Im Notfall zählt jede Sekunde. Doch was tun, wenn ein Unfall unerwartete Verletzungen mit sich bringt oder plötzlich Symptome auftreten, die wir nicht zu behandeln wissen? Damit Sie Ihrem Liebling sofort helfen können, haben wir die wichtigsten Handlungsanweisungen für Sie zusammengefasst. Informieren Sie sich hier über Erste Hilfe für Katzen.


Inhaltsverzeichnis:


Erste Hilfe für Katzen: Einen Notfall erkennen

Nicht immer sind Tierhaltende sich sicher, ob es sich bei ihrem Liebling um ein kleines Wehwehchen handelt oder eine sofortige tierärztliche Behandlung nötig ist. Ein Besuch in der Praxis bedeutet für viele Tiere schließlich noch zusätzlichen Stress, den man gern vermeiden würde. Um Sie bei der Frage „handelt es sich um einen Notfall?“ zu unterstützen, haben wir eine Notfall-Checkliste für Sie und Ihr Tier erstellt. Generell sollten Sie auf folgende Merkmale achten:

  • Die normale Körpertemperatur einer Katze liegt zwischen 38 und 39°C. Je nach Alter und Stresslevel kann sie variieren, so können Kitten auch eine Temperatur von bis zu 39,5°C haben. Bei ruhigen, erwachsenen Katzen spricht man normalerweise ab 39,3°C von Fieber, ab 41°C von hohem Fieber und ab 41,6°C Körpertemperatur wird der Zustand akut lebensbedrohlich. Wie Sie bei Ihrer Katze die Körpertemperatur messen, sehen Sie hier (zum Vergrößern anklicken):

  • Eine gesunde Katze atmet durch die Nase, mit ungefähr 15 bis 40 Atemzügen pro Minute. Ist die Atmung dauerhaft beschleunigt, atmet die Katze nur noch durch den Mund oder hechelt sie, stimmt etwas nicht.
  • Gesunde Schleimhäute sind feucht und haben eine hellrosa Färbung – dunkelrot, gelb, blass oder sogar blau muss umgehend untersucht werden. Drücken Sie vorsichtig auf die Mundschleimhäute, sollte die Druckstelle kurz blass werden, sich aber nach weniger als 2 Sekunden wieder rosa gefärbt haben.
  • Maßgebliche Veränderungen im Stuhlgang oder beim Wasserlassen sollten schnell untersucht werden: Setzt die Katze keinen Kot oder Urin mehr ab oder tut dies nur noch unter Schmerzen oder hat sie blutigen, flüssigen Durchfall, sollten Sie umgehend eine Tierärztin oder einen Tierarzt aufsuchen.
  • Verhaltensänderungen wie Unruhe, Apathie, Angst, Aggression usw. sollten Sie aufmerksam machen. Ist Ihre Samtpfote nicht mehr ansprechbar, sollten Sie direkt in die Klinik fahren.
  • Den Puls Ihrer Katze können Sie im oberen, vorderen Drittel der Innenseite des hinteren Oberschenkels spüren. Finden Sie dort die Arterie und legen Sie die Fingerkuppen Ihres Mittel- und Zeigefinger ohne Druck auf. Normalerweise hat eine Katze eine Herzfrequenz von 120 bis 180 Schlägen pro Minute, bei Stress kann sie jedoch schnell auf 200 ansteigen.

Gerade Katzen verstecken Ihre Schmerzen häufig sehr gut. Hat sich eine Samtpfote beim Streifzug verletzt, bemerken Haltende es häufig erst recht spät. Auch Tierärztinnen und Tierärzte machen regelmäßig die Erfahrung, dass die zunächst unscheinbaren Symptome kaum den Dimensionen des eigentlichen Problems gerecht werden. An die Erste Hilfe für Katzen sollte sich zur Sicherheit also unbedingt ein Tierarztbesuch anschließen. Bringen Sie Ihren Liebling lieber einmal zu viel zu Ihrer Tierärztin oder Ihrem Tierarzt, anstatt seine Gesundheit und sogar sein Leben zu riskieren!

Maßnahmen für Erste Hilfe für Katzen

Sie sind kein tiermedizinisches Fachpersonal und können gar nicht die Kenntnisse und Fähigkeiten in dem Umfang haben, wie bei Ihrer Tierärztin oder Ihrem Tierarzt vorhanden ist. Darum ist es immer wichtig, umgehend die Praxis bzw. Klinik aufzusuchen - ob die Tiere sich nun verletzt haben, ihr Kreislauf zusammengebrochen ist, sie Vergiftungssymptome aufzeigen oder den Haltenden der Grund gar nicht bekannt ist. Damit Sie jedoch im Notfall nicht komplett hilflos dastehen und so handeln, dass Sie Ihrem Tier helfen, gibt es ein paar Maßnahmen, die Sie als Erste Hilfe für Katzen ergreifen können. Ihre Hand wird wahrscheinlich mit Körperflüssigkeiten der Katze wie Speichel oder Blut in Berührung kommen. Schützen Sie sich selbst und Ihren Liebling, indem Sie sterile Einweghandschuhe nutzen. 

Notfall

Symptome

Erste Hilfe-Maßnahmen

Schock/Unterkühlung (tritt häufig in Verbindung mit anderen Notfällen auf)

  • Apathie
  • Flache Atmung
  • Blasse Schleimhäute
  • Sinkende Körpertemperatur
  • Katze seitlich legen
  • Wärmen (langsam aufwärmen, nicht plötzlich)

Insektenbisse und -stiche

  • Nicht immer offensichtlich erkennbar
  • Lecken der betroffenen Stelle
  • Speicheln und Erbrechen
  • Zittern
  • Nach Biss-/Stichstelle suchen (auch im Mund- und Rachenraum)
  • Betroffene Stelle kühlen

Hitzschlag

  • Unruhe, Hecheln
  • Fortgeschritten: Apathie
  • Probleme mit dem Kreislauf
  • Langsam abkühlen (bspw. mit in Wasser getauchten Tüchern)
  • Nicht zu kaltes Wasser anbieten

Verbrennungen

  • Leichte Verbrennungen: Betroffene Stelle ist gerötet
  • Schwere Verbrennungen: Brandblasen, offene Wunden
  • Leichte Verbrennungen: vorsichtig kühlen
  • Offene Wunde mit einem sauberen Verband abdecken

Atemnot

  • Beschleunigte Atmung
  • Hecheln
  • Atmen durch das Maul und nicht die Nase
  • Würgen, Erbrechen (durch Fremdkörper)
  • Im Mund-/Rachenraum nach Fremdkörpern schauen & ggf. diese entfernen (ggf. die Katze dafür auf die rechte Seite legen und die Zunge vorsichtig hervorziehen)
  • Fremdkörper im Hals: Mit der Handfläche sanft, aber bestimmt zwischen die Schulterblätter schlagen
  • Hängt ein Faden o.ä. aus dem Mund (oder After), nicht daran ziehen –  Verletzungsgefahr!
  • Bei Stichen: Kühlung

Vergiftung

  • Abhängig von der Ursache können vielfältige Symptome auftreten
  • Zittern, Krampfen
  • Erbrechen, Durchfall
  • Atemnot
  • Blassgraue Schleimhäute
  • Idealerweise den Grund ermitteln und der Tierärztin oder dem Tierarzt mitteilen/den verdächtigen Stoff mitbringen
  • Ggf. Kohletabletten verabreichen, um das Gift zu binden

Brüche

  • Bein: Bein wird nicht belastet
  • Rippen: Schwere Atmung
  • Wirbelsäule: Lähmungserscheinungen in Hinterbeinen und/oder Schwanz
  • Kiefer: Asymmetrische Gesichtsform
  • Tier möglichst ruhig stellen, zur Not vorsichtig auf einem Brett (mit einer Binde/einem Verband) fixieren
  • Warm halten, da Schock-Gefahr

Wunden

  • Änderungen im Verhalten, ggf. eingeschränkte Bewegungsfähigkeit
  • Lecken der betroffenen Stelle/Wunde
  • Blutung
  • Starke, pulsierende Blutungen (Schlagader) sauber und fest abbinden und einen Verband/Druckverband darüber anlegen
  • Wundversorgung
  • Eingespießte Gegenstände nicht entfernen – Gefahr weiterer Verletzungen und starker Blutung!

Verletzungen am Auge

  • Tränen, Rötungen, gelblicher Ausfluss, ggf. Verletzung erkennbar
  • Reiben und Kratzen des Auges
  • Änderungen im Verhalten, Orientierungslosigkeit
  • Weiteres Berühren der betroffenen Stelle/Verletzung unterbinden, ggf. Halskragen anlegen
  • Verletzung mit einer sterilen Elektrolytlösung (falls nicht zur Hand: mit sauberem, lauwarmem Wasser) vorsichtig spülen
  • Feststeckende Fremdkörper nicht eigenständig entfernen (Gefahr weiterer Verletzungen)!

 

Wiederbelebende Maßnahmen für Katzen

Wenn eine Katze (bspw. nach einem Unfall) bewusstlos ist, nicht atmet und auch kein Puls zu spüren ist, können wiederbelebende Maßnahmen die letzte Hoffnung für das Tier sein. Die Beatmung und Herzmassage sind darum essentiell, wenn es um Erste Hilfe für Katzen geht. Ob Versuche der Wiederbelebung in dem Moment Sinn machen, erkennen Sie daran, ob sich eine geweitete Pupille bei Lichteinfall zusammenzieht. Reagiert die Pupille nicht, ist es für wiederbelebende Maßnahmen leider zu spät.

Prüfen Sie immer als erstes:

-          ob Herzschlag und Atmung ausgesetzt sind

-          und ob die Pupille auf Lichteinfall reagiert.

Wenn das Tier nicht atmet und auch das Herz nicht mehr schlägt, jedoch die Pupillen noch immer auf Licht reagieren, sollten Sie sofort mit den wiederbelebenden Maßnahmen beginnen.

 

  1. Legen Sie die Katze auf die rechte Seite, öffnen Sie das Maul, ziehen Sie vorsichtig die Zunge hervor und entfernen Sie ggf. Fremdkörper und Erbrochenes.
  2. Bleibt eine Atmung beim Tier weiterhin aus, können Sie mit der Beatmung beginnen. Schließen Sie dafür das Maul der Katze (wofür natürlich die Zunge wieder vollständig im Mund sein muss) und halten Sie es zu, legen Sie ein luftdurchlässiges Tuch auf die Nase und blasen Sie durch die Nase der Katze in einem Rhythmus von ungefähr drei bis fünf Sekunden. Der Brustkorb sollte sich leicht (!) heben.
  3. Für die Herzmassage bei fehlendem Puls legen Sie Ihre linke Hand flach auf den oberen Brustkorb. Mit zwei Fingern (dem Zeige- und mittleren Finger) Ihrer rechten Hand drücken Sie dann auf Ihre linke Hand – fünf bis 10 mal schnell hintereinander.

Kombinieren Sie beide Maßnahmen, indem Sie sie idealerweise mit der Hilfe einer weiteren Person gleichzeitig durchführen. Ansonsten gilt: 30 x Herzmassage auf 2 x Beatmung. Wichtig ist, dass eine Behandlung durch eine Tierärztin oder einen Tierarzt daran umgehend anschließt!

Verhaltensregeln für Erste Hilfe für Katzen

Wenn es unseren Vierbeinern schlecht geht, geht es auch uns nicht gut. Doch so nervenaufreibend die Situation auch sein mag – es ist wichtig, dass Sie Ruhe bewahren! Das lässt Sie zuverlässiger und sicherer handeln und wirkt sich außerdem beruhigend auf Ihr Tier aus. Rufen Sie dann umgehend Ihre Tierärztin oder Ihren Tierarzt an, um die Situation zu erklären. So kann sich die Praxis auf Ihren Besuch vorbereiten und Ihnen bereits telefonisch so gut es geht helfen. Ergreifen Sie entsprechende Erste Hilfe-Maßnahmen für Katzen und machen Sie sich schnellstmöglich auf den Weg zur Ärztin oder zum Arzt – am besten noch mit einer weiteren Person zur Unterstützung (insbesondere beim Transport hilfreich, wenn Tiere verletzt sind und fixiert werden müssen).

Erste Hilfe für Katzen: Kurse für mehr Sicherheit

Um mehr Sicherheit darin zu erlangen, Erste Hilfe für Katzen durchzuführen, können Sie außerdem Kurse speziell zur Ersten Hilfe am Tier besuchen, die beispielsweise in einigen Praxen angeboten werden. Hier haben Sie die Möglichkeit, lebensrettende Maßnahmen detailliert veranschaulicht zu bekommen - idealerweise sogar von einer Ärztin oder einem Arzt persönlich.

Sie haben auch einen Hund zuhause? Dann informieren Sie sich außerdem über Erste Hilfe am Hund, die eine andere ist als Erste Hilfe für Katzen.

Dieser Artikel wurde geprüft von Tierärztin Melanie Ahlers.

Die genannten Informationen stellen keine Anleitung zur Selbstdiagnose und Behandlung von Tierkrankheiten dar. Tierhalter sollten bei gesundheitlichen Problemen ihres Tieres in jedem Fall einen Tierarzt um Rat fragen. Diagnosen über das Internet sind nicht möglich.

Foto: © daniel rajszczak/Adobe Stock

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