Ein Artikel im amerikanischen Wissenschaftsmagazin „Science“ hat ein interessantes Studienergebnis präsentiert, dessen Aussage viele bisher angenommene Beobachtungen in Frage stellt: Die Rasse eines Hundes sage sehr wenig über sein Verhalten aus.

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Großangelegte Untersuchung von Hunde-DNA

Die US-amerikanische Biomedizinerin Kathleen Morrill und ihr Team von der University of Massachusetts haben für die im Wissenschaftsmagazin „Science“ beschriebene Studie die DNA von über 2000 rein- und gemischtrassigen Hunden analysiert und zusätzlich Haltende von über 18 000 Hunden befragt, von denen fast die Hälfte reinrassige Tiere waren. Die Sequenzierung der DNA in Kombination mit der Auswertung der Befragung ergab, dass Verhaltensmuster an sich zwar genetisch vererbbar seien, sich aber zwischen den Rassen kaum unterschieden.

Worauf gehen die gängigen Verhaltenszuschreibungen Hunderassen gegenüber zurück?

Ein Blick in die Geschichte: Vor dem 19. Jahrhundert wurden Hunde nach ihrer Funktion als Helfer des Menschen ausgewählt. Es gab Hütehunde, deren Aufgabe es war, große Herden von Nutztieren in Schach zu halten. Diese mussten also ausdauernd, durchsetzungsfähig und dennoch gehorsam sein, um Anweisungen gut umsetzen zu können. Dann gab es Hunde, die für die Jagd auf Wild oder zum Apportieren von Vögeln eingesetzt wurden und daher schnell, neugierig und fokussiert sein mussten, um wahlweise einer Spur zu folgen oder Kommandos direkt umzusetzen. Die dritte große Kategorie der Funktionshunde (heute würde man sagen: ein Hund mit Beruf) war die des Wachhundes. Im Gegensatz zu den Hüte- und Jagdhunden, die eng an „ihre“ Menschen angebunden waren, um deren Anweisungen auszuführen, waren Wachhunde weniger Teil der Familie, sondern passten auf diese auf. In dieser Funktion mussten sie immer aufmerksam sein und jederzeit bereit dazu, einen potentiellen Eindringling zu entdecken und zu vertreiben. Ein etwas aggressiveres Auftreten war hier also durchaus von Vorteil.

Fokus der Zucht liegt auf Aussehen und Reinrassigkeit

Etwa vor 160 Jahren änderte sich dann der Fokus bei der Auswahl von Hunden: Statt wie vorher vor allem auf die Fähigkeiten und Stärken der Hunde zu achten, wurden diese nun nach sogenannten „Rassekriterien“ gezüchtet, also vor allem nach dem Aussehen und mit dem Ziel, möglichst reinrassige Hunde zu erschaffen. Anhand ihrer ursprünglichen Funktion wurden den Rassen aber weiterhin bestimmte Eigenschaften zugeschrieben, aufgrund derer auch Annahmen zu ihrem Temperament gemacht wurden.

Verhaltensunterschiede zwischen einzelnen Hunden sei größer als zwischen Hunderassen

Die aktuelle Studie der University of Massachusetts sagt nun, dass die Rasse eines Hundes für nur etwa 9 % der Verhaltensvariationen verantwortlich sei. Zwar bliebe die Rasse für einige Kriterien, zum Beispiel die Füg- oder Gehorsamkeit, ausschlaggebender als für andere, aber auch hier zeigten sich selbst zwischen Hunden der gleichen Rasse noch viele Variablen. Für andere Charakteristika, etwa ob sich ein Hund leicht von unangenehmen oder beängstigenden Störfaktoren ablenken lässt, schlussfolgerten die Forschenden, dass die Rasse nahezu nichts über eine verstärkte Neigung aussage. Diese Erkenntnisse hätten sich bei der Untersuchung von Mischlingen bestätigt, denn auch hier habe sich gezeigt, dass die Rasse nur bei sehr wenigen Faktoren des Verhaltens eine signifikante Rolle spiele.

Schlussfolgerung der Studie: Die Rasse ist nicht ausschlaggebend für den Charakter eines Hundes

Demnach zogen die Forschenden die Schlussfolgerung, dass Verhaltenscharakteristika von einer Vielzahl von Genen sowie von der Umgebung des Hundes beeinflusst würden – diese Beobachtung aber auf alle Hunderassen zuträfe. Hauptunterschiede zwischen der DNA der untersuchten Rassen seien ihre körperlichen Eigenschaften – nicht aber Merkmale für ihr Verhalten. Also sage die Rasse eines Hundes wenig über seinen Charakter und sein Verhalten aus und sollte nicht als alleiniges Auswahlkriterium bei der Suche nach einem passenden Hund dienen.


Überraschendes Studienergebnis – Was sagen Sie dazu?

Wir geben zu: Uns hat das Studienergebnis überrascht, stellt es doch viele bislang fest etablierte Beobachtungen in Frage. Uns interessiert daher Ihre Erfahrung: Welche Beobachtungen hinsichtlich des Zusammenhangs von Hunderasse und Verhalten haben Sie gemacht? Schreiben Sie uns gerne unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!.

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