Insbesondere dann, wenn unsere Lieblinge kein großes Revier für tägliche Erkundungstouren zur Verfügung haben, sind sie auf Bewegung und Abwechslung zuhause angewiesen. Sabine Ruthenfranz kennt sich mit den Bedürfnissen von Katzen aus und hat ihre besten Tipps für eine glückliche und aktive Wohnungskatze mit uns geteilt.


Inhaltsverzeichnis:


Was sind Anzeichen dafür, dass meine Wohnungskatze nicht ausgelastet ist?

Jede Katze geht anders mit Langeweile um. Denn das hängt auch mit ihrem Alter, der Rasse, ihrer körperlichen Verfassung zusammen. Einige Katzen flüchten sich in den Schlaf, werden lethargisch oder sogar depressiv. Übergewicht kann auch dazu gehören. Andere kommen auf dumme Gedanken, werfen z.B. Gegenstände herunter, kratzen an unerlaubten Dingen (Sofa, Tapete) oder „verprügeln“ ihre Artgenossen. Die Bandbreite der Anzeichen ist da sehr groß.

Gibt es besonders unkomplizierte bzw. alltagstaugliche Möglichkeiten, meine Wohnungskatze auszulasten und fit zu halten?

Ja, es gibt viele Möglichkeiten. Doch „unkompliziert & alltagstauglich“ liegt etwas im Auge des Betrachters. Fakt ist: Wer Katzen ausschließlich in der Wohnung hält, ist zu 100% für sie verantwortlich und muss ihnen vieles bieten, was sie in der Natur auf eigene Faust machen würden.
Die Beschäftigung sollte dabei immer auf die individuellen Bedürfnisse der Katze angepasst sein. Hier kommen erneut Alter, Rasse und Gesundheitsstatus ins Spiel. Dabei ist eine moderate Abwechslung zwischen körperlicher und geistiger Anregung ausschlaggebend. Je nach Katze also Jagdspiele, Fangen, Verstecken, ein Fensterplatz zum Beobachten, Fummelbretter mit Leckerchen bis hin zum Clickertraining. Man kann auch schon viel damit erreichen, wenn man die Katze am eigenen Alltag teilhaben lässt und sie mit einbezieht. Darauf muss man sich jedoch als Mensch erst einmal einlassen.

Wie viel Zeit sollte ich am Tag für Spiele mit meiner Wohnungskatze einplanen?

Auch das ist sehr individuell und hängt sehr stark davon ab, was es sonst noch im Haushalt für Anregungen gibt und wie der Tagesablauf der Menschen ist. Eine Homeoffice-Situation der Halter plus Partnertiere bieten ganz andere Rahmenbedingungen, als die klassische „den ganzen Tag allein“-Konstellation. Als Faustregel kann man eigentlich nur sagen: Je mehr Zeit, desto besser und das angepasst an die jeweilige Katze. Eine Stunde verteilt über den Tag kann passen. Man darf nie vergessen, dass Katzen auch Spaß, Unterhaltung und Anregung verdient haben und nicht nur Kuscheltiere sind. Das muss man immer im Hinterkopf haben.

Meine Wohnungskatze mag ihren Kratzbaum nicht. Woran kann das liegen? Was sind gute Kletter- bzw. Bewegungs-Alternativen?

Wenn der Kratzbaum verschmäht wird, liegt es ganz oft an Instabilität und mangelnder Größe des Kratzbaums und/oder dem falschen Stellplatz. Bei der Qualität gibt es riesige Unterschiede und es lohnt sich von Anfang an in einen großen, stabilen Kratzbaum zu investieren, der dann ein Katzenleben lang und länger hält. Der Standort sollte möglichst dort sein, wo es interessant und gemütlich für die Katze ist. Also eher am Fenster, neben der Couch im Wohnzimmer und nicht im Flur oder einem wenig genutzten Gästezimmer. Gute Alternativen sind Kratzmatten, die horizontal oder vertikal genutzt werden können und Papp-Kratzmöbel. Für die Wände gibt es tolle Catwalks, im Prinzip sind das spezielle Regalvorrichtungen, die zum Klettern anregen.

Stoffmäuse, Spielangeln… Die Auswahl an Katzen-Spielzeug ist groß. Haben Sie ein „Lieblingsspielzeug“, das bei fast allen Wohnungskatzen gut ankommt?

Jede Katze hat eigene Vorlieben, die es herauszufinden gilt. Aber viele Katzen lieben Kartons, Spielangeln und Bälle. Bei Spielmäusen ist darauf zu achten, dass sie nicht zu groß sind, denn das mögen manche Katzen nicht. Und jedes Spielzeug sollte natürlich hochwertig verarbeitet sein und keine chemischen Gerüche ausdünsten. Viel wichtiger als das Spielutensil ist jedoch, dass der Mensch sich Zeit für das Spiel nimmt und sein Spielangebot auch ernst meint. Da Katzen gerne lauern ist auch Geduld gefragt.

Gibt es Spiel- oder Klettermöglichkeiten für Wohnungskatzen, mit denen Sie eher schlechte Erfahrungen gemacht haben?

Ich persönlich nicht, aber ich kenne diverse Anekdoten um mangelhaftes Katzenzubehör. Kratzbäume oder Rascheltunnel mit angebrachten Kordeln, Bommeln oder Spielzeug am Ende sind z. B. problematisch, da sich die Katzen darin verfangen oder sogar strangulieren können. Viele Spielzeugmäuse verlieren zudem Einzelteile, da sie nicht sorgfältig produziert wurden. Das Verschlucken dieser Kleinteile kann gefährlich werden. Und bei allem was man zum Klettern und Kratzen anbietet, kommt es immer auf ausreichende Stabilität an.

Welchen Trick sollte jede:r Halter:in einer Wohnungskatze kennen?

Einen Trick habe ich nicht. Aber etwas zum Nachdenken:

  1. Viel Schlaf bedeutet bei einer Katze nicht zwangsläufig, dass sie gesund und zufrieden ist.
  2. Katzen sind nicht (!) einfacher zu halten als Hunde, auch wenn das oft so dargestellt wird.
  3. Katzen sind extrem schwierige Patienten und können Schmerzen (auch bis zum bitteren Ende) vor uns verbergen.
  4. Die Wohnungshaltung ist ein Kompromiss, den wir der Katze aufzwingen.
  5. Wohnungshaltung bedeutet eine unfassbar große Verantwortung gegenüber der Katze.

Genau deshalb versuche ich dafür zu sorgen, das Katzenhalter:innen so viel wie möglich über ihre Katzen lernen, sich mit ihnen ernsthaft auseinandersetzen und daran arbeiten, für ihre Katzen jeden Tag ein Stück besser zu werden.

Sabine Ruthenfranz ist mehrfache Fachbuchautorin, Podcasterin und hat eine Wissensplattform für Tierhalter:innen aufgebaut. Mit ihrem Pet-Competence-Club bringt sie Expertenwissen und „gute Laune“ in die Tierhaushalte. Denn sie ist der Meinung: „Informationen müssen auch Spaß machen, damit wir sie in unseren Alltag lassen“. Kostenlose Anmeldung zum Club unter: https://www.pet-competence.de

Foto: © Sabine Ruthenfranz

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