Fetiță din București (Mädchen aus Bukarest)

Viele Erinnerungen an meine Heimat, einen kleinen Ort unweit von Bukarest, habe ich nicht mehr. Ich bin heute (geschätzte) drei Jahre alt und hatte – im Gegensatz zu vielen anderen Hunden aus meinem Heimatland – das Glück, nicht auf der Straße leben zu müssen. Doch ein Hundeleben in Rumänien hat, wie in den meisten osteuropäischen Ländern, oft einen anderen Stellenwert als in Deutschland. Häufig müssen wir in unseren Heimatländern eine Aufgabe erfüllen: Haus und Hof bewachen oder Mäuse jagen. Das Glück, ein Leben als Familien- und nicht als Gebrauchshund in diesen Ländern zu führen, haben nur wenige Artgenossen.

So lebte ich also in meiner rumänischen Familie. Den Tierschützern, die sich später meiner annahmen, wurde dies vor allem dadurch klar, dass ich bereits stubenrein war, ohne Probleme an der Leine lief und auch insgesamt ein anderes Verhalten als das typischer Straßenhunde zeigte.

Im Dezember 2017 wandte sich mein Leben plötzlich. Durch eine Schrotkugel wurde ich so stark an meinem linken Auge verletzt, dass der Tierarzt es nicht mehr retten konnte. Ob es sich um einen Unfall oder Absicht handelte, weiß niemand. Was ich jedoch weiß: Hätte mich Sanda Andrei, die Leiterin eines privaten Tierheims in der Nähe von Bukarest, nicht allein, an einem Feldrand liegend gefunden, wäre ich heute nicht mehr da.

Tierschutzverein Pfote sucht Glück e.V.

Nachdem ich dank Sanda die lebensrettende Hilfe und medizinische Versorgung erhielt, die ich brauchte, wurde ich in ihrem Tierheim aufgenommen. Um uns Vierbeiner erfolgreich an neue Familien zu vermitteln, arbeitet Sanda mit dem gemeinnützigen Tierschutzverein Pfote sucht Glück e.V. zusammen. Über einen Spendenaufruf auf der Facebook-Seite des Tierschutzvereins bekam ich eine liebe Namenspatin, die mich „Eve“ taufte. So wartete ich also auf meine neue Familie, sah zwischenzeitlich immer wieder neue vierbeinige Freunde kommen und gehen und taute bereits etwas auf. Doch durch die Entfernung meines linken Auges standen die Chancen, vermittelt zu werden, nicht sehr gut. Während ich also wartete, wusste ich nicht, dass sich bereits einen Monat später jemand – meine jetzige Mama – in mich verguckt hatte. Sie sagt immer, dass sie und mein Papa sich viel mit dem Thema Tierschutzhunde beschäftigten und regelmäßig beim Tierschutzverein Pfote sucht Glück e.V. nach einem neuen Familienmitglied auf vier Pfoten suchten. In „die kleine Piratenbraut“, wie meine Eltern mich liebevoll nennen, verliebten sie sich dann sofort – wer kann es ihnen auch verübeln.

So machte ich mich im März 2018 auf meine große Reise nach Deutschland. Damals wusste ich nicht, was mich erwartete, die Reise machte mir sogar große Angst. Im Arm meiner neuen Familie angekommen, wusste ich jedoch sofort: Jetzt beginnt meine zweite Chance.

Auch unter den Tierschutzvereinen gibt es leider schwarze Schafe – vor allem im ausländischen Tierschutz. Solltet Ihr einem Vierbeiner in Not ein neues Zuhause schenken wollen, beschäftigt Euch unbedingt ausgiebig mit dem Thema. Tipps, wie Ihr einen seriösen Tierschutzverein findet und worauf Ihr bei der Aufnahme von einem Vierbeiner aus dem Auslandstierschutz achten solltet, lest Ihr im zweiten Artikel meiner Kolumne.

Verwendetes Bildmaterial

Foto: © Hannah Konitzer

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