen, brauchen enorm viel Eiweiß zur Milchproduktion. Somit steigt der Bedarf während der so genannten Laktation um das 3-Fache im Vergleich zum normalen Bedarf bei kleinen Rassen und um das 4-5-Fache bei großen Rassen.

Des Weiteren haben laktierende und trächtige Hündinnen einen besonders hohen Calcium- und Phosphor-Austausch mit dem Blut, weshalb der Bedarf in den letzten 4 Wochen der Trächtigkeit verdoppelt ist und in der Laktation abhängig von der Größe des Wurfes 2-5-fach so hoch.

Auch die anderen Nährstoffe müssen während der Trächtigkeit und der Laktation entsprechend dem erhöhten Bedarf angepasst werden. Der Bedarf einer trächtigen Hündin ist bei den meisten Nährstoffen um das 1,3-1,7 Fache gegenüber dem normalen Bedarf erhöht.

Da das Thema Hundeernährung so umfangreich ist, beschäftigen Sie sich also ruhig etwas intensiver mit dem Thema, damit es Ihrem Liebling an nichts fehlt und fragen Sie im Zweifel immer Ihre Tierärztin, Ihren Tierarzt oder Ernährungsspezialisten, z.B. an den tierärztlichen Bildungsstätten, um Rat.

Dieser Artikel wurde geprüft von Melanie Ahlers (Tierärztin).

Die genannten Informationen stellen keine Anleitung zur Selbstdiagnose und Behandlung von Tierkrankheiten dar. Tierhalter sollten bei gesundheitlichen Problemen ihres Tieres in jedem Fall einen Tierarzt um Rat fragen. Diagnosen über das Internet sind nicht möglich.

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