Ab dem 14. Februar 2020 ist es offiziell: Es gilt eine neue Gebührenordnung für Tierärzte. Im Fokus der Überarbeitung standen vor allem die Kosten im tierärztlichen Notdienst. In diesem Artikel informieren wir Sie darüber, warum es überhaupt eine Gebührenordnung für Tierärzte gibt, welche Änderungen auf Sie zukommen könnten und wie Sie sich darauf vorbereiten können.


Inhaltsverzeichnis:


Gebührenordnung für Tierärzte – was ist das überhaupt?

Die Gebührenordnung für Tierärzte, kurz GOT, bildet einen gesetzlichen Rahmen, in dem Tierärzte ihre Leistungen abrechnen dürfen bzw. müssen. Tierärzte leisten mit Ihrer Arbeit einen wichtigen Beitrag zum Tierschutz, aber auch für die öffentliche Gesundheit, indem sie Haus- und Nutztieren helfen und ansteckende Krankheiten früh erkennen und bekämpfen. Durch gesetzlich vorgegebene Gebühren soll dieser wichtige Beruf trotz teilweise schwieriger Arbeitsbedingungen attraktiv bleiben. Eine angemessene Vergütung ermöglicht es den Tierärzten, sich regelmäßig fortzubilden, in die Ausstattung und das Personal der Praxis zu investieren und dadurch die Qualität der tiermedizinischen Leistungen zu halten oder gar zu verbessern. Zudem soll der Gebührenrahmen vermeiden, dass sich Praxen im gleichen Einzugskreis einen Preiskampf liefern. Vielmehr soll ein Wettbewerb tierärztlicher Praxen und Kliniken über die Qualität der medizinischen Dienstleistungen erfolgen und die Preise sollen für die Tierbesitzer transparent und nachvollziehbar sein. Darüber hinaus verhindern gesetzliche Vorgaben, dass Preisverhandlungen zwischen Tierarzt und Tierbesitzer einer schnellen Entscheidung über die Behandlung eines Tieres in die Quere kommen.

Gebührenordnung für Tierärzte – wie funktioniert sie?

Von A wie Allergietest bis Z wie Zahnwurzelbehandlung: In der Gebührenordnung für Tierärzte sind neben einigen allgemeinen Regelungen etwa 800 Leistungen aufgeführt und mit Preisen versehen. Für jede Leistung gab es bislang drei, jetzt vier Preisstufen, die sogenannten Sätze. Der Tierarzt entscheidet anhand verschiedener Kriterien, welchen GOT-Satz er auswählt. Dazu kann er folgende Punkte berücksichtigen:

  • Wie schwierig war die Leistung?
  • Hat es länger als gewöhnlich gedauert, die Leistung zu erbringen?
  • Wann wurde die Leistung erbracht?
  • Welchen Wert hat das Tier?
  • Wie sind die örtlichen Verhältnisse?

Es kann also bei der Auswahl des GOT-Satzes beispielsweise eine Rolle spielen, wie umgänglich ein Tier ist, ob bei einer Behandlung Komplikationen auftreten, wann die Maßnahme erfolgte, ob teure moderne Geräte eingesetzt werden oder wie hoch die Mieten am Standort der Praxis sind. Eine Behandlung besteht dabei meistens aus mehreren Schritten. Beispielsweise kann ein Tierarzt für Hundeimpfungen eine allgemeine Untersuchung mit Beratung, eine Injektion sowie ggf. das Ablesen des Microchips und das Eintragen in den Impfausweis abrechnen. Zu den Kosten, die in der Gebührenordnung für Tierärzte vorgegeben sind, kommen noch die Preise der angewandten Materialien wie beispielsweise Spritzen, Verbände oder Tupfer sowie der verwendeten Arzneimittel hinzu. Falls Untersuchungen bei einem Labor beauftragt werden, werden die Barauslagen für diese Aufträge extra berechnet. Zur Endsumme wird dann noch auf alle einzelnen Posten die Mehrwertsteuer addiert.

Neue Gebührenordnung für Tierärzte – warum?

Am 20. Dezember 2019 verabschiedete der Bundesrat eine Änderung der Gebührenordnung für Tierärzte, nach der Veröffentlichung im Bundesgesetzblatt am 13. Februar 2020 gilt sie offiziell. Das Ziel der Änderungen: Den tierärztlichen Notdienst stärken. Wie wir bereits in unserem Artikel „Tierärztlicher Notdienst in Not“ berichteten, nahm die Zahl, der Praxen und Kliniken, die Ihren Vierbeiner nachts und an den Wochenenden versorgen können, in den vergangenen Jahren ab. Manche Tierbesitzer müssen im Notfall lange Strecken in Kauf nehmen, damit ihrem Liebling geholfen wird – und manchmal zählt jede Minute, um ein Leben zu retten. Aus Gründen des Tierschutzes, aber auch, um die öffentliche Gesundheit im Falle eines Seuchenausbruchs bei (Nutz-)Tieren zu sichern, möchte die Bundesregierung mit der Änderung der Gebührenordnung für Tierärzte dieser Entwicklung entgegenwirken.

Die Arbeitskraft, mit der Tierärzte Ihr Tier auch zu später Stunde versorgen, die Räumlichkeiten, die medizinischen Geräte – all das kostet Geld. In der Vergangenheit ging die Rund-um-die-Uhr-Versorgung oft damit einher, dass Tierärzte viele teils unbezahlte Überstunden machten, um Allzeit für Ihr Tier da zu sein. Auf Dauer schadet das nicht nur der Gesundheit des Personals, sondern gefährdet trotz größtmöglicher Sorgfalt auch die Patienten. Um für den Notdienst mehr Personal einstellen und somit alle Dienste gemäß Arbeitszeitgesetzen und zu angemessenen Gehältern besetzen zu können, müssen Tierarztpraxen und -kliniken monatlich rund 60.000 Euro zusätzlich zum „normalen“ Umsatz erwirtschaften. Je nach Auslastung einer Notdienstsprechstunde, kann das schwierig werden. Daher unterstützt der Gesetzgeber die Tierärzte mit einer Änderung der Gebührenordnung für Tierärzte, durch die vor allem die Notdienstzeiten verlängert und die Gebühren während dieser Zeiten erhöht werden.

Zuletzt wurde die Gebührenordnung für Tierärzte übrigens im Jahr 2017 angepasst. Für Kleintierbesitzer war damals vor allem eine pauschale Erhöhung der Preise um zwölf Prozent relevant. Dies war nach neun Jahren ohne Änderung notwendig, um unter anderem die gestiegenen Praxiskosten, beispielsweise für medizinische Geräte, Personal, Versicherungen, Entsorgung und Energie, zu decken.

Neue Gebührenordnung für Tierärzte – was ändert sich?

Die erste wichtigere Änderung ist, dass konkrete Zeiten definiert werden, zu denen erhöhte Kosten auf die Tierbesitzer zukommen. Folgende Zeiten sind ab sofort als Notdienstzeiten definiert:

  • Werktags ab 18 Uhr bis zum nächsten Morgen um 8 Uhr
  • An den Wochenenden (Freitag ab 18 Uhr bis Montag 8 Uhr)
  • An Feiertagen von 0 bis 24 Uhr

Muss Ihr Tier in diesen Zeiten untersucht oder behandelt werden, gelten laut der neuen Gebührenordnung für Tierärzte folgende Regeln:

  • Bei jedem Behandlungsfall wird eine Notdienstgebühr in Höhe von 50 Euro (zzgl. 8 Euro MwSt) fällig. Als Behandlungsfall in diesem Sinne gilt, wenn Sie in der Tierarztpraxis oder in der Tierklinik vorsprechen.
  • Tierärzte müssen im Notdienst mindestens den zweifachen GOT-Satz für Ihre Leistungen abrechnen und dürfen maximal den vierfachen GOT-Satz abrechnen.
  • Das Wegegeld, das bei Hausbesuchen anfällt, beträgt künftig 3,50 Euro pro Doppelkilometer – mindestens jedoch 13 Euro.

Achtung! Bietet Ihre Tierarztpraxis reguläre Abend- oder Samstagssprechstunden an, kann es sein, dass diese von den Gebührenänderungen NICHT betroffen sind. Fragen Sie am besten bei einer Terminvereinbarung nach.

Hier finden Sie die neue Gebührenordnung für Tierärzte zum Download.

Neue Gebührenordnung für Tierärzte – ein Anwendungsbeispiel

Da die Gebührenordnung für Tierärzte nicht für jedermann leicht verständlich ist, haben wir uns für Sie ein sehr stark vereinfachtes Szenario ausgedacht, an dem wir die Zusammensetzung einer Tierarztrechnung in der regulären Sprechstunde mit der im Notdienst vergleichen. Bitte beachten Sie, dass dieser Ablauf von Fall zu Fall unterschiedlich sein kann und sprechen Sie auf jeden Fall mit Ihrem Tierarzt darüber, welche Kosten im Einzelfall auf Sie zukommen können.

Nehmen wir an, Sie hätten gesehen, dass Ihr Hund etwas Giftiges gefressen hat. Schon nach einer halben Stunde sind Sie in der Tierarztpraxis. Der Tierarzt führt eine Allgemeinuntersuchung und eine spezielle Untersuchung des Herz-Kreislauf-Systems durch und stellt fest, dass es Ihrem Liebling gut geht. Damit es so bleibt, verabreicht er ihm eine Spritze mit einem Brechmittel. Nach fünf Minuten zeigt es seine Wirkung und Ihr Hund würgt das verdächtige Material komplett wieder hervor. Auf eigene Verantwortung nehmen Sie den Patienten anschließend mit nach Hause.

Je nachdem, wann Sie Ihren Liebling in der Praxis vorstellen, sind unter anderem folgende Rechnungsszenarien in diesem Fall möglich:

Rechnungsvariante

 1  2  3  4

GOT-Satz

1-facher Satz

2-facher Satz

3-facher Satz

4-facher Satz

Notdienstgebühr

-

Je nach Uhrzeit: 50 Euro (zzgl. MwSt.)

Je nach Uhrzeit: 50 Euro (zzgl. MwSt.)

50 Euro (zzgl. MwSt.)

Allgemeine Untersuchung mit Beratung

13,47 Euro (zzgl. MwSt.)

26,94 Euro (zzgl. MwSt.)

40,41 Euro (zzgl. MwSt.)

53,88 Euro (zzgl. MwSt.)

Eingehende Untersuchung des Herz-Kreislauf-Systems

9,62 Euro (zzgl. MwSt.)

19,24 Euro (zzgl. MwSt.)

28,86 Euro (zzgl. MwSt.)

38,48 Euro (zzgl. MwSt.)

Injektion unter die Haut

5,77 Euro (zzgl. MwSt.)

11,54 Euro (zzgl. MwSt.)

17,31 Euro (zzgl. MwSt.)

23,08 Euro (zzgl. MwSt.)

Summe* werktags um 11 Uhr

28,86 Euro zzgl. MwSt. = 31,16 Euro inkl. MwSt.

57,72 Euro zzgl. MwSt. = 66,96 Euro inkl. MwSt.

86,58 Euro zzgl. MwSt. = 100,43 Euro inkl. MwSt.

ABRECHNUNG ZUM 4-FACHEN GOT-SATZ NICHT MÖGLICH.

Summe* nachts um 23 Uhr

ABRECHNUNG ZUM 1-FACHEN GOT-SATZ NICHT MÖGLICH.

107,72 Euro zzgl. MwSt. = 124,96 Euro inkl. MwSt.

136,58 Euro zzgl. MwSt. = 158,43 Euro inkl. MwSt.

165,44 Euro zzgl. MwSt. = 191,91 Euro inkl. MwSt.

* Hinzu kommen die Kosten für Material und das Medikament.

Diese Beispielrechnung kann nur einen groben Überblick geben, soll aber zeigen, wie stark sich die Änderung der Gebührenordnung für Tierärzte je nach Lage der Tierarztpraxis und nach Aufwand der erbrachten Leistung auswirken kann. Trotzdem ist die Anpassung der Kostenstrukturen im Notdienst dringend notwendig, um überhaupt eine tierärztliche Versorgung in Ihrer Nähe sicherzustellen. Es empfiehlt sich daher, eine Tierkrankenversicherung abzuschließen, um im Notfall abgesichert zu sein. In unserem neuen Tierkrankenschutz Exklusiv für den Hund erstatten wir Ihnen im Rahmen Ihrer jährlichen Versicherungssumme bzw. bei Operationen unbegrenzt die Kosten bis zum 4-fachen Satz sowie die anfallende Notdienstgebühr. Weitere Tipps, was Sie tun können, wenn Ihr Vierbeiner nachts oder am Wochenende erkrankt, finden Sie in unserem Artikel "Notfall, was nun?".

Foto: © Tyler Olson/Fotolia

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