Die Scottish Fold ist eine beliebte Katzenrasse. Durch ihre ruhige Art und ihr „niedliches“ Aussehen wird sie gerne als Familienkatze gehalten. Allerdings hat dieses Verhalten nicht unbedingt immer etwas mit dem Charakter zu tun, sondern kann auch ganz andere Gründe haben.


Inhaltsverzeichnis:


Scottish Fold: Entstehung der Rasse

Im Jahre 1966 wurde die Scottish Fold in Großbritannien als Rasse anerkannt. Doch es dauerte nicht lange bis das Markenzeichen der englischen Samtpfote für Kritik sorgte. Die gefalteten Ohren sollen zu gesundheitlichen Problemen wie zum Beispiel Ohrmilbenbefall und Taubheit führen. Durch den Vorwurf der Qualzucht wurde die Rasse 1971 in England wieder aberkannt. Dadurch verlagerte sich die Zucht hauptsächlich in die USA, wo die Scottish Fold Katze bei wenigen Zuchtverbänden als Rasse akzeptiert ist. Die meisten Verbände stehen aber auch dort ihrer Zucht kritisch gegenüber.

Scottish Fold: Zucht

Bei der Zucht der Scottish Fold handelt es sich im Sinne des §11 des deutschen Tierschutzgesetzes um eine Qualzucht, da erblich bedingt Körperteile für den artgemäßen Gebrauch untauglich bzw. umgestaltet sind und hierdurch Schmerzen, Leiden oder Schäden auftreten.

Die Rasse darf zwar weiterhin gezüchtet werden, allerdings wird vom Gutachten zur Auslegung von 11§b des Tierschutzgesetzes (Verbot von Qualzuchten) des Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft ein Zuchtverbot empfohlen. Das dominant vererbte OCD-Gen (Osteochondrodysplasie), welches für die Faltohren verantwortlich ist, kann auch bei den Nachkommen erhebliche Knochen- und Knorpelschäden auslösen und kann dazu führen, dass die Tiere unter dauerhaften Schmerzen leiden. Auch bei gemischterbigen Tieren, wenn also nur ein Elternteil eine Scottish Fold ist und das andere beispielsweise eine British Kurzhaar, kann das Merkmal weitervererbt werden.

Scottish Fold: Osteochondrodysplasie

Osteochondrodysplasie (OCD) ist eine Erkrankung die Knochen und Knorpel betrifft und zu Skelettveränderungen der Gliedmaßen und der Wirbelsäule führen kann – vor allem zu verkürzten Knochen, zu verbreiterten Wachstumsfugen und zur Verkürzung und Verdickung der Schwanzwirbel. Vor allem Mittelhand- und Mittelfußknochen (letztere vermehrt) sind dabei betroffen. 

In welchem Alter die ersten Symptome auftreten, wie schwerwiegend diese sind und wie schnell sich das Skelett des Tieres verändert, variiert stark. Symptome wie Lahmheit, Steifheit und Wesensveränderungen werden häufig schon bei jüngeren Katzen beobachtet. Bei einem milderen Verlauf treten die Anzeichen einer OCD allerdings erst im fortgeschrittenen Alter auf. Erkrankte Katzen können derzeit nur mit einer Schmerztherapie behandelt werden, außerdem sollten Besitzer eines solchen Tieres die Umgebung an die Beweglichkeit des Patienten anpassen, wie zum Beispiel: Näpfe nicht erhöht hinstellen, sondern lieber auf den Boden stellen, sodass die Katze nicht springen muss. Und auch die Liegemöglichkeiten sollten möglichst einfach und schmerzfrei für das Tier erreichbar sein.  Diese Krankheit entwickelt sich meistens erst im Laufe des Katzenlebens, eine sichere Diagnose kann nur durch eine röntgenologische Untersuchung gestellt werden. Daher empfiehlt es sich sehr, die Tiere ab einem Alter von circa einem Jahr regelmäßig röntgen zu lassen, um die Erkrankung frühzeitig festzustellen.

Ihre ruhige und genüssliche Art ist daher nicht unbedingt eine gute Charaktereigenschaft, sondern kann auch durch erheblichen Schmerzen bedingt sein. Manchmal kommt es allerdings auch vor, dass diese sehr lieben Tiere Verhaltensänderungen aufzeigen und auf einmal aggressiv werden und sich nicht mehr anfassen lassen möchte. Das ist meist mit den Schmerzen verbunden und führ nicht selten dazu, dass die Tiere im Tierheim landen.

Problematisch sind insbesondere sogenannte „Vermehrer“, die ohne medizinische Untersuchungen der Elterntiere züchten und somit oft kranke Katzen miteinander verpaaren. Seriöse Züchter erkennen Sie daran, dass diese meist Mitglied in einem Verein sind, welcher zu einem Dachverband wie Cat Fanciers’ Association (CFA), The International Cat Association (TICA) oder World Cat Federation (WCF) gehört, damit die Zucht kontrolliert wird. Bei seriösen Züchtern werden die Zuchtkatzen außerdem regelmäßig von einem Tierarzt untersucht. Sie sollten ohne Aufpreis den jeweiligen Stammbaum Ihrer Katze erhalten. Einige Züchter fordern zudem ab einem bestimmten Alter die Kastration, damit sich die Rasse nicht unkontrolliert weitervermehrt. Sie müssen dann auf Nachfrage eine schriftliche Bestätigung Ihres Tierarztes vorlegen. 

Ihnen sollte allerdings bewusst sein, dass auch vermeintlich gesunde Tiere irgendwann erkranken können, weil sie das OCD-Gen unbemerkt in sich tragen. Es ist sehr schwierig diese Krankheit rauszuzüchten. Eine Scottish Fold sollte dazu nie mit einer anderen Scottish Fold verpaart werden. Ein Elternteil ist meistens eine Straight Fold. Diese haben Stehohren und die Wahrscheinlichkeit, dass sie die Knochenkrankheit in sich tragen, ist sehr viel geringer. Allerdings gibt es auch Faltohrkatzen mit Stehohren, welche meist nur schwer von einer Straight Fold zu unterscheiden sind. Eine Scottish Fold mit aufgestellten Ohren, statt mit geknickten, vererbt das Gen jedoch trotzdem weiter. Daher muss hier ganz genau auf die Elterntiere und den Stammbaum dieser geschaut werden. 

Scottish Fold: Zucht verboten?

In Schottland, dem Ursprungsland der Rasse, sowie in einigen anderen Ländern ist die Zucht von Scottish-Fold-Katzen bereits verboten. In Deutschland wird darüber stark diskutiert. Katzen dieser Rasse dürfen zwar nicht mehr über Kleinanzeigen im Internet angeboten und verkauft werden. Allerdings ist die Verpaarung momentan noch nicht verboten und es gibt noch einige wenige Züchter und unzählige Vermehrer.  Verschiedene Experten stufen die Rasse als Qualzucht ein. Unter anderem empfiehlt das Gutachten zur Auslegung von 11§b des Tierschutzgesetzes (Verbot von Qualzuchten) des Bundeministerium für Ernährung und Landwirtschaft ein Zuchtverbot. Durch die Faltohren ist der Hörsinn der Katze erheblich eingeschränkt. Außerdem führt das OCD-Gen, das für diese Ohrenform verantwortlich, dazu, dass die Katzen meist nicht ohne Schmerzen und Leid leben können, ausgelöst durch Schäden in Knochen und Knorpel. Wenn Sie so eine Rassekatze in Erwägung ziehen, sollten Sie sich vorher gut über diese informieren und Züchter vergleichen. Sind Sie sich nicht sicher, ob es sich um eine seriöse Zucht handelt oder nicht, fragen Sie am besten bei den oben genannten Dachverbänden nach

Dieser Artikel wurde geprüft von Tierärztin Melanie Ahlers.

Foto: © AGILA Haustierversicherung