Geschrieben von Hundetrainerin Dolly Niass

Veraltete Lehrmethoden vermitteln auch heute noch: Rucke kräftig an der Leine, ggf. in Kombination mit einem seitlichen Flankentritt, dann wird der Hund schnell merken wie unangenehm das ist und lernt automatisch vernünftig an der Leinen zu laufen. Diese Theorie ist nicht nur veraltet, sondern stört auch das Vertrauensverhältnis zwischen Ihnen und Ihrem Hund. Nicht zuletzt ist diese Methode schmerzhaft und birgt auch Gefahren in sich, die Sie letztendlich teuer zu stehen kommen könnten, wenn er sich Verletzungen an Kehlkopf, Halswirbel, Flanken oder Bauch zuzieht.

Der Teufelskreis

Ist die Leine stramm und Sie möchten einen Leinenruck erzeugen, sind Sie selbst gezwungen zunächst die Leine in einen lockeren Zustand zu bringen, um dann mit Schwung kräftig an der Leine ziehen zu können. Extrem kontraproduktiv, weil in dem Moment die Leine ja locker ist. Könnte ihr Hund nun denken wie ein Mensch, würde er folgenden Schluss daraus ziehen: Ist die Leine locker, bedeutet das Schmerzen für mich, also ziehe ich lieber, um dem Schmerzen aus dem Weg zu gehen. Zieht er aber an der Leine, folgt wieder ein massiver Leinenruck. Der klassische Teufelskreis ist geboren.

So ist es für beide Seiten viel entspannter

Achten Sie zukünftig auf den eingehakten Karabiner. Solange die Leine inklusive Karabiner locker am Halsband oder Geschirr herunter baumelt, ist alles prima. Loben Sie Ihren Hund lieber öfter dafür, dass er an locker durchhängender Leine läuft und belohnen ihn im Stehen mit einem Leckerchen, einer Streicheleinheit oder einer kurzen Spieleinlage. Strafft sich der Leinenbogen, warnen Sie Ihren Hund zukünftig rechtzeitig und in einem ruhigen Ton vor. Bewährt hat sich bei vielen Kunden das Wortsignal „Langsam“. Gleichbedeutend mit: „Achtung, ich bleibe jetzt stehen“. Und zwar bevor der Karabiner mit nach oben steigt. Bleiben Sie mit Wortsignal wirklich abrupt stehen. Der Hund hat bei einer circa drei Meter langen Leine nun ein bis zwei Sekunden Zeit sein Tempo selbst zu regulieren. Passt er seine Laufgeschwindigkeit innerhalb des Zeitrahmens an, gehen Sie mit einem kurzen „OK“ flotten Schrittes weiter. 

Wenn es nicht sofort klappt

Wenn nicht, bleiben Sie so lange stehen, bis der Hund sich Ihnen zuwendet und an Ihre Seite zurück kommt. Anfangs wird der Hund kräftezehrend in der Leine stehen. Diesen Druck aufrecht zu halten ist auch für Ihren Hund sehr anstrengend. Je nach Ausdauer wird er sich deshalb schnell selbst zurücknehmen. Sie bleiben allerdings wie festgewurzelt stehen und geben nicht nach. Sobald der Hund sich zurücknimmt, erzeugen Sie selbst keinen Zug mehr an der Leine. Bleiben Sie locker stehen. Es kann schon einige Sekunden / Minuten dauern bis ihr Hund sich zu Ihnen umdreht – zumindest zu Beginn des Trainings. Vielleicht schaut er sich noch mal nach rechts oder links um oder starrt einfach stur weiter geradeaus. Es kann auch sein, dass er sich an Ort und Stelle hinsetzt. Dabei schaut sich ihr Hund manchmal noch nicht mal für eine Sekunde zu Ihnen um. Er wartet einfach nur ab bis Sie wieder losmarschieren. Nun, was soll ich sagen?

Ab sofort hat er auf das falsche Pferd gesetzt. Denn ab heute warten Sie einfach ruhig und geduldig ab. Ohne Schimpfen oder Zerren. 

Hinweis

In der Halteposition ist es nicht notwendig den Hund anzuschauen oder anzusprechen. Lassen Sie ihn einfach selbst überlegen. Er wird schnell auf die Idee kommen in die Ausgangsposition zurückzukehren, damit es endlich weiter geht. Warten Sie aber in jedem Fall darauf, dass der Hund sich von allein wieder in die Ausgangsposition an Ihre Seite begibt. Geben Sie Ihrem Hund  nun ein kurzes Feedback in Form von „Prima“, warten Sie dann noch ein bis zwei Sekunden bevor Sie mit einem „OK“ Ihren Weg in Laufrichtung fortsetzen.  

Tipp: Halsband vs. Geschirr

Üben Sie Leinenführigkeit nur, wenn Sie auch selbst konzentriert mit dem Hund arbeiten können. Ich empfehle hier eine klare Trennung zwischen: Jetzt gehen wir leinenführig und jetzt darfst du auch ziehen. Dies erreichen Sie beispielsweise mit einer Kombination aus Geschirr und Halsband ganz gut. Ist der Karabiner am Halsband eingehakt wird konsequent Leinenführigkeit geübt. Ist der Karabiner am Geschirr eingehakt, darf der Hund auch ziehen. Diese strickte Abgrenzung wird Ihr Hund sehr schnell lernen. Haken Sie den Karabiner immer ans Geschirr, wenn Sie aus Zeitmangel nicht üben können. Ist das Wortsignal „Langsam“ bereits gut gefestigt, dann reguliert der Hund auch am Geschirr bereits seine Laufgeschwindigkeit. 

Bleiben Sie konsequent. Ich wünsche Ihnen viel Erfolg bei der Erreichung Ihrer Trainingsziele.


Weitere Informationen zu Hundetrainerin Dolly Niass finden Sie unter www.dollydogs.de 

Foto: © Maria Sbytova/Adobe Stock

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