Geschrieben von Zen-Dogs-Training

Wenn es um die richtige Art unseren Vierbeiner zu motivieren oder zu belohnen geht, kann schon mal ein kleiner Glaubenskrieg ausbrechen. Und das, obwohl es doch kein Richtig oder Falsch, sondern nur stimmig oder unstimmig für den jeweiligen Hund gibt. Immer wieder begegnet mir die Aussage, dass Hunde etwas rein für das Leckerli tun. Dieser Gedanke ist kritisch zu betrachten, da er doch einerseits die eigene Führungskompetenz dem Hund gegenüber als auch die individuelle Kooperationsbereitschaft des Hundes auf das Leckerli reduziert. Doch was ist nun die tatsächliche Motivation unseres Vierbeiners mit seinem Menschen zusammenzuarbeiten?

Einblicke in die Hunde-Psyche

Um dies zu verstehen, machen wir einen Ausflug in die Psyche des Hundes und in die moderne Lerntheorie. Hunde sind Opportunisten – so sagt man. Das bedeutet, dass sie ihr Handeln danach ausrichten, was ihnen guttut und sie in der Lage sind, sich an unterschiedliche Situationen gut anzupassen. Das ist eine wichtige Eigenschaft, die dem Wolf bzw. dem Hund das Überleben sichert. Aber der Hund ist das einzige Lebewesen, das sich so sehr an den Menschen angepasst hat, dass es sogar die menschlichen Gesten und Blicke deuten kann. Der Hund weist eine hohe soziale Kompetenz auf und fühlt sich in einem klar strukturierten Familienverbund wohl. Ein Mensch-Hund-Team mit einer guten Bindung funktioniert als Einheit, wobei der Mensch als »Rudelführer« seinem Hund Führung, Sicherheit und die Erfüllung der hündischen Bedürfnisse bietet und der Hund im Gegenzug gerne mit ihm kooperiert.

Gassigang und Training kombinieren

Wenn Cicki und ich Gassi gehen, dann ist das aus hündischer Sicht ein Jagdausflug. Eine Zeit in der geschnuppert, gelaufen, gespielt und auch trainiert wird. Zu einem Jagdausflug gehört für einen Hund auch die Beute, die er sich zuvor erarbeiten musste. Das sind dann z.B. das Trockenhauptfutter oder spezielle Trainingssnacks. Mein Border-Collie und ich haben Freude daran, unterwegs kleine Trainingseinheiten einzubauen, die dann auch mit Futter belohnt werden. Und weil wir uns gemeinsam etwas erarbeitet haben, ist das dann unsere Beute, die ich mit ihm teile. Oder wir üben Impulskontrolle, indem er im »Platz« bleibt, während ich vor seinen Augen sein Futter verstreue und dann das Signal »Such« gebe. Auf diese Art erjagt er sich manchmal seine Hauptmahlzeit(en). Ganz oft haben wir bei unseren Streifzügen auch gar keine Leckerlis dabei und das spielt keine Rolle. Wir sind ein Team.

Keine Erziehung ohne Beziehung

Tut der Hund also etwas nur für das Leckerli? Ganz sicher nicht! Meine Erfahrung hat gezeigt, dass Körpersprache, Stimme, Energie und Stimmung entscheidende Faktoren sind, auf die unser Hund im Training reagiert. Außerdem bestimmt der Hund die Art der Belohnung. Richtig. Der Hund. Sogar eine bestimmte Übung kann eine Belohnung sein. Gefällt ihm z.B. besonders gut im Slalom durch meine Beine zu laufen, zeigt er dies aus einer inneren Motivation heraus. Damit ist das Verhalten selbstbelohnend. Daher kann ich den Slalom gezielt als Belohnung/Motivation für ein von mir gegebenes Signal einsetzen.

Unsere Hunde sind einfach toll und wenn mein Hund mich erwartungsvoll und freudig anschaut – dann erkenne ich in seinem Blick Liebe. Letztendlich gibt es viele Wege zum Ziel und eine gute Erziehung führt immer über eine gute Beziehung.

Foto: © Zen-Dogs-Training

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