Ein Gastartikel von Annika Grunert

Entspannung finden und die Selbstheilungskräfte anregen, dafür gibt es verschiedene Wege. Eine davon ist die alternative Heilmethode Reiki, die von dem Japaner Mikao Usui entwickelt wurde. Reiki setzt sich aus den beiden japanischen Wörtern „rei“, die universelle Energie, die Seele, und „ki“, die Lebensenergie, zusammen. Es soll auf körperlicher, geistiger und spiritueller Ebene wirken und unter anderem eben die Selbstheilungskräfte anregen.

Tierheilpraktikerin Carolin HempelIm Humanbereich findet es auch in Deutschland immer häufiger Anwendung: So werden in einigen Kliniken beispielsweise Schmerzpatienten mit Reiki unterstützt. Ein anderer Anwendungsbereich sind Depressionen, auch hier wird Reiki begleitend eingesetzt. Aber nicht nur Menschen können von Reiki profitieren, sondern auch Tiere. Carolin Hempel arbeitet seit 1995 als Tierheilpraktikerin. Vor gut sechs Jahren entdeckte sie Reiki und ließ sich darin ausbilden. Die Behandlung von Mensch und Tier gehört seitdem zu ihrem Praxisalltag. Im Interview verrät sie, was es mit Reiki für Tiere auf sich hat.

Inhaltsverzeichnis:

Was ist Reiki?

Letztendlich ist Reiki Energiearbeit, um Blockaden zu lösen. Ich vergleiche das immer so: Es gibt ja auch andere Blockaden beispielsweise im Körper, die dann der Physiotherapeut behebt. Bei Reiki geht es darum, die Energieblockaden zu lösen. Im Endeffekt ist alles Energie, auch unser Körper, und wenn die Energiequellen, also die Energielaufbahnen, gestört sind, führt das zu Blockaden. Die äußern sich oft auch auf psychischen Gebieten, also zum Beispiel bei Angstpatienten. Es gibt viele verschiedene Anwendungsgebiete.

Wer kann mit Reiki behandelt werden?

Im Endeffekt jedes Lebewesen.

Gibt es einen Unterschied zwischen Reiki für Tiere und Reiki für Menschen oder auch in der Behandlung der unterschiedlichen Tierarten?

Grundsätzlich eigentlich nicht. Reiki für Tiere ist etwas anders im Handling als Reiki für Menschen. Die Punkte sind logischerweise ein bisschen anders vom Körperbau her. Der Hintergrund bleibt aber der Gleiche. Das gilt auch für die unterschiedlichen Tierarten. Die Behandlung ist an sich immer gleich. Man guckt aber auch auf die Anamnese, die vorher stattfindet. Also man schaut auf den Verlauf, was ist überhaupt das Problem, um was geht es und so weiter. Man setzt dann vielleicht noch andere Schwerpunkte, aber letztendlich ist Reiki für Tiere immer ähnlich.

Wie funktioniert Reiki für Tiere?

Zuerst streicht man die Aura aus. Es gibt am Körper des Tieres bestimmte Punkte, an denen die Hände aufgelegt werden. Durch dieses „Handauflegen“ löst man die Energieblockaden. Es gibt auch noch Symbole, die man setzen kann, wie zum Beispiel das Kraftsymbol. Das ist ein bestimmtes Handzeichen oder eine Symbolik, die gesetzt wird. Durch Reiki kommt die Energie wieder in den Fluss. Das spürt man oft auch.

Und wie spürt man, dass die Energie beispielsweise meines Hundes wieder in den Fluss kommt?

Das spürt man oft schon während der Behandlung. Im Endeffekt äußert es sich so, dass der Hund sich während der Behandlung entspannt, er wird ruhiger und viele schlafen ein. Bei anderen Tieren kann sich die Entspannung natürlich anders zeigen. Zum Beispiel Pferde schlafen nicht ein, aber auch die werden ruhiger, sie fangen an zu kauen und schnauben ab.

Wobei kann Reiki Tiere unterstützen?

Reiki kann bei jeder Art von psychischen Problemen unterstützen, bei Angstzuständen beispielsweise. Ich habe es aber auch schon oft angewandt bei Rückenproblematiken, um an der Wirbelsäule den Fluss wieder herzustellen. So kann es beispielsweise bei Hunden mit Spondylose unterstützen. Reiki hilft zudem, wenn das Tier ein Transportproblem hat, egal ob Pferd, Katze oder Hund. Es gibt Hunde, die Angst vor dem Autofahren haben. Reiki hilft diesen Hunden wieder in ihre Ruhe, in ihre Gelassenheit zu kommen, weil der Energiefluss wieder da ist. Das ist letztendlich das gleiche wie beim Menschen auch. Im Humanbereich habe ich relativ viele Patienten, die Schlafprobleme haben. Sie kommen nicht zur Ruhe, können nicht richtig einschlafen,da kann Reiki auch unterstützend helfen.

Gibt es Probleme, Krankheiten oder irgendetwas, das eine Reiki Behandlung ausschließt: Also eine Kontraindikation?

Nein. Es ist für jedes Tier und immer gut.

Wie lange dauert eine Reiki Sitzung? Das variiert wahrscheinlich von Tier zu Tier und von Problem zu Problem, oder?

Ja, das variiert ein bisschen. Es kommt auch darauf an, wie sich das Tier darauf einlässt. Es gibt Tiere, die erst einmal skeptisch sind. Ich berühre sie ja. Das heißt, ich muss erst einmal über die Grenze des Tieres gehen und das muss es auch erst einmal zulassen. Manche lassen es schnell zu und manche brauchen ein bisschen. Das beeinflusst dann auch die Behandlungszeit. Im Schnitt dauert Reiki für Tiere eine dreiviertel Stunde bis Stunde.

Mein Hund zum Beispiel lässt sich von Fremden gar nicht anfassen, kann der trotzdem mit Reiki behandelt werden?

Ja. Ich kann auch fern behandeln: Es ist ja alles Energie. Also wenn das Tier es nicht zulässt oder beispielsweise in Amerika lebt und ich in Deutschland, dann kann man auch sogenannte Fernbehandlungen durchführen. Das heißt, man nimmt mental mit dem Lebewesen Kontakt auf und geht mental die Reikibehandlung durch.

Was wird dafür benötigt?

Das handhabt jeder Therapeut etwas anders. Ich finde es schön, wenn ich ein Foto von dem Tier habe, das ist aber keine Pflicht. Dann lasse ich mir noch das Geburtsdatum und den Namen des Tieres geben, um Kontakt aufzunehmen.

Wie oft sollte ein Tier Reiki bekommen?

Das ist ganz unterschiedlich, weil jeder Organismus anders reagiert. Es kommt natürlich auch darauf an, was behandelt werden soll. Bei manchen reicht eine Behandlung aus und manche brauchen einfach öfter Reiki. Zum Beispiel bekommt man es selten mit einer Behandlung hin, wenn ein Hund ein Trauma hat. Das Trauma ist ja oft manifest, deshalb sind meistens mehrere Behandlungen nötig. In dem Fall sollte man schon dranbleiben. Es kommt aber eben auf das Tier an. Manche reagieren so, dass nach dem ersten Mal schon alles in Ordnung ist.

Ist es denn generell sinnvoll, sein Tier regelmäßig mit Reiki behandeln zu lassen?

Es gibt kein Lebewesen, dass keine Blockaden hat: sei es Energieblockaden oder im Muskel- oder Skelettbereich. Um den Fluss aufrecht zu halten, ist es gut Reiki durchzuführen und dranzubleiben. Das muss auf keinen Fall jede Woche sein, aber regelmäßig in gewissen Abständen. Das dient auch der Prävention. Wenn alles im Fluss ist, kann man damit auch beispielsweise die Organe unterstützen.

Kann man als Laie sehen oder merken, dass das Tier eine Blockade hat und eine Reiki Behandlung sinnvoll ist?

Es ist nicht immer für den Laien äußerlich sichtbar. Es kann sich im Verhalten äußern, muss es aber nicht. Manche Kunden lassen ihre Tiere regelmäßig behandeln zum Beispiel einmal im Monat. Die kommen dann und sagen zuerst: „Der Hund hat eigentlich nichts.“ Nach der Behandlung sagen sie: „Da war doch etwas: Denn der Hund ist jetzt anders, vorher war er so und so.“ Also man sieht es nicht immer im Vorfeld.

Mein Hund spiegelt mich auf unterschiedliche Art und Weise. Das gilt ja sicherlich auch für andere Hund-Mensch-Teams: Ist es sinnvoll, dass sich der Mensch mitbehandeln lässt?

Das ist es. Aber wir sprechen hier von Energiearbeit: Der Besitzer ist in der Regel dabei und so bekommt er die Energie auch ab. Er wird also in das Energiefeld mit eingearbeitet.

Worauf sollte man Ihrer Meinung nach achten, um einen guten Therapeuten zu finden?

Ganz wichtig ist für mich immer, die Chemie muss stimmen. Was noch wichtig ist, ist, dass derjenige oder diejenige auch eine Anamnese macht. Also dass er nachfragt: Wo gibt es Probleme? Warum soll das Tier mit Reiki behandelt werden? Was hat das Tier für eine Lebensgeschichte? Was hat es für gesundheitliche Probleme, wenn welche vorliegen? Was hat es für Verhaltensstörungen, wenn welche vorliegen, und und und. Das finde ich sehr wichtig, weil es ist für mich die Basis ist, dass ich über das Tier oder den Menschen Bescheid weiß. Dadurch kann ich das Lebewesen besser einordnen.

Vieles ergibt sich dann auch durch das Gespräch. Da haben die Besitzer vielleicht vorher gar nicht drüber nachgedacht und sagen dann: „Ah ja stimmt.“ Zum Beispiel kann der Hund  nicht gut Autofahren, er dreht ab, speichelt, ist total unruhig, manche spucken auch den Wagen voll. Wenn man nachfragt, ob irgendetwas gewesen ist, sagen die meisten aber erst einmal nein, weil es ihnen nicht einfällt. Das lasse ich dann erst einmal so stehen und frage stattdessen zum Beispiel wo der Hund herkommt, wie er zu ihnen gekommen ist. Die Person erzählt dann vielleicht, dass der Vierbeiner 23 Stunden mit dem Transporter gefahren ist und so kann ich mir vorstellen, dass er nicht mehr gern in ein Auto steigen will. Das ist jetzt nur ein Beispiel.

Natürlich muss ich keine Anamnese machen, aber ich will etwas über den Patienten wissen als Basis für eine gute Therapie. Als Tierheilpraktikerin biete ich auch noch andere Therapien an und empfehle neben Reiki dann beispielsweise noch andere unterstützende Mittel. Ich finde die Anamnese ist eine gute Einschätzung für einen guten Therapeuten. Das ist das A und O.


Vielen Dank an Carolin Hempel für dieses spannende Gespräch!

Foto: © oben: Lilli/Adobe Stock, Portrait im Text: Mona El Mansouri

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