Geschrieben von Greta Clasen und Franziska Obert

Der Frühling steht (hoffentlich) vor der Tür und die Natur erwacht zu neuem Leben. Langsam beginnt damit auch die Brut- und Setzzeit, die Zeit, in der Wildtiere ihre Jungen zur Welt bringen. Daher gilt in vielen Kommunen der Bundesländer ab dem 1. April bis zum 15. Juli Leinenpflicht für Hunde auf allen Grünflächen, um die freilebenden Jungtiere zu schützen. In Bremen beginnt die Leinenpflicht sogar bereits am 15. März. Eine harte Zeit für Hundebesitzer, die ihrem Liebling nun für Monate das Herumtollen verweigern müssen. In welchem Bundesland wann genau, welche Leinenpflicht gilt, finden Sie gut zusammengefasst hier. Doch ist es wirklich nötig, teilweise vier Monate lang Hunden ihren Freigang zu verweigern? Ist das denn noch artgerecht? Wir haben dieses Thema für Sie diskutiert und sind zu unterschiedlichen Meinungen gekommen.

Greta: Leben stehen auf dem Spiel

Der Jagdinstinkt ist angeboren und bleibt bei Hunden fest verankert, auch wenn sie gut erzogen sind. Die Leinenpflicht in der Brut- und Setzzeit ist daher unbedingt notwendig, um die kleinen Jungen von Wildtieren zu schützen. Besonders betroffen sind Hasen und Rebhühner, die zum Teil auf völlig freien Flächen ihre Kleinen zur Welt bringen. Welcher Hund kann, ob aus Neugier oder aus Jagdinstinkt, da der Versuchung widerstehen, sich die interessanten Tiere näher anzusehen? Natürlich verfolgen und verletzen nicht alle freilaufenden Hunde die Tiere. Doch schon eine kleine Störung kann den Tod der Neugeborenen bedeuten: Wenn ein Hund allein durch das Schnüffeln das Wild aufschreckt, kann es passieren, dass die Tiere ihre Jungen für immer im Stich lassen. Die Kleinen haben jedoch keine Chance alleine zu überleben. Ihr Leben liegt also in der Verantwortung der Hundebesitzer und jeder sollte sich dem bewusst sein, wenn er seinen Hund ohne Leine auf Waldwegen umher spazieren lässt.

Natürlich locken den Hund spannende Gerüche und das Herz eines jeden Besitzers schmerzt, wenn man ihm den Spaß nicht gönnen kann. Leben zu schützen ist dennoch wichtiger und die Brut- und Setzzeit geht schließlich auch wieder vorbei. Mitte Juli läuft der Sommer auf Hochtouren und es ist wieder herumtollen angesagt – und das mit gutem Gewissen.

Franziska: Vier ganze Monate sind entschieden zu viel!

Ich mag Rehe, Vögel und andere Tiere auch und sehe sie gern in freier Natur leben. Doch in der Brut- und Setzzeit solch strenge Auflagen für Hunde und ihre Besitzer zu verhängen finde ich wirklich zu viel. Besonders wenn man bedenkt, welch horrende Strafen den Hundebesitzern drohen, wenn sie einmal dagegen verstoßen! Kein Hund darf in der Brut- und Setzzeit frei auf irgendeiner Wiese, selbst nicht in der Stadt, in keinem Park, auf keiner einzigen Grünfläche, frei herumlaufen, toben und seinen Bewegungsdrang ausleben. Wie soll man da seinen Hund noch artgerecht halten und ihm den Auslauf gewähren, den er benötigt? Natürlich müssen und sollen Jungtiere in der Brut- und Setzzeit geschützt werden, denn viele Hunde besitzen nun einmal einen ausgeprägten Jagdinstinkt oder sind einfach unglaublich neugierig. Aber pauschal auf allen Grünflächen eine Leinenpflicht über vier Monate des Jahres einzuführen geht meiner Meinung nach zu weit.

Es sollte wenigstens an bestimmten Tagen oder an Wochenenden während dieser Zeit, meinetwegen auch auf bestimmten gekennzeichneten Flächen, der freie Auslauf für Hunde erlaubt sein. Man kann doch nicht pauschal behaupten, dass auf allen Wiesen und Grünflächen, egal ob in der Stadt oder auf dem Land, in der Brut- und Setzzeit auch wirklich Jungtiere großgezogen werden.

Foto: © Doreen Salcher/fotolia.com

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