Es gibt viele verschiedene Ernährungstrends, die alle das Ziel verfolgen, unsere Vierbeiner möglichst ausgewogen und artgerecht mit allen Nährstoffen zu versorgen. Eine Variante der Rohfleischfütterung orientiert sich dabei an den wilden Vorfahren unserer Lieblinge und schlägt vor, ganze Tiere zu verfüttern. Erfahren Sie hier, wie die Prey-Fütterung für Hunde funktionieren soll.


Inhaltsverzeichnis:


Konsequente Rohfleischfütterung

Im Gegensatz zum Barfen basiert die Prey-Fütterung (auch „Prey model raw“) für Hunde ausschließlich auf rohem Fleisch, also ohne die Zugabe von Gemüse, Obst o.Ä. Dabei werden ganze Tiere verfüttert (selbstverständlich tot, die Lebendverfütterung von Wirbeltieren ist Tierquälerei und in Deutschland verboten). Die Logik dahinter scheint zu nächst nachvollziehbar: So wie der Wolf oder der Wildhund sollen auch unsere Haushunde ganze Beutetiere („Prey“ engl. für „Beute“) fressen und so möglichst naturnah ernährt werden.

Idealerweise ist die Ernährung dennoch „abwechslungsreich“, indem zwischen den verschiedenen Tieren variiert wird. Geflügel (z.B. Hühner) und Kaninchen sind naheliegend, doch auch Fisch, Wild und Rind sollen verfüttert werden, um den Hund optimal zu versorgen. Für ein möglichst ursprüngliches, naturnahes Fressverhalten bekommt er die Tiere im Ganzen, also mit Haut, Knochen und Fell oder Federn. Bei Fisch sollten Gräten entfernt und der Kopf auf Angelhaken kontrolliert werden. Dazu muss er immer gekocht, nie roh, verfüttert werden. Durch das Erhitzen werden Bakterien und Zwischenformen von Parasiten abgetötet sowie Thiaminasen (die das Vitamin B1 spalten) zerstört und Trimethylamin (das Eisen bindet und so zu Anämien führen kann) inaktiviert. Rohes Schweinefleisch ist ein absolutes No-Go – es zählt zu den gefährlichen Lebensmitteln für Hunde, da hier Lebensgefahr durch das Aujeszky-Virus besteht. Rohes Geflügelfleisch birgt die Gefahr, Salmonellen-belastet zu sein und kann damit Mensch und Tier schaden.

Franken-Prey-Fütterung für Hunde

Da es wohl keine Option ist, einem Hund eine ganze Kuh oder ein ganzes Reh anzubieten, gibt es das Konzept der Franken-Prey-Fütterung für Hunde. Hier wird auf möglichst große Stücke eine Tieres, beispielsweise ein Bein, zurückgegriffen. Damit wird weiterhin die natürliche Reißfunktion des Hundegebisses angesprochen, indem Ihr Liebling etwas zum Zerlegen hat.

Daraus besteht ein (Futter-)Tier: Ein komplettes Beutetier bei der Prey-Fütterung für Hunde besteht üblicherweise zu 80 bis 85 Prozent aus Muskeln (inklusive Herz und Magen) und weiteren Körperteilen (Haut, Federn/Fell und Sehnen). Weitere 10 bis 15 Prozent machen Knochen aus, weitere 5 bis 10 Prozent Innereien (eine Hälfte davon ist die Leber, die andere Hälfte sind Organe wie die Milz und Nieren).

Prey-Fütterung für Hunde: Vor- und Nachteile

Auf den ersten Blick scheinen die Vorteile der Rohfleischfütterung mittels Prey-Fütterung für Hunde überzeugend: Sie wissen genau, was im Futternapf Ihres Lieblings landet und brauchen sich keine Sorgen um möglicherweise ungesunde Zusatzstoffe wie zu viel Getreide oder Zucker machen. Auch gibt es auf den ersten Blick wohl kaum eine Ernährungsmethode, die näher an der wilden Natur unserer Vierbeiner ist. Ein weiterer Plus-Punkt: Das ausgiebige Kauen und Reißen ist ein wichtiger Faktor, um Zahnproblemen vorzubeugen und macht unseren Lieblingen in der Regel großen Spaß.

Da allerdings eine Verletzungsgefahr durch Knochen besteht, sollten Sie Ihren Liebling immer im Blick haben. Die Knochen können sich im Gebiss verkeilen, Stücke im Hals stecken bleiben und die Atemwege blockieren oder Splitter führen zu Wunden im Mundraum. Hinzu kommt, dass die mechanische Beanspruchung das Risiko von Zahnfrakturen erhöht und durch zu viel aufgenommene Knochenmasse sogenannter Knochenkot gebildet werden kann. Wenn zu viel unverdauter Knochen als Knochenbrei in den Dickdarm gelangt, kann ihm dort so viel Wasser entzogen werden, dass er zu einer zementartigen Masse wird. Das kann in Schwierigkeiten und Schmerzen beim Stuhlgang resultieren oder sogar in einer kompletten, lebensgefährlichen Blockade des Darms.

Außerdem soll es zwar möglich sein, Hunde mittels ganzer Tiere mit allen wichtigen Nährstoffen zu versorgen, die Ernährung muss jedoch genau beobachtet und tierärztlich begleitet werden. Es können sich beispielsweise die Vitamin-Zusammensetzungen verändern, wenn Fleisch eingefroren wird. Außerdem sind selbst Wölfe keine ausschließlichen Karnivoren und knabbern gelegentlich an Wurzeln oder Beeren. Bei einer fehlerhaften Umsetzung einer Rohfleischfütterung kann es also ebenfalls zu Mängeln kommen, die bei industriellen Futtermitteln nicht entstehen müssen. Stellen Sie sich immer die Frage: „Was ist drin im Hundefutter?

Letztlich haben unsere heutigen Haushunde nicht mehr viel mit Wölfen gemeinsam. Was also für den Wolf naturnah sein mag, kann für den Hund schon wieder schädlich sein – ein Chihuahua hat schließlich mit ziemlicher Sicherheit keinen Wolfsmagen mehr.

Wer die Rohfleischfütterung generell und insbesondere die Prey-Fütterung umsetzen will, darf mit dem Anblick und Kontakt zu rohem Fleisch und toten Tieren kein Problem haben. Außerdem ist mit einem hohen Aufwand und größeren Kosten zu rechnen; zum Einen für die Entwicklung einer gesunden Zusammensetzung und zum Anderen für die Anschaffung und Lagerung der Beutetiere.

Vorteile

Nachteile

  • Keine Zusatzstoffe wie Getreide, Zucker
  • Naturnahe Fütterung
  • Zahnpflege
  • Gefahr einseitiger Ernährung
  • Orientierung am Wolf fragwürdig
  • Aufwändig und Teuer
  • „unappetitlich“
  • Fütterung nur unter Aufsicht

 

Was Sie bei der Prey-Fütterung beachten sollten

Falls Sie Interesse an der Prey-Fütterung für Hunde haben, ist eine tierärztliche Betreuung besonders wichtig. Überlegen Sie sich außerdem vorher genau, wo Sie die Beute erhalten, ob Sie Platz für die Lagerung (in der Regel eine eigene, große Gefriertruhe) und prognostizieren Sie den finanziellen Aufwand. Überlegen Sie sich außerdem, wo Sie die benötigte Fleischmenge regelmäßig und zuverlässig erhalten. Vorteilhaft ist es natürlich, wenn Sie einen Hof und/oder Jäger in der Nähe kennen, der Ihnen Tiere bzw. Tierbestandteile verkauft. Einige Geschäfte für BARF-Bedarf bieten ebenfalls Prey-Futter an. Ansonsten sollten Sie über das Internet fündig werden. Als ungefähren Richtwert für die zu verfütternde Menge können Sie mit einer täglichen Ration von ungefähr 2 Prozent des Körpergewichts Ihres Hundes rechnen, was bei einem 20 kg schweren Hund ungefähr 400 g wären. Die richtige Futtermenge lässt sich jedoch nicht pauschal bestimmen sondern sollte auf jeden Hund individuell abgestimmt werden.

Zwar wird bei der Rohfleischfütterung über die Prey-Fütterung für Hunde generell auf weitere Zusätze verzichtet, doch es kann sein, dass Sie auf Fischöl für Omega 3 Fettsäuren zurückgreifen sollten. Ein Jodmangel kann entstehen, wenn es keine ganzen Tiere inklusive Schilddrüse zu fressen gibt. Hier können Algen helfen. Andererseits kann ein Zuviel an Schilddrüse zu einer Überfunktion führen, die auch schädlich ist. Außerdem kommt es bei einigen Vierbeinern vor, dass sie eine Rohfleischfütterung schlicht und einfach nicht vertragen und sie auf „normales“ Hundefutter angewiesen sind.

Erstellen Sie in jedem Fall mit professioneller Hilfe einen Ernährungsplan für Ihren Hund, der ggf. tierärztlich angepasst werden muss.

Dieser Artikel wurde geprüft von Tierärztin Melanie Ahlers.

Die genannten Informationen stellen keine Anleitung zur Selbstdiagnose und Behandlung von Tierkrankheiten dar. Tierhaltende sollten bei gesundheitlichen Problemen ihres Tieres in jedem Fall eine Tierärztin oder einen Tierarzt um Rat fragen. Diagnosen über das Internet sind nicht möglich.

Foto: © Robert Emprechtinger/Adobe Stock