Geschrieben von Hundetrainerin Dolly Niass

Die meisten Hunde ziehen an der Leine, weil es sich einfach lohnt. Entweder, weil der Hund schnellstmöglich an der nächsten Laterne schnüffeln möchte und Herrchen oder Frauchen mal wieder nicht schnell genug nachkommt oder weil er ohne Weiteres den Verlauf des Spazierweges bestimmt und seinen Halter hinter sich herzieht, weil der dummerweise am anderen Ende der Leine hängt. Solche Spaziergänge sind weder für den Halter noch für den Hund entspannend und erholsam.

Fehlende Leinenführigkeit

Es kann aber auch sein, dass ein Hund sich ganz einfach weigert an der Leine mitzugehen. Das passiert, weil er es zum einen vielleicht nie richtig gelernt hat oder weil er noch ein Welpe ist und den Umgang mit Leine und Halsband/Geschirr erstmals kennenlernt. Vielleicht brauchte er in seinem bisherigen Leben aber auch nie an der Leine gehen. Dieses Phänomen findet man häufig bei Straßenhunden, Zwingerhunden, Laborhunden und Hunden aus ländlichen Gegenden. 

Angst vor dem Unbekannten

Dann gibt es Hunde die aus Angst und Unsicherheit das Haus gar nicht erst verlassen möchten. Sie blockieren sozusagen das Vorwärtskommen mit allen vier Pfosten und rollen dabei den Teppich von hinten auf. Der häufigste Grund ist mangelnde Erfahrung mit der belebten und/oder unbelebten Umwelt. Es gibt einfach zu viel Unbekanntes, das der Hund in seiner Vorgeschichte nie kennengelernt hat. 

Andere wiederum geraten an der Leine in eine so hohe Erregungslage, dass sie nur schwer wieder herunterfahren können. Sei es weil sie an der Leine vom Jagen abgehalten werden oder auch vom Spielkameraden, mit dem sie jetzt liebend gern gespielt hätten. 

Abstand halten

Es gibt auch viele Hunde, die aus Angst und Unsicherheit einen Affentanz an der Leine veranstalten. Vornehmlich dann, wenn sie anderen Artgenossen erst gar nicht zu nah kommen möchten. Sie versuchen eine Distanzvergrößerung zum Gegenüber auf lautstarke Art und Weise herbeizuführen. Bis es aber zu diesem Endresultat kommt – sich richtig aufblasen, Fell aufstellen, knurren, bellen, Zähne fletschen, ein zufällig getragenes Dummy totschütteln (hier spielt auch Frust eine Rolle) oder wie ein Pferd hochsteigen – ist es ein schleichender Lernprozess. 

Einschränkung an der Leine

Der Auslöser für Leinenaggression ist meist die Leine selbst. Sie hat nur eine bestimmte Länge und gibt den Radius vor indem sich der Hunde bewegen kann. Benötigt er jedoch mehr Individualdistanz/Abstand zum Kontrahenten, um sich in seinem Fell wohlfühlen zu können, wird dies durch die Leine verhindert. Mit der Zeit kann dadurch eine waschechte Leinenaggression entstehen. 

In den meisten oben genannten Fällen ist unter anderem ein solides Leinenführigkeitstraining dringend anzuraten. Ist erstmal die Ursache des Leinenziehens ermittelt, steht – neben einem guten Management – einem sinnvollen und vor allem gewaltfreien Training nichts mehr im Wege. 

Foto: © alexei_tm/Adobe Stock

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