Ein Gastbeitrag von Julia Dittmers, Mitglied im BVZ-Hundetrainer e. V.

Junge Vögel entfleuchen dem Nest. Auch junges Wild ist unterwegs, Feld, Wald und Flur zu erkunden. Damit die Kinderstube in der freien Natur ausreichend geschützt ist, wird in der Brut- und Setzzeit die „Tobefreiheit“ von Hunden dagegen beschränkt: Von April bis in den Juli hinein ist jeder Ausflug ins Grüne verpflichtend an der Leine zu unternehmen. Wie aber anstellen, dass unsere Vierbeiner zu Hause dennoch genug ausgelastet sind? Denken, heißt das Zauberwort.

Hunde tollen gerne ausgelassen am See, auf dem Feld oder im Wald. Das fordert sie körperlich und macht zufrieden und müde. Was also tun, wenn dies ein Vierteljahr lang nicht geht? Hierfür gibt es einige Tricks – und zwar durchaus im wahren Sinn des Wortes: Zerr-, Such- und auch Denkspiele lasten Hunde aus – zwar nicht unbedingt körperlich, aber geistig dafür umso mehr. Dafür hält der Handel einiges an Angeboten bereit. Allerdings bieten viele „Fertigspiele“ nur wenige Möglichkeiten der Variation. Hunde haben schnell raus, wie der Hase dabei jeweils läuft – und schon wird das teure „Deck-Hütchen-für-Leckerchen-auf“ langweilig. Mehr Abwechslung bieten Aufgaben, die man sich als Halter selbst ausdenkt – und immer weiter ausbauen kann.

Die Klassiker: Zergeln, suchen, auspacken

Ein absoluter Klassiker ist Tauziehen: Mensch und Hund ziehen an einem Seil, Ast, Kissen oder Spielzeug. Hierbei lässt sich auch gut das „Aus“ üben: Auf Kommando soll der Hund das Spielzeug fallen lassen. Doch Vorsicht: Solche Zerrspiele sollten Sie nur dann machen, wenn Ihr Hund einen Abbruch im Spiel hinnimmt und das Spielzeug nicht womöglich aggressiv verteidigt. Sollten Sie solch einen „Beutebewacher“ zu Hause haben, wählen Sie stattdessen lieber ein Suchspiel. Verteilen Sie wahllos Leckerchen in der Wohnung und lassen Sie Ihren Hund dabei zusehen. Auf ein Kommando hin darf er losziehen und die Schmankerl fressen. Während der Hund darauf warten muss, übt er ganz nebenbei ein Stück Selbstkontrolle. Gehen Sie dann dazu über, die Leckerlis zu verstecken, wobei Ihr Hund nicht mehr zuschaut, sodass er die Gaumenfreuden wirklich erschnüffeln und suchen muss. Derart mit der Nase zu arbeiten, strengt Hunde übrigens sehr an. Daher reichen anfangs wenige Minuten absolut aus.

Andere Hunde haben es mehr mit Geschicklichkeit: Sie packen für ihr Leben gerne Dinge aus. Machen Sie sich dies für Beschäftigungsspiele ruhig zunutze. Schenken Sie Ihrem Vierbeiner doch mal ein „Schummelpaket“. Leckerchen einwickeln, das Ganze vielleicht noch in einen Karton, den zukleben und noch schön in Papier einpacken und vielleicht sogar noch eine lockere Schleife dazu. Fertig. Nun darf Ihr Hund auspacken. Vierbeinern, die nicht geübt sind im Entwirren und Öffnen, können Sie helfen, indem Sie vor deren Augen das Päckchen selbst ein Stück auspacken.

Die Sache mit den Tricks: Butler auf vier Pfoten

Vielleicht bringen Sie Ihrem tierischen Mitbewohner auch diverse „Handreichungen“ bei. Stellen Sie sich etwa vor, Sie haben beide Hände voll und wollen durch die Tür. Prima, wenn Ihr Hund sie öffnen und schließen kann. Solche kleinen Unterstützungen sind für ihn echte Kopfarbeit und die strengt an.

Oder schleppt Ihr Hund gerne Dinge an? Dann benennen Sie Dinge beim Namen und lassen Sie Ihren Hund diese auf Kommando apportieren. Wenn Fifi die Zeitung bringt, die Jacke reicht und vielleicht abends die Socken auszieht – das kann durchaus angenehm sein. Und hilfreich. Denn womöglich steckt gerade in Ihrem Hund ein echter Saubermann? Nutzen Sie seine Apportier-Leidenschaft gerne für die nächste Aufräumaktion. Starten Sie mit einem seiner Spielzeuge. Legen sie es hin und lassen Sie Ihren Hund es zu Ihnen bringen. Haben Sie dabei neben sich eine Kiste, in die der Hund das Spielzeug einräumen soll. Halten Sie beim Apportieren Ihre Hand über die Kiste. Irgendwann im Training ziehen Sie die Hand dann weg. Der Hund lernt, dass er das Spielzeug in den Karton fallen lassen soll. Gleiches können Sie auch mit bestimmten Haushaltsdingen machen. Echte Könner lernen verschiedene Sachen beim Namen und räumen sie als Fortgeschrittene auf Kommando weg.

Auf diese Weise vergeht die Zeit des Leinenzwangs mit viel Spaß und ganz nebenbei auch viel sinnvollem Training. Außerdem bringen solche Beschäftigungen für den Kopf zwei weitere schöne Nebeneffekte mit: Sie festigen die Bindung zwischen Halter und Hund. Außerdem eignen sie sich auch für betagte Hundesenioren – also auch dann, wenn die Brut- und Setzzeit vorbei ist, aber trotzdem von wildem Herumrennen keine Rede mehr sein kann.

Foto: © K. Thalhofer/Adobe Stock

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