Geschrieben von Hundetrainerin Vera Müller

Die Arbeit eines Hundephysiotherapeuten ist sehr vielfältig. Mit schonenden Maßnahmen werden Erkrankungen der Gelenke, Muskeln, Sehnen, Bänder und Nerven behandelt.

Dazu zählen zum Beispiel Spondylose, Hüftgelenksdysplasie, Tendovaginitis, Bandscheibenvorfälle, Rückenmarksinfarkte und viele mehr. Zur Behandlung unterschiedlicher Erkrankungen, um den Heilungsverlauf zu beschleunigen, Beschwerden zu lindern oder gelähmte Hunde wieder lauffähig machen zu können, ist eine fundierte Ausbildung mit vielen Praxisstunden, Feingefühl sowie Erfahrung nötig. Die Tätigkeit des Hundephysiotherapeuten ist leider nicht gesetzlich geschützt und nicht staatlich geregelt, so dass jeder sie in Deutschland ausüben darf. Es gibt Hundetrainer, die Gymnastik-Kurse für Hunde, ohne fundierte Ausbildung und ohne besuchte fachgebietsbezogene medizinische Praxis- Fortbildungen, anbieten. Dieses Wissen ist unter anderem aber notwendig, damit kein Schaden bei gesunden Hunden entsteht und vorhandene Krankheitsbilder nicht verschlimmert werden.

Ein Fall aus der Praxis

Schäferhund Oscar, 13 Jahre, wurde von Oktober 2016 bis Oktober 2017 physiotherapeutisch von mir wegen Spondylose und Hüftarthrose betreut. Für die Spondylose/Arthrose erhielt Oscar durch einen Orthopäden Goldimplantate. Dann kamen unter anderem Massage, Laserdusche sowie Wackelbrett bei mir zum Einsatz. Im Juni 2017 erkrankte Oscar leider zusätzlich am Vestibularsyndrom inklusive Kopfschiefhaltung und der Problematik „Hund kann nicht mehr laufen, fällt um“. Auf meinen Rat hin bekam er vom Tierarzt einen Zugang für eine Infusionstherapie gelegt. Diese Therapie dauerte zwei Wochen und wurde von den Besitzern selbst Tag und Nacht durchgeführt. Gleichzeitig bekam Oscar homöopathische Mittel und ich behandelte ihn täglich mittels Lasertherapie und Akupunktur sowie Igelball für die neurologischen Ausfälle. Bei der Akupunktur nadelte ich verschiedene Punkte. Dreimal wöchentlich wurde er behandelt und konnte sehr schnell wieder zeitweise stehen. Nach zwei Wochen lief Oscar wieder. Die Kopfschiefhaltung war nach vier Wochen weg und er freute sich wieder an Spaziergängen teilzunehmen.

Das Vestibularsyndrom

Am Vestibularsyndrom erkranken meist ältere Hunde. Der Gleichgewichtssinn ist plötzlich gestört, die Vierbeiner leiden unter schwankendem Gang oder können gar nicht mehr stehen/laufen, gefolgt von Übelkeit bis hin zum Erbrechen, Kopfschiefhaltung und Nystagmus (Augenzittern). Hier sei explizit erwähnt, dass dies kein Grund ist, einen Hund einzuschläfern, wie in Oscars Fall vom Tierarzt vorgeschlagen wurde. Das Vestibularsyndrom, richtig diagnostiziert und schnell behandelt, kann erfolgreich therapiert werden.

Foto: © Lilli/Adobe Stock

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