Jeder Hund hat bekanntermaßen seinen ganz eigenen Kopf. Dabei ist es nicht immer leicht, den Charakter eines Vierbeiners einzuschätzen, insbesondere dann, wenn es um mögliches aggressives Verhalten geht. Um sicherzustellen, dass von einem Hund keine Gefahr ausgeht, gibt es den sogenannten Wesenstest. Hund und Halter stellen sich dabei einer Begutachtung durch einen offiziellen Prüfer. Wir haben für Sie zusammengefasst, worum es im Wesenstest für Hunde geht.

Inhaltsverzeichnis:


Warum gibt es den Wesenstest für Hunde?

Beim Wesenstest geht es in erste Linie darum, die Aggressivität eines Tieres zu untersuchen und die daraus möglicherweise hervorgehende Gefahr einzuschätzen. Entsprechend können präventive Maßnahmen ergriffen werden, die Hund, Halter und Umgebung schützen. Das kann zum Beispiel eine Leinen- oder Maulkorbpflicht oder die Empfehlung zu einem professionellen Training bei einer Hundeschule sein. Gleichzeitig können bei einem positiven Ergebnis des Wesenstest zuvor bestehende Regeln, wie eine Leinen- oder Maulkorbpflicht, gelockert werden.

Wer muss sich einem Wesenstest für Hunde unterziehen?

In vielen Bundesländern ist der Wesenstest laut der jeweiligen Hundeverordnung Pflicht für Rassen, die pauschal als gefährlich eingestuft werden, sogenannte Listenhunde. Dementsprechend ist es wichtig, sich genau über die Regelungen des eigenen Bundeslandes zu informieren. Doch auch Hunde offiziell nicht gefährlicher Rassen können zu einem Wesenstest verpflichtet werden, wenn sie durch aggressives Verhalten auffällig geworden sind. Von Fachleuten wird als idealen Testzeitpunkt für eine derartige Prüfung häufig ein Alter von 15 Monaten genannt, was einen Test in einem jüngeren oder weit höheren Alter natürlich nicht ausschließt.

Wie läuft ein Wesenstest für Hunde ab?

Genauso, wie die Regelungen zu gefährlichen Hunden variieren, unterscheiden sich auch die genauen Vorschriften für den Wesenstest von Bundesland zu Bundesland. In der Regel wird dieser von einem ausgebildeten Veterinär oder behördlichen Prüfer mit entsprechenden Fortbildungen durchgeführt. Vor dem eigentlichen Wesenstest erfolgt eine körperliche Untersuchung, die zum einen auf Erkrankungen (die den Hund aggressiver machen könnten) achtet und einen Bluttest beinhaltet, der Beruhigungsmedikamente feststellen würde, die Ergebnis des Wesenstests beeinflussen könnten. In einem Gespräch mit dem Halter des Hundes werden unter anderem Verhaltensauffälligkeiten des Hundes besprochen, aber auch beispielsweise der Anschaffungsgrund und die Einschätzung seitens des Halters zum Charakter seines Vierbeiners. Es kann sein, dass der Prüfer zu Halter und Hund nachhause kommt und sich bereits dort ein Bild der Situation verschafft (wie reagiert der Vierbeiner bspw. bei der Ankunft des Prüfers an der Tür). Um den Charakter des Hundes besser einzuschätzen, wird das Tier schließlich mit alltäglichen Situationen konfrontiert. Dabei können die Aufgaben stark variieren: Wie reagiert der Hund auf Blickkontakt? Auf Jogger und Fahrräder? Auf Schreie und Autohupen? Und was passiert, wenn eine Person mit gehobenem Tonfall auf ihn zugeht? Wie verhält er sich gegenüber Artgenossen?

Ein Wesenstest für Hunde stellt realistische Anforderungen

Der oben beschriebene Test setzt nicht voraus, dass der Hund in der Konfrontationssituation mit fröhlichem Schwanzwedeln reagiert. Wichtig ist, wie gut sich der Vierbeiner „beherrschen“ kann, so sind in einigen Situationen Knurren und Bellen durchaus erlaubt, unberechenbare Aggression nicht. Der Prüfer achtet eher darauf, ob und wie schnell der Hund angreift und aggressiv handelt und wie schnell er sich wieder beruhigt, wie gut er sein Verhalten also regulieren kann und wie angriffslustig er ist. Alle Aufgaben müssen dabei mehrmals durchgeführt werden, damit ein realistisches Bild ermöglicht wird.

Kritik am Wesenstest für Hunde

Der Wesenstest soll dem Wohl von Hund, Halter und ihrer Umgebung dienen. So kann er einerseits zur Maulkorbpflicht führen, um Menschen und Tiere in der Umwelt zu schützen, kann allerdings auch eine Lockerung der Maulkorbpflicht oder des Leinenzwangs bringen. Bei einem deutlich negativen Ausgang des Tests kann es so weit kommen, dass das Tier dem Halter entzogen wird – was grundlegend auch beiden helfen soll. Doch der Wesenstest für Hunde steht in der Kritik, ungerecht und pauschalisierend sogenannte Listenhunde zu fokussieren, selbst wenn diese nicht auffällig geworden sind. Das Verhalten ist laut der Kritiker eher selten durch genetische Veranlagung zu begründen und häufiger das Ergebnis einer falschen Haltung. Hinzu kommt, dass die Kosten des Wesenstests recht hoch sind: In Niedersachsen ist beispielsweise mit Ausgaben von rund 400 Euro zu rechnen.

Foto: © Grigory Bruev/Adobe Stock

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