Wieder einmal erobern unsere Vierbeiner die Kinoleinwand – diesmal in einer ganz besonderen Inszenierung. Mit „Isle of Dogs – Ataris Reise“, dem Eröffnungsfilm der diesjährigen Berlinale, kommen die treuen Gefährten als puppenhafte Figuren auf die Leinwand.

In dem knapp 100-minütigen Animationsfilm erzählt US-Regisseur Wes Andersson die Geschichte von Atari, dem 12-jährigen Pflegesohn des korrupten Bürgermeisters Kobayashi, und seiner vierbeinigen Freunde.

Verbannt ins Hunde-Exil

Im futuristischen Japan explodiert die Hundepopulation und damit bricht auch die sogenannte Hundegrippe aus. Unter dem Vorwand, die Hunde würden Krankheiten auf Menschen übertragen, verbannt der despotische Kobayashi alle Hunde aus Megasaki City und lässt sie auf der abgelegenen Insel Trash Island, einer riesigen, trostlosen Mülldeponie, aussetzen. So wird Trash Island zur Exil-Kolonie: die „Insel der Hunde“.

Der erste Vierbeiner, der ausgewiesen wird, ist der von Kobayashis Pflegesohn Atari. Das will sich der Junge nicht gefallen lassen und begibt sich mit einem gekaperten Propellerflugzeug selbst nach Trash Island, um seinen geliebten „Spots“ wiederzufinden.

Dort trifft er auf die Alphahunde Rex, King, Duke, Boss und Chief, die eigentlichen Helden des Films. Die fünf skurrilen Vierbeiner werden Ataris neue Freunde. Mit ihnen begibt er sich auf eine epische Reise voller Abenteuer, die nicht nur seine eigene Zukunft und die seiner Gefährten verändern, sondern auch das Schicksal der gesamten Gesellschaft bestimmen wird.

Fernöstliches Kunstwerk

Mit „Isle of Dogs“ eröffnete zum allerersten Mal in der Geschichte der Berlinale ein Animationsfilm das weltweit größte Publikumsfestival und wurde in der Presse als bester Auftaktfilm der vergangenen Jahre gefeiert. Es wäre auch verwunderlich, wenn aus Wes Anderssons Feder nicht erneut ein Prachtstück hervorgegangen wäre. Bereits in der Vergangenheit konnte der 48-jährige Texaner das Filmpublikum begeistern. Mit „The Grand Budapest Hotel“ hatte er 2014 schon einmal einen fulminanten Auftakt in Berlin und gewann damit später den großen Preis der Jury, vier Oscars und einen Golden Globe. Auch der Film „Der fantastische Mr. Fox“ stammt aus Anderssons Ideenkiste und beeindruckte auf dieselbe eigentümliche Machart wie „Isle of Dogs“ Fans wie Kritiker in gleichem Maße.

Stop-Motion-Technik und Star-Aufgebot

Anstatt auf digitale Animation, setzte der US-Regisseur bei der Umsetzung seines Kunstwerks handwerklich wieder einmal auf Stop-Motion. Bei der aufwendigen Filmtechnik werden einzelne Bilder von unbewegten Motiven – in diesem Fall von Puppen – aufgenommen und anschließend so aneinandergereiht, dass eine Illusion von Bewegung erzeugt wird.

Um seinen Figuren eine Stimme zu geben, holte Andersson, wie schon in früheren Werken, halb Hollywood ans Mikrofon. Hochkarätige Schauspieler wie Edward Norton, Bill Murray, Tilda Swinton und Scarlett Johansson waren als Synchronsprecher im Einsatz und hauchten den animierten Hauptdarstellern Leben ein. So bot der rote Teppich der 68. Berlinale den Zuschauern allein durch „Isle of Dogs“ ein ganzes Aufgebot an Stars.

Kein niedliches Hundeabenteuer – dennoch sehenswert

Wer sich von Anderssons Meisterwerk einen Familienfilm mit fünf süßen Fellnasen verspricht, der wird enttäuscht werden. „Isle of Dogs“ ist weit entfernt von einem niedlichen Hundeabenteuer. Die vierbeinigen Filmstars präsentieren sich den Zuschauern eher filzig und zerzaust, jedoch sind sie echte Charaktere mit Tiefgang. Atari und seine Freunde werden hier mit Problemen konfrontiert, die sich heute mehr denn je auch in der realen Welt finden. Erst durch die Propaganda von Bürgermeister Kobayashi, die der Bevölkerung Angst vor den Tieren macht, und die gleichzeitige Unterdrückung von Presse und Wissenschaft, konnten die Hunde überhaupt verbannt werden. So kommt der parabelhafte Film mit einer politischen Note daher und erzählt von der Manipulierbarkeit der Öffentlichkeit innerhalb einer Demokratie und von mutigen Außenseitern, wie hier Chief, Duke und Co., die sich nicht einschüchtern lassen.

Trotz fehlendem „Niedlichkeits-Faktor“, ist Isle of Dogs – Ataris Reisealso allemal einen Blick wert – in den deutschen Kinos dann ab dem 10. Mai 2018.

Foto: © 279photo/fotolia.com

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