Ein Gastartikel von Annika Grunert

Es gibt mittlerweile zahlreiche Hundesportarten, aber nicht alle sind für jeden Vierbeiner geeignet. Wie auch bei uns Menschen gibt es auch bei unseren tierischen Freunden Unterschiede in der Fitness. Nicht jeder Hund gehört zu den agilen, schnellen und sportlichen Vierbeinern – und das ist auch völlig in Ordnung! Dennoch dürften die meisten Besitzerinnen und Besitzer Lust dazu haben, zusätzlich zu den täglichen Spaziergängen gemeinsam etwas mit ihrem Hund zu unternehmen. Eine gute Möglichkeit dafür ist Degility, denn dafür muss niemand eine Sportskanone sein und es fördert trotzdem Körper und Geist.

Inhaltsverzeichnis:

Was ist Degility?

Degility ist eine Mischung aus Agility und Mobility. So sind die einzelnen Elemente sehr ähnlich: Es gibt Slalomstangen, Tunnel, Wippen, Brücken oder Sprünge. Letztere sind aber nur für die Hunde vorgesehen, die tatsächlich springen dürfen, also nicht für kranke oder alte Tiere. Außerdem werden beim Degility Wackelbretter für die Balance, Hängeleitern und Labyrinthe eingesetzt. Grundsätzlich richtet sich der Parcours beim Degility nach den Bedürfnissen und Fähigkeiten des jeweiligen Hundes, deshalb kann er sehr vielfältig gestaltet werden: vom reinen Fun-Parcours bis hin zu anspruchsvollen Stationen ist alles möglich. Nicht nur das ist ein Unterschied zu den beiden anderen Hundesportarten.

Beim Agility geht es um Schnelligkeit und die sportliche Leistung steht im Vordergrund. Beim Mobility geht es hingegen etwas langsamer zu. Aber bei beiden Hundesportarten ist die genaue Ausführung der Übungen wichtig und es gibt eine vorgegebene Reihenfolge der Stationen. Beim Degility spielt das hingegen keine Rolle: Hund und Mensch absolvieren zwar ebenfalls gemeinsam einen Parcours, aber es kommt weder auf die Schnelligkeit noch auf die korrekte Ausführung an. Auch die Reihenfolge der Hindernisse steht beim Degility nicht im Vordergrund.

Degility unterstützt die Gesundheit des Hundes

Vielmehr geht es um bewusste Körperbewegungen, Geschick, Konzentration und Teamgeist. Sportlicher Ehrgeiz hat hier also nichts verloren. Entscheidend ist, dass die Hindernisse und Übungen zum jeweiligen Hund passen und dass sie ruhig und konzentriert absolviert werden. Deshalb eignet sich Degility eigentlich für jeden Hund, der Spaß daran hat, mit seinem Menschen gemeinsam zu arbeiten: egal ob kleine oder große Hunde, aktive oder eher ruhige Vierbeiner, junge oder alte. Selbst Hunde mit Handicap und auch Welpen können Degility machen.

Auch für gestresste oder ängstliche Hunde ist Degility ein guter Sport. Die Aufgaben sollen langsam und konzentriert ausgeführt werden, das bringt hibbelige, unruhige oder gestresste Hunde gut zur Ruhe. Ängstliche Hunde können mit Degility mehr Selbstvertrauen gewinnen, dafür sorgt die erfolgreiche Bewältigung von Herausforderungen. Eine aktive, gezielte Bewegung ist für jeden Hund wichtig, denn sie macht und hält fit. Das kann wiederum nicht nur den Gesundheitszustand verbessern, sondern auch den Alterungsprozess verzögern. Allerdings sollte Degility unter einer professionalen Anleitung erfolgen.

Bei Erkrankungen des Bewegungsapparates wie beispielsweise Spondylose, Ellbogendysplasie oder Arthrose sollte vorher Rücksprache mit der behandelnden Tierarztpraxis oder Hundephysiotherapie gehalten werden. Aber auch in solchen Fällen kann Degility als unterstützende Bewegungstherapie dienen, da es gelenkschonend ist, die Beweglichkeit verbessert und dem Muskelaufbau dient.

Was ist beim Degility zu beachten?

Natürlich ist es generell wichtig, dass die Aufgaben den Hund niemals überfordern. Lieber mit leichten Stationen beginnen und die Schwierigkeit ganz langsam steigern. Das gilt für alle Hunde. Außerdem sollte der Mensch niemals Druck aufbauen: Beim Degility geht es nicht darum, es besonders gut oder schnell zu machen, sondern darum, überhaupt etwas zusammen zu unternehmen, und zwar mit Freude. Wenn ein Hund vor einem Hindernis Angst hat oder zu lange zögert, sollten Sie es mit Motivationsversuchen nicht übertreiben und lieber zu einer leichteren Station wechseln. Es ist also auch wichtig, rechtzeitig aufzuhören.

Die Vorteile von Degility im Überblick

  • Für (fast) jeden Hund geeignet
  • Fördert die Bindung zwischen Mensch und Hund
  • Gesunde & gelenkschonende Auslastung
  • Verbessert die Ausdauer, Balance und Beweglichkeit
  • Stärkt das Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen des Hundes
  • Steigert die Konzentrationsfähigkeit
  • Dient dem Muskelaufbau
  • Bewusste Körperbewegungen und Koordination werden gefördert
  • Gezielter Einsatz von Muskeln
  • Baut Stress ab

Nicht nur für den Hund bringt Degility viele Vorteile, sondern auch für den Menschen. Unser Alltag ist oft sehr hektisch und stressig. Das konzentrierte, langsame und ruhige Absolvieren der Stationen beruhigt uns und sorgt für Entspannung. Sie lernen Ihren Hund besser kennen und können seine Körpersprache und Signale besser deuten. Degility wirkt sich auch auf Ihre eigene Körpersprache aus, die Sie dadurch bewusster einsetzen können. Außerdem wächst Ihr Vertrauen in sich selbst und in Ihren Hund.

Wo kann man Degility machen?

Degility wird in Hundeschulen und -vereinen angeboten. Allerdings ist es noch nicht ganz so verbreitet wie manch andere Hundesportart. Es lassen sich natürlich Aufgaben in den täglichen Waldspaziergang einbauen, wie etwa über einen Baumstamm zu balancieren. Im heimischen Garten kann ebenfalls ein Parcours aufgebaut werden. Geräte oder Elemente für Degility gibt es sowohl in Geschäften als auch im Internet zu kaufen. Sind Sie handwerklich begabt, können Sie sicherlich auch einiges selbst bauen, wobei darauf geachtet werden muss, dass es kein Verletzungsrisiko für den Hund gibt. In manchen Gemeinden und Städten gibt es auch Hundeplätze mit verschiedenen Geräten, die sich für Degility eignen.

Zudem können Sie – wie oben erwähnt – auf professionelle Anleitungen von Expertinnen und Experten setzen, bevor Sie starten. Für eine erste Orientierung gibt es beispielsweise auch viele YouTube Videos, in denen langjährige Erfahrungen weitergegeben werden. Ein regelmäßiger Check des Trainings ist ebenfalls ratsam, damit sich langfristig nicht unbemerkt Fehler einschleichen.

Ansonsten sind diesem Hundesport fast keine Grenzen gesetzt: Degility soll allem voran Spaß machen!

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