Davor graut wohl jedem Tierbesitzer: Es ist 22 Uhr und plötzlich verhält sich der Vierbeiner ganz komisch. Er mag nichts mehr fressen, hat einen aufgeblähten und harten Bauch, läuft unruhig umher und jammert. Aber wie finden Sie heraus, ob es sich wirklich um einen Notfall handelt? Und was können Sie tun, wenn Ihr Vierbeiner nachts oder am Wochenende erkrankt?

Was ist überhaupt ein Notfall?

Es gibt Gesundheitsprobleme, bei denen Sie Ihren Liebling sofort in einer Tierklinik vorstellen müssen. Dazu gehören zum einen lebensbedrohliche Situationen und zum anderen Probleme, die schwere Folgeschäden nach sich ziehen können, wenn sie nicht schnell behandelt werden. In unserer Notfall-Checkliste haben wir einige Fragen für Sie zusammengefasst, die Sie bei Ihrer ersten Einschätzung, ob es sich um einen Notfall handelt, unterstützen können. Möglicherweise hilft Ihnen auch, sich zu fragen: „Würde ich die Notaufnahme aufsuchen oder einen Krankenwagen rufen, wenn ich selbst oder ein Freund diese Symptome hätte?“

An wen kann ich mich im Notfall wenden?

Rufen Sie im Notfall am besten zunächst Ihren Haustierarzt an – er kennt Ihr Tier am besten. Und auch, wenn er selbst gerade keinen Notdienst anbietet, so läuft doch häufig eine Bandansage mit den Kontaktdaten der nächsten diensthabenden Praxis oder Klinik. Die meisten Landestierärztekammern bieten zudem auf ihrer Internetseite entsprechende Suchfunktionen oder Auflistungen an. Manchmal finden Sie die Information auch in Ihrer regionalen Tages- oder Wochenzeitung.

Notfall-Behandlung zuhause – geht das?

Was aber tun, wenn Sie es nicht in die Tierklinik schaffen? Gerade in der heutigen Zeit, in der immer mehr Tierärzte ihren Notdienst einstellen und die Wege in die nächste Klinik somit länger werden können, sind Alternativen gefragt. In einigen Regionen Deutschlands bieten Tierärzte einen mobilen Notdienst an. Sie kommen vorbei und haben wichtige Utensilien und Medikamente dabei, um Ihr Tier zu untersuchen und eine Erstversorgung vorzunehmen. Stellen sie dabei fest, dass Ihr Liebling weitere Untersuchungen, eine Intensivbehandlung oder eine Operation benötigt, übernehmen viele Anbieter auch den sicheren Transport in die nächste Klinik. Schauen Sie doch mal im Internet, ob es in Ihrer Region einen mobilen Notdienst gibt. Eine Tierkrankenversicherung übernimmt auch in diesem Fall die Untersuchungs- und Behandlungskosten.

Telemedizin: Der Notdienst der Zukunft?

Sie sind sich nicht sicher, ob es sich um einen Notfall handelt? Sie möchten Hilfe für Ihr krankes Tier, auch wenn es gerade kein dringender Notfall ist? Oder Sie wünschen sich einfach zeitnah den ausführlichen und kompetenten Rat eines Tierarztes? Dann kann Ihnen eine telemedizinische Beratung möglicherweise weiterhelfen. Am Telefon oder per Videochat können Sie teilweise sofort, teilweise nach vorheriger Terminvereinbarung, mit einem Tierarzt sprechen und ihm Ihr Anliegen schildern. Bietet der Tierarzt einen Videochat an, können Sie ihm – wenn Ihr Vierbeiner mitspielt – beispielsweise Verletzungen, Lahmheiten oder andere Krankheitsbilder Ihres Tieres zeigen.

Chancen der Telemedizin für Tiere

Anhand Ihrer Schilderungen und dem optischen Eindruck Ihres Tieres kann der Tierarzt grob einschätzen, wie schlecht es Ihrem Liebling wirklich geht. Möglicherweise können Sie Ihrem Vierbeiner dann – zumindest bis zur nächsten regulären Sprechzeit Ihres Haustierarztes ­– mit pflegerischen Maßnahmen selbst weiterhelfen. In manchen Fällen müssen Sie vielleicht gar keine Tierarztpraxis mehr aufsuchen. Auch wir Zweibeiner schaffen es schließlich in vielen Fällen, ohne einen Arztbesuch wieder gesund zu werden, beispielsweise bei einer Erkältung oder nachdem wir uns vertreten haben. Und wenn es sich doch um einen Notfall handelt, kann der Tierarzt Ihnen wichtige Tipps für Erstversorgung und Transport geben und Ihnen die nächste Notdienst-Praxis nennen. Eine weitere Chance, die die Telemedizin bietet, sind Beratungen. Wenn Sie beispielsweise wissen möchten, welches Entwurmungsschema für Ihren Vierbeiner das beste ist, oder ob und welche Risiken eine Narkose mit sich bringt, können Sie sich am Telefon beraten lassen.

Birgt die Telemedizin auch Risiken?

Die Telemedizin kann in vielen Situationen weiterhelfen, aber sie hat auch ihre Grenzen. Fotos und Live-Videos können bislang eine kompetente Untersuchung in der Praxis nicht vollständig ersetzen und durch eine telemedizinische Beratung kann keine definitive Diagnose gestellt werden. Oft muss der Tierarzt neben dem Seh- und dem Hörsinn auch den Tast- und den Geruchsinn einsetzen, um einer Krankheitsursache auf die Spur zu kommen. In vielen Fällen benötigt er dazu noch weitere Untersuchungsmethoden – er untersucht beispielsweise Blut, Kot oder Urin und fertigt Röntgenbilder Ihres Vierbeiners an. Zudem dürfen Tierärzte nur nach einer Untersuchung in der Praxis tiermedizinische Medikamente abgeben. In diesen Fällen müssten Sie dann möglicherweise zusätzlich den Notdienst aufsuchen und zahlen einen Teil der Kosten doppelt. Natürlich kann es auch passieren, dass durch die telemedizinische Beratung eine Erkrankung sehr sicher eingrenzt wird, dass ihr Vierbeiner allerdings noch an einer weiteren Erkrankung leidet, die dabei übersehen wird.

Ob also ein telemedizinisches Angebot das richtige für Sie und Ihren Vierbeiner ist, hängt daher ganz von der Situation und auch von Qualifikation und Erfahrung der Tierärzte ab. In einem Notfall sollten Sie Ihr Tier auf jeden Fall so schnell wie möglich persönlich im Notdienst vorstellen.

Würden Sie für Ihren Liebling ein telemedizinisches Angebot in Anspruch nehmen? Und wenn ja, in welcher Situation? Haben Sie es vielleicht sogar schon einmal ausprobiert? Erzählen Sie uns davon unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!.

Foto: © ChenPG/Adobestock

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