Mit dem Hund im Klassenraum

Bis zu ihrer Pensionierung arbeitete sie an einer Förderschule und wurde in den letzten 20 Jahren oft von einem oder zwei ihrer Hunde begleitet. Allerdings nicht zu oft: „Ein Hund sollte weder den ganzen Tag noch die ganze Woche mit in die Schule genommen werden. Denn selbst wenn die Hunde ausgebildet und es gewohnt sind, ist so ein Einsatz als Schulbegleithund anstrengend. Da prasseln viele verschiedene Eindrücke auf den Hund ein: Geräusche, Gerüche und Menschen. Das muss der Hund natürlich in Ruhe verarbeiten und sich erholen können“, erzählt Lydia Agsten im Interview. Deshalb hat sie ihre Hunde entweder in der Mittagspause nach Hause gebracht oder sie erst dann dort abgeholt.

Die Pensionärin gehört zu den Gründungsmitgliedern des Qualitätsnetzwerks Schulbegleithunde e.V. und ist zurzeit dessen Vorsitzende. Der Verein hat es sich auf die Fahne geschrieben, für einen qualifizierten Einsatz von Hund-Mensch-Teams zum Wohle aller zu sorgen. Das bedeutet, dass nicht nur der persönliche Gewinn und die Sicherheit der Kinder im Fokus stehen, sondern auch der Gewinn und der Schutz des Hundes. Seit fünf Jahren informiert der Verein über die nötigen Voraussetzungen für den Einsatz von Hund-Mensch-Teams in Schulen.

Zurück in die Klasse: Die Begrüßung des Hundes erfolgte nur einzeln. „Es ist sehr wichtig, dass nur ein Kind am Hund ist. Leider sieht man öfter mal Bilder, auf denen zehn Kinder den Hund gleichzeitig anfassen, aber das ist nicht in Ordnung. Schließlich stresst das den Hund“, erklärt Lydia Agsten.

Wenn der Schulbegleithund zu Beginn auf seinem Platz lag, gab es keine Begrüßung, denn jeder Hund braucht einen Rückzugsort, an dem er in Ruhe gelassen wird. Dies kann zum Beispiel ein Kissen oder eine Hundebox sein.

Wöchentlich wechselnd hatte ein Kind der Schulklasse „Hundedienst“ und kümmerte sich um das Wohl der Hündin. Zu den Aufgaben gehörte, ein Schild mit der Aufschrift „Heute ist Bea da“ an die Tür zu hängen, Wasser im Napf aufzufüllen und ein Auge darauf zu haben, dass für den Vierbeiner alles in Ordnung war.

 Lydia Agsten mit Mischlingshündin Lollipop

Wie ein Schulbegleithund eingesetzt werden kann

Der Unterricht mit Schulbegleithund läuft ganz normal wie in jeder anderen Klasse ab. Der Vierbeiner kann sich frei bewegen und legt sich manchmal zu den Füßen eines Kindes hin. Natürlich binden die pädagogischen Fachkräfte den Schulbegleithund zwischendurch mit ein. Lydia Agsten arbeitete beispielsweise mit Karten, um mit den Kindern Lesen zu üben. Darauf standen dann Aufgaben wie „Sitz“ oder „Platz“, die ein Kind zuerst vorlas, um die Übung im Anschluss mit dem Hund zu machen.

Lesen üben ging auch zusammen mit dem Vierbeiner: Wenn ein Kind die passende Karte zog, konnte es sich mit Bea auf einer Decke gemütlich machen und der Hündin vorlesen. Natürlich nur, wenn diese gerade Lust dazu hatte, denn „das Hundewohl steht immer an erster Stelle“. Mit ihrer Hündin Bea, einem Berner-Sennen-Mischling, wurde manchmal auch gewürfelt. „Das liebte sie“, erinnert sich die Pädagogin. Die Hündin stupste mit der Schnauze oder Pfote einen Würfel an und wählte so eine Schülerin oder einen Schüler für eine darauffolgende Aufgabe aus. Lesen und Würfel spielen sind nur zwei Beispiele, wie ein Schulbegleithund in den Unterricht eingebunden werden kann. „Es gibt keine Pauschalen. Schließlich entscheidet die Pädagogin oder der Pädagoge darüber, wie der Hund eingesetzt wird. Bevor der Hund mit in die Schule kommt, wird ein Konzept erstellt, in dem klar dargelegt wird, was der Hund können und wie etwas bewirkt werden soll“, berichtet Lydia Agsten.

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Mögliche Wirkung eines Schulbegleithundes

Schulbegleithunde können verschiedene positive Auswirkungen auf die Gemeinschaft oder einzelne Schülerinnen und Schüler haben. „Es kommt immer auf den jeweiligen Hund und die dazugehörige pädagogische Fachkraft an. Schließlich haben alle ihren eigenen Schwerpunkt und nicht jeder kann alles“, weiß Lydia Agsten und zählt folgende mögliche Ergebnisse auf:

  • „Eisbrecherfunktion“ des Hundes
  • Unterstützung einzelner Schülerinnen und Schüler
  • Reduzierung von Stress
  • Verbesserung der Atmosphäre
  • Bessere Integration einzelner Schülerinnen und Schüler
  • Steigerung der Lernfreude
  • Reduzierung von Schulunlust
  • Steigerung der Konzentration
  • Förderung der Gemeinschaft
  • Förderung der Lesemotivation
  • Steigerung der Empathie gegenüber Tieren
  • Erlernung des richtigen Umgangs mit Hunden

Schulbegleithündin Bea mit einem Schüler

Regeln müssen sein

Der richtige Umgang mit den Vierbeinern und die Aneignung von Wissen über Hunde dienen auch der Bissprävention: Die Kinder lernen die Gestik und Mimik von Hunden richtig einzuschätzen und wie sie sich selbst am besten gegenüber Vierbeinern verhalten. Dabei helfen klare Regeln, die für Hundebesuche aufgestellt werden sollten, wie die oben genannten Beispiele „nur ein Kind am Hund“ und dass der Ruheplatz des Hundes für andere Tabu ist. Weitere Regeln sind:

  • Gefüttert wird nur mit Erlaubnis.
  • Der Hund darf entscheiden, wohin er geht.
  • In der Klasse soll es möglichst ruhig sein.
  • Dem Hund nur seitlich nähern statt frontal.
  • Den Hund nicht anstarren.
  • Dem Hund nicht von oben auf den Kopf fassen.
  • Nach dem Hundekontakt Hände waschen.

Regeln sind wichtig, aber es gibt noch mehr zu beachten. Damit ein Hund mit in die Schule kann, muss er ein paar Anforderungen erfüllen. Zu den Grundvoraussetzungen an den Schulbegleithund gehört, dass sein Wesen zu seiner Aufgabe passt, er eine Grunderziehung genossen hat und Umwelterfahrung besitzt. „Natürlich gibt es rassebedingte Dinge, die eher gegen den Einsatz als Schulbegleithund sprechen. So gehört beispielsweise ein Herdenschutzhund nicht unbedingt in die Schule. Aber ansonsten kann im Prinzip jeder Hund als Schulbegleithund eingesetzt werden, also nicht nur bestimmte Rassen. Ich habe mit einem Hund aus dem Tierschutz angefangen. Allerdings sollte vorab immer individuell geprüft werden, ob der jeweilige Hund geeignet ist, und zwar von Leuten, die sich damit auskennen“, so die ehemalige Pädagogin.

Eine vernünftige Weiterbildung ist wichtig

Das Qualitätsnetzwerk Schulbegleithunde e.V. vernetzt zurzeit etwa 20 Anbieter, die eine erste Orientierung anbieten, bei der Interessierte unverbindlich schauen können, ob die Tierbegleitung für das Hund-Mensch-Gespann infrage kommt. „Wir machen das nicht über einen Wesenstest, bei dem Hunden beispielsweise irgendwelche Gegenstände vor die Pfoten geworfen werden. Das geht in unseren Augen überhaupt nicht, da das den Hund auch traumatisieren kann. Wir beobachten die Teams und schauen, ob sich ein Hund eventuell eignet oder nicht“, sagt Lydia Agsten.

Schulbegleithunde kommen nicht nur in den Jahrgangsstufen eins bis zehn zum Einsatz, sondern auch in Kindergärten und Berufsschulen. Egal, wo der Hund eingesetzt wird: Eine Ausbildung beziehungsweise Fortbildungen müssen sein, um das Hunde- und Menschenwohl zu sichern. „In unseren Qualitätsstandards haben wir festgelegt, dass die Ausbildung über einen längeren Zeitraum erfolgen, also mindestens ein Jahr dauern und 60 Stunden Weiterbildung umfassen soll“, so die Vorsitzende des Qualitätsnetzwerkes Schulbegleithunde e.V. Weiterhin wichtig, um den Hund mit in die Schule zu nehmen, ist, dass der Hund und die pädagogische Fachkraft ein Team sind und sich gut kennen. Der Mensch sollte direkt erkennen, wenn sein Hund gestresst ist oder Angst hat, auch wenn die Anzeichen dafür sehr individuell sein können.

Anforderungen: Der Mensch sollte nicht nur den Hund mitbringen

Nicht nur der Hund sollte bestimmte Anforderungen erfüllen, sondern auch sein Mensch: Erfahrung mit Hunden, Sachkundewissen, eine pädagogische Ausbildung sowie Berufserfahrung sind nötig. Auch sollte ein artgerechter Umgang mit dem Schulbegleithund selbstverständlich sein. Neben Konzepten und Regeln gehören auch ein Notfallplan und Informationen für die Schülerinnen und Schüler zu den vom Qualitätsnetzwerk Schulbegleithunde e.V. geforderten Grundvoraussetzungen. Den Pädagoginnen und Pädagogen sollte außerdem klar sein, dass sie ein Vorbild sind: Ihr Verhalten und Umgang mit dem Hund prägt die Kinder.

Pädagogischen Fachkräften mit Hund, die gerade erst einsteigen, empfiehlt das Qualitätsnetzwerk Schulbegleithunde e.V., ihren Vierbeiner langsam an seine Aufgabe zu gewöhnen. Am besten sei, erst einmal in die Schule zu gehen, wenn kein Unterricht ist, damit der Hund das Umfeld kennenlernt. Als nächstes kann er Schülerinnen und Schülern einzeln begegnen um dann schließlich langsam und unter kurzen Kontakten in der Gruppe anzukommen.

Schulbegleithund ja oder nein – die Schulleitung entscheidet

Für die Ausbildung eines Schulbegleithundes braucht es Zeit. „Manche Lehrkräfte denken, sie können sich vor den Sommerferien einen Hund zulegen, ein bisschen mit ihm üben und ihn nach den Sommerferien als Schulbegleithund mit zur Arbeit nehmen. Das ist nicht so. Egal ob Rassehund oder Tierschutzhund: Jeder Hund sollte mindestens sechs Monate haben, um sich in seinem neuen Zuhause zu akklimatisieren. Das haben wir jetzt in unseren Standard aufgenommen. Es muss aber individuell betrachtet werden, denn manche Hunde brauchen auch etwas mehr Zeit“, sagt Lydia Agsten.

Sind die Grundvoraussetzungen erfüllt, bedarf es noch der Erlaubnis der Schulleitung, denn sie hat zu entscheiden, ob ein Hund in den Unterricht darf. Außerdem trägt sie die Verantwortung und muss gewährleisten, dass nichts passiert. Das gilt auch für Schulbesuchshunde, die nur mal zu Besuch in einer Unterrichtsstunde oder Schul-AG sind. Schulbesuchshunde haben also keine festen Klassen oder Schulen, an denen sie eingesetzt werden, und im Gegensatz zu Schulbegleithunden sind ihre Haltenden nicht unbedingt pädagogische Fachkräfte. Aber unabhängig davon, ob mit Schulbesuchshunden oder -begleithunden gearbeitet wird: Es gilt immer, das Wohl aller im Auge zu behalten.


Wir bedanken uns bei Lydia Agsten für das Interview! Weiterführende Informationen über Schulbegleithunde finden Sie hier: https://schulbegleithunde.de/ 

Verwendetes Bildmaterial

Foto: © Titelbild: Yaroslav Astakhov – stock.adobe.com; Beitragsbilder: Lydia Agsten

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