Geschrieben von Hundetrainerin Vera Müller

Meist werden uns Hundetrainern Hunde vorgestellt, deren Verhaltensauffälligkeiten schon durch unzählige Trainer noch mehr gefördert wurden.

Sei es durch Leinenruck, in die Seite kneifen, auf den Rücken werfen, den Hund bedrängen/bedrohen, die Kscht-Methode, Rot-gelb-grün-Methode, Sprühflasche und vieles mehr. So werden Ängste und Aggressionen nur noch mehr manifestiert, da über Meideverhalten sowie über die Dominanzschiene gearbeitet wird.

Vertrauen statt Dominanz 

Eine Vertrauensbasis schaffen, ohne gleich eine Gegenleistung zu erwarten und den Hund nicht zu enttäuschen sowie ihm in jeder Konfliktsituation zu helfen, schafft die Basis und auch das weitere Vorgehen für meine Arbeit mit Hunden – unabhängig von Rasse oder Problematik. Denn jeder Hund ist mit Fairness zur Mitarbeit zu motivieren. Teamarbeit eben!

Ein Fall aus der Praxis 

Eine circa siebenjährige Schäferhundmix-Hündin hat das Kleinkind der Familie gebissen. Beim Gespräch vor Ort stellte sich heraus, dass der Hund große Eifersucht auf das Kind hat, unterfordert ist, Ressourcen verteidigt und große Schmerzen hat. Schmerz fördert zusätzlich die Aggressionsbereitschaft und auch bestimmte Erkrankungen beeinflussen negativ. Also ging es erst zum Tierarzt um Schmerzen abzuklären, zu behandeln und einen Blutcheck zu machen. Erst danach macht es Sinn, weiter an den Verhaltensproblemen zu arbeiten.

Eckpunkte meiner Arbeit in diesem Fall:

  • Kind und Hund bekommen Rückzugsorte, wo der jeweils andere nicht hin kann
  • Räumliche Trennung mit Sichtkontakt
  • Futter steht dort, wo das Kind nicht hinlaufen kann. Kind und Hund werden ab sofort immer beaufsichtigt und keiner darf sich zurückgesetzt fühlen. Hund wird mehr bewegt und beschäftigt.
  • Maulkorbtraining
  • Integration von Kind und Hund durch gemeinsame Aktivitäten
  • Kind bekommt Grenzen gesetzt und Hund auch, aber fair und Heißt: Wenn das Kind etwas in der Hand hat, darf der Hund es nicht haben.

Unerlässlich: Alternativverhalten

Bei alledem arbeiten wir ohne Druck/Zwang und mittels Alternativverhalten. Alternativverhalten bedeutet, dass der Hund in einer bestimmten Situation ein bestimmtes Verhalten zeigt, z.B.: ausweichen, hinsetzen, weggehen etc. und dafür belohnt wird. Nach und nach entsteht dadurch wieder ein Vertrauensverhältnis zwischen Eltern, Kind und Hund.

Foto: © alexei_tm/Adobe Stock

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