Albtraum für Herrchen und Frauchen: Die eigene Fellnase hatte einen Unfall und benötigt unverzüglich medizinische Erstversorgung. Doch was tun, um den Vierbeiner stabil für den Transport zum nächsten Arzt zu machen? Auch wenn es schwerfällt: An erster Stelle steht Ruhe bewahren. Bei einem Verkehrsunfall gilt es, sofort die Unfallstelle abzusichern. Zudem können Tiere unter Schockeinwirkung ein unberechenbares Verhalten zeigen. Daher gilt: Vorsichtig dem Verletzten nähern, um keinen Angriff zu provozieren. Darüber hinaus versuchen Vierbeiner instinktiv vom Unfallort zu fliehen, wodurch sich Verletzungen verschlimmern.

Liegt ein Schock vor?

Ganz wichtig: Schockzustände nicht unterschätzen! Sie führen zum Zusammenbruch des Blutkreislaufes und unbehandelt verlaufen sie durchaus tödlich. Typische Symptome für einen Schock sind apathisches, depressives Verhalten, sinkende Körpertemperatur, mangelnde Reaktion auf Umweltreize, erhöhte Atem- und Herzfrequenz sowie verzögerte Füllzeit der Kapillaren. Hund und Katze haben normalerweise eine Körpertemperatur zwischen 38 und 39 °C. Als kritisch gelten somit alle Werte unter 36 °C und über 40,5 °C. Liegt ein Schock vor, müssen Ersthelfer umgehend dafür sorgen, dass die Körpertemperatur nicht noch weiter sinkt, und den Patienten für den Transport in wärmende Decken hüllen.

Atmet das Tier?

Hebt und senkt sich der Brustkorb nicht ersichtlich, dient ein Handspiegel zur Kontrolle. Bei vorhandener Atmung beschlägt der Spiegel. Andernfalls schaut der Retter nach, ob Blut oder Erbrochenes die Atemwege verstopfen, und säubert den Rachenraum, wenn nötig, mit einem um Zeige- und Mittelfinger gewickelten Taschentuch. Setzt die Atmung trotzdem nicht ein, ist eine künstliche Beatmung erforderlich. Hierfür holt der Helfer tief Luft, umfasst die Nase des Tieres mit den Lippen und atmet kontrolliert aus, bis sich der Brustkorb hebt. Das Maul muss dabei verschlossen bleiben. Wiederholung: sechsmal pro Minute.

Schlägt das Herz noch?

Am einfachsten lässt sich der Herzschlag an der Innenseite des Oberschenkels erfühlen. Dort verläuft die Beinschlagader, an der die Pulswelle durch leichten Druck mit zwei Fingern gegen den Oberschenkelknochen spürbar wird. Fühlt der Retter keinen Herzschlag, prüft er diesen durch Auflegen des Ohres auf den Brustkorb. Bei schwachem oder nicht feststellbarem Puls muss er sofort mit Herzmassage im Wechsel mit künstlicher Beatmung beginnen, weil in solchen Fällen auch immer die Atmung aussetzt. Idealerweise liegt der tierische Patient für die Wiederbelebungsmaßnahmen auf der rechten Seite auf festem Untergrund. Um die richtige Position des Herzens festzustellen, winkelt der Helfer das linke Vorderbein des Tieres leicht an, sodass der Ellenbogen auf das linke untere Viertel des Brustkorbs zeigt. Direkt hinter der Spitze des Gelenks befindet sich der richtige Ansatzpunkt für die Herzmassage. Bei kleineren Tieren bis zur Größe einer Katze üben Retter mit Zeige- und Mittelfinger Druck auf den Brustkorb aus. Für größere Tiere setzen sie beide Hände übereinander ein. Wiederholung: zehn- bis fünfzehnmal kräftig zudrücken und anschließend künstlich beatmen.

Was tun bei starken Blutungen?

Hoher Blutverlust ist lebensgefährlich. Starke Blutungen lassen sich mit einem Druckverband stillen. Hierfür ein Päckchen Verbandmull auf die Wunde drücken und mit einer elastischen Binde fixieren. In extremeren Fällen müssen Herrchen oder Frauchen die betroffene Extremität abbinden, um den Blutfluss zu stoppen. Wichtig: nie direkt über einem Gelenk den Zufluss abklemmen und in Abständen von circa 20 Minuten den Stau kurzfristig lösen.

Wie werden Wunden richtig versorgt?

Um Wunden besser beurteilen zu können, schneidet der Ersthelfer das Fell großzügig um die Verletzung mit einer abgerundeten Schere weg und entfernt Fremdkörper mit einer Pinzette. Dreiprozentiges Wasserstoffsuperoxyd aus der Apotheke eignet sich gut zum Ausspülen von Verschmutzungen wie Erde oder Speichel und beugt so einer Tetanusinfektion vor. Anschließend folgt das Trockentupfen der Verletzung mit einer fusselfreien Gaze. Zum weiteren Schutz dient ein Verband, der nicht zu stramm gewickelt werden darf, aber auch nicht verrutschen soll.

Was gehört in eine Erste-Hilfe-Box?

Jedes Herrchen oder Frauchen sollte eine Erste-Hilfe-Box mit folgenden Inhalten sowohl im Haushalt als auch im Auto griffbereit haben:

Diverse Hilfsmittel:

• Decke zum Schutz vor Kälte, besonders bei Schockzuständen

• Schere mit abgerundeten Enden zum Entfernen von Haaren rund um eine Wunde

• Kräftige Schere zum Zuschneiden von Verbandmaterial • Fieberthermometer

• Kleine Taschenlampe • Pinzette, um Fremdkörper entfernen zu können

• Gummistaubinde, Gummischlauch oder elastische Binde, um einen Stauverband anzulegen • Kälteakku zum Stillen von Blutungen oder Kühlung bei Hitzschlag

• Einwegspritze zur Verabreichung von Medikamenten

Verbandmaterial:

• Holzspatel

• Heftpflaster in verschiedenen Größen

• Verbandwatte

• Rollwatte

• Mullbinden

• Krepppapierbinden

• Elastische selbstklebende Fixierbinden

• Sterile Gazetupfer Medikamente:

• Elektrolyttabletten oder -pulver zum Verabreichen bei schwerem Durchfall und Erbrechen

• 3%-iges Wasserstoffsuperoxid zur Desinfektion von oberflächlichen Wunden

• Sterile Flüssigkeit zum Spülen der Augen und zur Reinigung von Wunden

• Reisetabletten

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Wie kann ich mich absichern?

Auch der aufmerksamste Tierbesitzer ist leider nicht davor gefeit, dass seinem Liebling etwas zustößt. Im Falle einer Erkrankung oder eines Unfalls übernimmt die AGILA sämtliche Kosten. 

Foto: © Fiedels/fotolia.com

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