Das Internet platzt vor Tipps, Ratschlägen, Empfehlungen und Weisheiten zur Hundeernährung. Doch wie ernährt man seine Fellnase nun richtig? Ein Ansatz ist die Rohfütterung.

Hundetrainer Uwe Planer ist aufgrund seiner langjährigen beruflichen Ausbildung und Tätigkeiten in den Bereichen Intensivmedizin und Anästhesie sowie entsprechenden Fortbildungen zum Thema Ernährung von Hunden als Experte für das Thema Hundeernährung bekannt und beantwortet die wichtigsten Fragen.

Welche Ernährungsform ist Ihrer Meinung nach die gesündeste bzw. artgerechteste für den Hund?

Die gesündeste und vom Hund am besten verträgliche Form einer Ernährung ist die Rohfütterung. Die Hunde werden dabei ausschließlich mit in der Nahrung vorkommenden Vitaminen und Spurenelementen sowie den essentiellen Aminosäuren versorgt. Die Vierbeiner haben Knochen zum Kauen und können bei Bedarf auch große Stücke Fleisch zum Abreißen bekommen – beides ist besonders gut für die Zähne.

Was kann Rohfütterung, was Fertigfutter nicht kann? Welche Vorteile gibt es?

Rohfütterung kann den Hund mit allem versorgen, was er für einen gesunden Organismus benötigt. Chemische Zusätze sind nicht nötig. Es handelt sich um eine physiologisch ausgewogene Ernährung. Der Hundebesitzer weiß genau, was er seinem Hund in den Napf gegeben hat – alle Komponenten sind transparent.

Bei Fertigfuttermitteln wird versucht, die Natur nachzubauen. Das heißt, erst werden einmal alle Vitamine, Spurenelement und Aminosäuren zerkocht, um diese dann wieder mit künstlichen Stoffen anzureichern. Diese künstlichen Vitamine haben eine andere Molekularstruktur und werden anders im Körper aufgenommen. Fertigfutter kann die Natur nicht ersetzen. Kein Verbraucher weiß, was wirklich in den Fertigfuttermitteln enthalten ist. Nicht alles wird deklariert.   

Worauf kommt es bei der Rohfütterung an? Welche Bestandteile dürfen keinesfalls fehlen?

Bei der Rohfütterung ist es wichtig, dass ein entsprechendes Calcium-Phosphor-Verhältnis eingehalten wird. Keinesfalls darf ausschließlich Muskelfleisch oder nur mageres Fleisch gefüttert werden. Tierische Fette werden von den Hunden gut verstoffwechselt und sind essentielle Energiequellen. Um einen ausgewogenen Mineralienhaushalt und Aminosäuren zu gewährleisten, sollten mindestens vier verschiedene Schlachtkörper verfüttert werden. Auch Innereien, welche reich an Ultraspurenelementen und Spurenelementen sind, dürfen nicht fehlen. Ebenso etwas Gemüse, ca. 5% sind ausreichend, und Omega 3 Fettsäuren wie Leinöl und Lachsöl.

Welche Nachteile hat die Rohfütterung? Oftmals besteht die Annahme, sie sei im Alltag schwieriger umzusetzen, zu aufwendig, nicht praktisch für unterwegs – Wie sehen Sie das?

Eine Argumentation, dass die Rohfütterung aufwendiger ist, als eine Dose zu öffnen oder in den Trockenfuttersack zu greifen, ist bedingt richtig. Sicher braucht man fünf Minuten, um die Zutaten zu mischen, nur wer diese Zeit nicht für seinen Hund hat, sollte sich gar nicht erst einen anschaffen, um ihn gesund und einigermaßen artgerecht zu ernähren.

Natürlich ist es so, dass man, wenn man mit dem Hund unterwegs ist, auch einmal eine Hundewurst verfüttern kann, das ist überhaupt kein Problem. Deshalb sind die Hunde nicht gleich aus dem biologischen Gleichgewicht. Auch ist vakuumiertes Fleisch bei Kühlung 8 Tage haltbar. Ich sehe es so, dass der Hundehalter, welcher seinen Hund roh und gesund ernähren möchte, immer einen Weg findet. Derjenige, der das nicht möchte, wird immer ein Argument finden es nicht zu tun.

Was sollte ich beachten, wenn ich auf Rohfütterung umstellen möchte?

Wenn ein Hund auf Rohfütterung umgestellt werden soll, lassen Sie sich bitte von einem versierten Ernährungsberater erklären und auch ausrechnen welche und wieviel Sie von den verschiedenen Komponenten benötigen. Auch benötigen die Hunde eine gewisse Umstellungszeit, um ihren Magen-Darm-Trakt mit den entsprechenden Bakterien für eine Fleischverdauung zu sättigen.

Ist Rohfütterung gleich BARF?

Normalerweise ist die Rohfütterung dem BARF gleichzusetzen. Ich möchte es gern Rohfütterung nennen, denn wenn man in das Internet schaut, um sich über BARF zu informieren, wird man schnell von vielen Halbwahrheiten und falschen Informationen übersäht.

Bedeutet Rohfütterung, dass mein Vierbeiner keine üblichen Snacks bekommen darf? Gibt es spezielle Rohfutter-Snacks?

Welche Snacks ein Hund bekommen kann und welche nicht entscheidet seine Gesundheit. So gibt es Reinfleisch-Leckerlis und auch -Backwaren. Mal „Fast Food“ für den Hund ist sicher kein Problem. Die Menge ist hier entscheidend.

Gibt es Futterzusätze, die Ihrer Meinung nach nicht notwendig sind? Gibt es vielleicht aktuelle Futtertrends, denen Sie eher skeptisch gegenüber stehen?

Ja sicher gibt es Futterzusätze, welche bei gesunden Hunden nicht von Nöten sind. Dazu gehören zum Beispiel sogenannte Mineralienzusätze und Vitaminzusätze. Skeptisch sehe ich die Fütterung von Trockenfutter und Dosenfutter. Jeder Hundehalter muss selbst entscheiden, wie er seinen Hund ernähren möchte oder kann. Selbst aufgemacht ist jedoch nicht selbst gemacht.

Lassen Sie sich gern beraten, wie Sie Ihren Hund gesund und fast natürlich ernähren können. Nur achten Sie bei dieser Beratung darauf, dass Sie nicht einen von der Futtermittel- oder Pharmaindustrie bezahlten Berater wählen.

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