Parodontitis ist die zweite Stufe der Erkrankung des Zahnhalteapparats. Sie folgt der Gingivitis, der Zahnfleischentzündung beim Hund. Während bei der Zahnfleischentzündung jedoch nicht zwangsläufig nachhaltige Schädigungen entstehen, werden bei einer Parodontitis beim Hund das Gewebe und die knöchernen Substanzen des Zahnhalteapparates gelockert und zerstört.


Inhaltsverzeichnis:


Parodontose oder Parodontitis beim Hund?

Parodontose wird umgangssprachlich häufig mit der Parodontitis beim Hund gleichgesetzt, obwohl der Begriff inzwischen veraltet ist. „Parodontal“ bedeutet „den Zahnhalteapparat (Parodontinum) betreffend“. „Parodontose“ ist in der Medizin leider nicht besonders scharf definiert: Für manche beschreibt sie den gleichen Krankheitsverlauf wie bei der Paradontitis, andere nutzen die Bezeichnung, um ein nicht-entzündliches Zurückgehen des Zahnfleisches zu beschreiben, wieder andere verstehen darunter jegliche parodontalen Erkrankungen. Laut einer aktuell gültigen Einteilung des „International Workshop for a Classification of Periodontal Diseases and Conditions“ ist Parodontose jedoch nicht mehr unter den Parodontalerkrankungen zu nennen. Parodontitis dagegen schließt sich der Zahnfleischentzündung beim Hund an und wirkt sich über entzündliche Prozesse bis auf das Bindegewebe und die knöchernen Substanzen des Zahnhalteapparates aus.

Parodontitis beim Hund: Ursachen

Da es sich bei der Parodontitis beim Hund um eine Folgeerkrankung einer unbehandelten Gingivitis handelt, gleichen ihre Ursachen denen einer Zahnfleischentzündung. Das heißt, dass sie normalerweise auf bakterielle Ablagerungen an den Hundezähnen, also Zahnplaque und Zahnstein, zurückzuführen ist. Diese Beläge greifen das Gewebe an, lockern es auf und führen zu Entzündungen. Häufig ließe sich die Bildung von Zahnstein durch eine gewissenhafte Zahnpflege verhindern oder zumindest verlangsamen, es spielen jedoch auch noch andere Faktoren eine wichtige Rolle in der Entstehung einer Gingivitis und folglich einer Parodontitis. So können andere zugrundeliegende Krankheiten ebenfalls eine Rolle spielen. Der entscheidende Unterschied zu einer Gingivits ist jedoch, dass die Paradontitis beim Hund so weit fortschreitet, dass sie irreversible Schäden am Zahnhalteapparat verursacht.

Parodontitis beim Hund: Symptome

Besonders auffällig dürfte für Halter:innen wohl der besonders schlechte Mundgeruch des Vierbeiners sein. Bei genauerem Hinsehen sollten Sie dann an den Zähnen bakterielle Beläge in Form von Zahnplaque oder Zahnstein erkennen können. Außerdem ist das Zahnfleisch entzündet und Ihr Hund dürfte Zeichen von Zahnschmerzen zeigen. Ihr Tierarzt oder Ihre Tierärztin wird außerdem darauf achten, wie weit die Parodontitis beim Hund fortgeschritten ist und inwiefern der Zahnhalteapparat angegriffen ist: Bei einer fortgeschrittenen parodontalen Schädigung sind häufig freiliegende Wurzeln zu erkennen und die betroffenen Zähne lockern sich zunehmend oder es kommt vollständig zu einem Zahnverlust. Außerdem können durch die Entzündungen eitrige Absonderungen im Mundraum entstehen, die wiederum zu Abszessen führen können. Mitunter bricht die eitrige Entzündung sogar vom Oberkiefer in die Nasenhöhle durch – man spricht dann von einer oronasalen Fisteln. Dadurch kommt es dann zu einseitigem gelblichen oder blutigen Nasenausfluss. Bei weiteren Verschlechterungen wird der Kieferknochen insbesondere bei kleineren Hunderassen so geschwächt, dass er bricht. Verhaltensänderungen wegen Schmerzen sind je nach Aggressivität und Fortschritt der Parodontitis beim Hund ebenfalls festzustellen.

Arten der Parodontitis beim Hund

Die chronische Parodontitis ist die „gewöhnliche“ Form der Erkrankung. Ihr Verlauf ist langsam und die parodontalen Strukturen werden stückweise geschädigt. Sie entwickelt sich aus einer Schmutzgingivitis, das heißt, ihre Ursachen liegen bei bakteriellen Verunreinigungen (Zahnstein).

Die aggressive Parodontitis zeichnet akuter Schmerz und eine deutliche Beeinträchtigung des Allgemeinbefindens aus. Das Zahnfleisch ist stark entzündet, die Erkrankung schreitet rasant voran und es kommt schnell zum Knochenverlust. Die aggressive Parodontitis hat vermutlich ihren Ursprung in speziellen Keimen und einem eingeschränkten Immunsystem. Zwar sind die Beläge nicht so ausgeprägt wie bei einer gewöhnlichen Parodontitis, ein schlechter Mundgeruch kann trotzdem festgestellt werden.

Bei der nekrotisierenden Parodontitis stirbt das Zahnfleisch zunehmend ab. Dabei kann man häufig helle Beläge und Zahnfleischblutungen erkennen. Es gibt große Bereiche, in denen die Kieferknochen abgebaut werden und das Allgemeinbefinden ist deutlich beeinträchtigt, häufig mit Fieber. Konkrete Ursachen sind nicht bekannt, es werden wie auch bei der aggressiven Parodontitis spezifische Keime und Störungen des Immunsystems vermutet.

Parodontitis beim Hund: Diagnostik

Zunächst führt der Tierarzt oder die Tierärztin eine parodontale Sondierung durch. Bei ihr wird der Zustand der Zahnfleischtaschen kontrolliert, die Blutungsneigung des Zahnfleisches untersucht und die Schädigung des Zahnhalteapparats im Wurzelbereich gemessen. Mittels Röntgen kann genauer festgestellt werden, wo und in welchem Ausmaß die Knochensubstanz geschädigt ist.

Parodontitis beim Hund: Behandlung

Bei der Parodontitis sind einige Schäden nicht mehr rückgängig zu machen. Das heißt, dass bei der Behandlung einer Parodontitis nicht erhaltungsfähige Zähne entfernt werden und mittels der erhaltungsfähigen Zähne ein funktionierender Zahnhalteapparat wiederhergestellt wird. Dabei werden die Zähne gründlich gereinigt, das heißt die Zahnkrone und -wurzel werden gesäubert und Beläge wie Zahnstein entfernt. Daneben werden sogenannte Konkremente, das sind Ablagerungen auf der Wurzeloberfläche des Zahnes unterhalb des Zahnfleischs, abgetragen. Zur Glättung der Schmelzoberfläche werden außerdem die Zahnkronen poliert. Um den parodontalen Halteapparat wiederherzustellen, können zerstörte Elemente durch Knochenersatzmaterialen erneuert werden. Begleitend werden in der Regel Antibiotika verabreicht, die die Bakterienbelastung im Mund des Hundes reduzieren und verhindern, dass sich neue Bakterien ansiedeln.

Die Kosten der Behandlung variieren, abhängig von mehreren Faktoren. Neben den Kosten für die Diagnose – in der Regel in Verbindung mit der Aufnahme eines Röntgenbilds des Kiefers – spielt die Wahl der Narkose eine Rolle. Wie viel Sie für eine umfassende Zahnsanierung zahlen müssen, kommt ganz auf den Zustand des Hundemundes bzw. des Zahnhalteapparates an. Insgesamt können Sie mit einer Preisspanne von 250 bis 1.500 Euro rechnen.

Parodontitis beim Hund: Prognose

Wie viel vom Zahnhalteapparat und den Zähnen zu erhalten bzw. wiederherzustellen ist, hängt davon ab, wie aggressiv und wie weit fortgeschritten die Parodontitis ist. Normalerweise ist die Prognose für den verbliebenen Bestand gut, vorausgesetzt, die Halter und Halterinnen kümmern sich auch in der Nachsorge um eine gewissenhafte Zahnpflege ihres Lieblings. Diese sollte selbstverständlich nicht erst nach der Erkrankung erfolgen, sondern bereits präventiv die Zähne des Vierbeiners schützen – die effektivste Methode dafür ist das tägliche Zähneputzen beim Hund.

Dieser Artikel wurde geprüft von Tierärztin Melanie Ahlers.

Die genannten Informationen stellen keine Anleitung zur Selbstdiagnose und Behandlung von Tierkrankheiten dar. Tierhalter sollten bei gesundheitlichen Problemen ihres Tieres in jedem Fall einen Tierarzt um Rat fragen. Diagnosen über das Internet sind nicht möglich.

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