Am 30. April heißt es auf der Trabrennbahn Daglfing in München: Be a StrongDog! In den Zughundesportarten Canicross, Bikejöring und Dogscooting treten zahlreiche Hund-Mensch-Teams gegeneinander an und lassen den Adrenalinspiegel steigen. Wir stellen Ihnen im Laufe der nächsten Wochen einige der Teilnehmer und Teilnehmerinnen genauer vor.

Anna-Maria Prast, 27 Jahre, reist mit ihrem Hund Mico (7 Jahre, Bullterrier) für den StrongDog aus Südtirol in Italien an. Es ist ihre erste StrongDog-Teilnahme, aber sie hat vorher bereits einmal mit Mico den Tough Hunter absolviert.

Warum nehmt Ihr am StrongDog Munich teil?

"Ich habe Gefallen am Canicross gefunden und solche Veranstaltungen sind eine tolle Motivation für das regelmäßige Training. Außerdem zieht und läuft mein Bulli besser, wenn noch andere Hunde vor ihm sind. Es ist toll sich zu messen, auch wenn wir bestimmt nicht bei den Ersten mitlaufen werden. München ist auch nicht so weit von uns entfernt, sodass wir daraus einen Tagesausflug machen werden. Unser Ziel: Nicht disqualifiziert zu werden, weil sich der Bulli hinsetzt und streikt ;)"

Was bedeutet der gemeinsame Sport für Euch?

"Gemeinsam an sich arbeiten, trainieren, scheitern und weiterkommen. Es ist eine wunderbare Auslastung für uns beide und nach dem Rennen ist man stolz auf sich und seinen Hund. Mico war nach dem Tough Hunter ausgeglichener und ich glaube er war auch ein bisschen stolz :) Man lernt seinen Hund besser kennen, seine Stärken und Schwächen besser einzuschätzen und im Team zu agieren."

Wieso habt Ihr Euch für den Zughundesport entschieden?

"Mit dem Hund laufen zu gehen hatte immer schon einen gewissen Reiz für mich. Es ist zwar schön, wenn der Hund neben mir hertrabt, aber wenn er vor mir läuft, sich auf meinen Zuruf ins Geschirr legt, anzieht und auf Kommando in die richtige Richtung läuft, ist das genial! Der nicht soooo sportliche Bulli wird zum Windhund, spitz und aerodynamisch und wir fliegen nur so über die Wiesen.

Ich hätte nicht gedacht, dass Mico cool genug ist für eine große Veranstaltung wie den Tough Hunter, aber da hat er mich eines besseren belehrt. Voll konzentriert hat er die Hindernisse bewältigt und nie einen „Aussetzer“ gehabt. Man traut ihnen halt doch weniger zu und wird dann überrascht. Das Training und die Vorbereitung für das Rennen waren eine schöne Zeit,  weil man - mit ein bisschen Druck im Hintergrund - mehr Zeit miteinander verbringt und Übungen angeht, die man ohne diesen Druck vielleicht nie probiert hätte."

Macht Ihr noch andere Sportarten gemeinsam?

"Neben dem Lauftraining gehen wir viel in den Bergen wandern. Mico ist eine wunderbare Begleitung und wenn niemand Zeit oder Lust auf eine Wanderung hat, gehen wir halt nur zu Zweit. Seit circa eineinhalb Jahren gehen wir mehr oder weniger regelmäßig zum Mantrailing. Die Nasenarbeit hat Mico gelehrt sich zu fokussieren und nicht mal ein Ball kann ihn ablenken, wenn er bei der Arbeit ist. Ich muss da noch ein wenig aufholen und darf nicht so viel denken, wenn wir im Trail sind, das nervt ihn manchmal."

Ein Kindheitstraum wird wahr: Bullterrier Mico zieht ein

"Ich wollte immer schon einen Hund, seit ich denken kann. Da ich mit meiner Familie aber im 2. Stock ohne Aufzug gewohnt habe und ich als Kind die Verantwortung natürlich nicht übernehmen konnte, wurde lange nichts aus diesem Traum. Als ich dann von Zuhause ausgezogen bin, war die Entscheidung gefallen: ein eigener Hund muss her! In der Grundschule waren wir mal im hiesigen Tierheim und ich sah in einem Zwinger ein Bullterrier-Weibchen. Zwar sagte uns die Lehrerin, dass wir nicht hingehen sollten, weil es ein gefährlicher Kampfhund sei, aber Kinder hören ja nicht und so bin ich zum Gitter. Das Bulliweibchen ist sofort auf mich zugestürmt und war so lieb und freundlich, dass ich gesagt habe: so einen Hund will ich später mal haben!

Bei der Suche bin ich auf den Verein ‚Bullterrier in Not’ gestoßen. Nach kurzer Suche hatte ich mich auch schon verliebt: der braun-gestromte Rüde sollte es sein. So telefonierte ich regelmäßig mit Frau Schürmann, Verantwortliche des Vereins, und sie erzählte mir von dem Rüden. Draußen ein Traum, im Haus kann es sein, dass er schnappt, wenn er sich bedrängt fühlt, da die Vorbesitzer ihm keinen Raum gelassen haben. Hmm…wir fahren trotzdem und stellen uns vor. Vor Ort lernen wir den Auserwählten endlich kennen: Ein Bild von einem Hund! Doch dann meinte die Frau von der Pflegestelle, es gäbe da noch einen Plan B: Mico. Nicht besonders überzeugt (ich war noch verliebt in den gestromten Rüden) lernten wir Mico kennen und er war reizend! Mit einem weinenden und einem lachenden Auge traf ich eine Vernunftsentscheidung: Mico kommt mit uns, der gestromte ist eine Nummer zu groß. Im Nachhinein die beste Entscheidung meines Lebens! Ohne den Gestromten hätten wir Mico auch nie gefunden, er war nämlich im Internet nicht sichtbar. Als kleines Dankeschön ist der Getromte jetzt mein Patenhund :)

Mico macht unseren Alltag lustig und aktiv, die täglichen Spaziergänge tun uns gut, abends kuscheln wir auf dem Sofa und am Wochenende begleitet er mich auf meinen Wanderungen. Nach und nach lernten wir aber auch die dunkleren Seiten unseres Hundes kennen. Wahrscheinlich wurde er geschlagen und mit Bällen heiß gemacht und aufgedreht. Sobald er einen Ball sah, verfiel er in einen Trieb und war kaum ansprechbar. An diesem Verhalten hängen mehrere kleine und größere Probleme, er macht z.B. Kuscheltiere kaputt, tut sich schwer, Dinge, die einmal in seinem Maul sind, loszulassen. An diesen Verhaltensstörungen werden wir sein ganzes Leben lang arbeiten müssen, aber es wird langsam besser. Er liebt Menschen und andere Hunde, Kinder dürfen an ihm rumziehen und streicheln, er hat da eine Engelsgeduld. Tierarztbesuche sind ein Highlight für ihn, weil er dort ganz viele Kekse bekommt und nichts dafür tun muss, außer rumzustehen ;)

Nach allem was er erlebt hat, ist er trotzdem ein gutmütiger, geduldiger und auf seine Art liebevoller Hund, der nur gemocht werden möchte. Da Bullterrier sehr dickköpfig sein können, musste ich lernen, stoischer zu werden. Fehlverhalten wird konsequent und ruhig mit Ignoranz „bestraft“ und erwünschtes Verhalten mit Lob bedacht.

Wir haben sehr mit Vorurteilen zu kämpfen, obwohl es in Italien schon seit 2009 keine Rassenliste mehr gibt. Auf der anderen Seite sprechen mich viele an, was das denn für eine Rasse sei, er sehe lustig aus...also mit viel Neugierde und Interesse. Ich wusste, bevor ich mir den Hund geholt habe, dass man ein dickes Fell braucht und dass man oft böse Kommentare zu hören bekommt und ich kann auch oft darüber hinwegsehen. Aber es macht traurig, wie intolerant und engstirnig viele noch sind. Ich würde mir sehr wünschen, dass dieses Schachteldenken endlich ein Ende hat. Das Image dieser Hunde ist sehr schlecht, obwohl Bullis tolle Familienhunde sind, sportlich wenn sie müssen, faul wenn sie es sein dürfen ;)"

Foto: © beide Anna-Maria Prast

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