Ein Gastartikel  von Ellen Friedrich, Mitglied im BVZ-Hundetrainer e.V.

Weltweiter Tierschutz bedeutet internationale Transfers von Hunden – auch nach Deutschland. Es bedeutet einen völligen Neustart ihres Lebens. Nicht immer sind die Vierbeiner selbst „froh“ darüber und oft sind sie alles andere als gewappnet für unsere städtischen Ballungsgebiete mit einem Leben in Räumen mit vielen Einschränkungen. Einigen fällt hier förmlich „die Decke auf den Kopf“.

Das Problem erkennen

Daneben nimmt die Hundezucht in Deutschland noch immer nicht den Hund mit seinem Verhalten in den Fokus, sondern optische Belange und Pokale bestimmen den Zuchterfolg. Zu Lasten der Hunde, die mit hypertrophiertem, also übersteigertem Verhalten im Bereich ‚Angst‘ in ihrem Umfeld auffällig werden. Entsprechend häufig stellen Hundebesitzer umweltunsichere Hunde Hundetrainern vor und stehen mit ihren Gefühlen beim Erziehen der Hunde oftmals zwischen den Stühlen. Auf der einen Seite steht der Wunsch, dem Hund ein glückliches Leben zu ermöglichen. Andererseits ergeben sich Konflikte aufgrund oftmals unspektakulärer Kleinigkeiten. Das belastet das Zusammenleben und führt zu Spannungen zwischen allen Beteiligten. Hier gilt es nun Emotionen, die zielgerichtetes, wohlwollendes Verhalten blockieren können, und gute Konzepte zur Integration der Hunde in ein sinnvolles Verhältnis zu setzen: nicht zu viel vom Einen und nicht zu wenig vom Anderen. Es muss zwischen „lassen“ und „müssen“ abgewogen und erkannt werden, was hinter Verhaltensnotprogrammen seitens der Hunde steht, um Veränderungen zu schaffen. Welche Strategie hat der Hund gelernt und warum? Oder ist ein Tier schlicht unerzogen?  

Ängstlichen Vierbeinern richtig helfen

Fachleute, die die Integration von ängstlichen Hunden begleiten, brauchen dafür umfangreiches Wissen und Erfahrung im praktischen Umgang mit Hunden. Ein breites Spektrum an Vorgehensweisen – kombiniert mit gesundem Menschenverstand – führt zum Ziel. Ängstliche Hunde haben nicht zwingend eine Verhaltensstörung, die eine Medikamentengabe notwendig macht. Wie alle Familienhunde, die auf zu wenig Erfahrung zurückgreifen können, um in unserer Umwelt gut zurechtzukommen, benötigen sie Hilfe ihrer Menschen: Sozialpartner, die besser als jedes Beruhigungsmittel zur Seite stehen, in den Arm nehmen oder den Schubs ins Leben begleiten. Um dies richtig anzustoßen und zu begleiten, müssen Hundetrainer das Tier zunächst in seiner Gesamtheit erfassen und dann im Einzelfall entscheiden: Was ist Tier und Halter zumutbar? Welche Grenzen ergeben sich bei der Arbeit mit dem einzelnen Vierbeiner? Und wie gut kann der Hundehalter seine Rolle als „Rückgrat“ ausfüllen? Nicht zuletzt steht hinter jedem ängstlichen oder umweltunsicheren ein ganz normaler Hund mit individuellen Bedürfnissen, Vorlieben und Abneigungen.

Auf den Zusammenhalt kommt’s an

Lebensqualität von Hunden bemisst sich nicht an Designerhalsbändern und schönen Liegeplätzen sondern an dem Gefühl, sich in der eigenen Welt gut zurechtzufinden und den Alltagswirren aus eigener Kraft entgegentreten zu können … oder zu wissen, dass man bei seinem Menschen um Hilfe bitten kann! Erfahrene, geschulte Hundetrainer unterstützen Tier und Halter dabei, den Alltag zu meistern. Aber sie setzen auch Grenzen, damit aus dem unsicheren Angsthund nicht – ehe man sich versieht – ein selbstsicherer, unerzogener Vierbeiner wird. Die Mitglieder des BVZ-Hundetrainer e.V. können Hundehalter und Hunde auch in schwierigen Situationen sicher anleiten. Stress, Angespanntheit oder Unwohlsein sind Reaktionen auf unbekannte oder unbequeme Situationen. Aber diese Gefühle belasten nicht zwingend so stark, dass man betroffene Tiere in ihrer kleinen Welt belassen sollte.


Bei weiteren Fragen zum Thema Angst oder anderen Erziehungsthemen stehen Ihnen zahlreiche Experten in unserer kostenlosen AGILA Hundetrainer-Sprechstunde zur Seite.

Foto: © Damian Stoszko/fotolia.com

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