Die Tollwut beim Hund ist eine Tierseuche. Das Tollwut-Virus kann nicht nur Tiere befallen, sondern stellt auch für den Menschen eine tödliche Gefahr dar. Zwar ist die Krankheit in Deutschland und den meisten Ländern Europas weitestgehend ausgerottet, dennoch kostet sie weltweit noch immer viele Leben. In diesem Artikel haben wir für Sie zusammengefasst, was Sie über Tollwut beim Hund wissen sollten.


Inhaltsverzeichnis:


Was ist Tollwut beim Hund?

Die Tollwut beim Hund ist eine durch Viren verursachte Krankheit. Sie gehört zu den Zoonosen, das heißt, sie kommt sowohl bei Tieren als auch bei Menschen vor, sodass Hunde, Katzen, andere Tiere und der Mensch sich gegenseitig infizieren können. Tollwut beim Hund äußert sich in der Regel zunächst über Verhaltensänderungen wie Angst oder Nervosität, hin zu Unruhe und Aggressivität und erwirkt letztlich Lähmungserscheinungen, bevor sie bei Hunden immer – bei Menschen fast immer – tödlich endet. Verdachtsfälle sind anzeigepflichtig, müssen also dem Amtstierarzt oder der Amtstierärztin sofort angezeigt werden, wobei die Tierseuche in Deutschland als ausgerottet gilt.

Tollwut beim Hund: Ursachen

Deutschland gilt als tollwutfrei, das Virus ist allerdings ansonsten in weiten Teilen der Welt verbreitet – insbesondere in Asien und Afrika, wo 95 Prozent der weltweit gemeldeten Fälle vorkommen. Als besonders ernstzunehmender Überträger gilt der Fuchs, über dessen Bisse die Krankheit besonders häufig übertragen wird. Doch auch andere Wildtiere wie beispielsweise Fledermäuse sind von der Tierseuche betroffen und auch Hunde können infiziert sein. Das mag zwar meist Straßenhunde betreffen, doch auch Hirten-, Wach- oder Haushunde können angesteckt werden und durch die Nähe zu ihren Besitzer:innen ebenfalls für den Menschen zur Gefahr werden. Das Virus findet sich vor allem im Speichel eines infizierten Hundes, sodass es über Bisse und das Ablecken von Wunden oder Schleimhäuten übertragen wird, nur selten auch über die Ausscheidungen.

Tollwut beim Hund: Symptome

Bei einer Infektion wandert das Virus von der Eintrittsstelle – meist also von der Bisswunde aus – in das zentrale Nervensystem des Hundes. Von dort aus verbreitet es sich in den Rest des Körpers. Dementsprechend ist der Eintritt erster Symptome abhängig von dem Weg des Virus in das zentrale Nervensystem – je länger der Weg ist, umso mehr Zeit vergeht zwischen Ansteckung und ersten Anzeichen. Die Symptome sind auf eine massive Entzündung des Gehirns zurückzuführen und teilen sich in drei Phasen. Jede dieser Stufen dauert wenige Tage an und alle drei können sich überschneiden.

  • Prodromal-Phase: Der Hund zeigt Veränderungen im Verhalten, er wird unruhig und eigentlich schüchterne Hunde werden auf einmal zutraulich. Diese Folge der Infektion ist besonders heimtückisch, da so eher Kontakte zwischen Menschen und „wilden“ Hunden entstehen. Erste Schluckbeschwerden führen zu einem vermehrten Speichelfluss.
  • Exzitationsphase: Die namensgebende Wut tritt auf, der Hund wirkt sehr erregt und schnappt oder beißt häufig. Es ist wichtig, dass Sie sich nicht von dem Tier beißen lassen, um selbst eine Ansteckung zu vermeiden.
  • Paralysestadium: Der Hund hat Lähmungserscheinungen, kann ins Koma fallen und verstirbt letztlich.

Nicht immer treten alle drei Stufen in ihrer beschriebenen Ausprägung auf. So kann bei der sogenannten „stillen Wut“ die Exzitationsphase übersprungen werden und es treten früher Lähmungen auf. Unter anderem wirkt der Hund teilnahmslos, speichelt, hat eine heisere Stimme und Probleme bei der Futteraufnahme. Auch kann es vorkommen, dass die Tollwut beim Hund chronisch oder milder verläuft, dann handelt es sich um die „atypische Wut“.

Eine vollkommen sichere Diagnose kann leider nicht am lebenden Tier erstellt werden, da sich die Erreger nur in der Gehirnmasse nachweisen lassen. Durch die bekannten Symptome können Tierärztinnen und Tierärzte jedoch einen Verdacht äußern und müssen dann sofort das Veterinäramt informieren. Dieses entscheidet, wie weiter vorgegangen wird.

Tollwut beim Hund: Behandlung und Prognose

Die Behandlung eines ungeimpften, tollwutverdächtigen Hundes ist gesetzlich verboten. Tiere, die unter Verdacht stehen, erkrankt zu sein, werden nach genauer Untersuchung als Tollwut-Fälle gemeldet und eingeschläfert. Doch auch wenn dem Tier Mittel aus der Humanmedizin gegeben würden, stehen die Chancen schlecht; nach dem Ausbruch der Krankheit, also nach dem Auftreten erster Symptome, endet Tollwut auch beim Menschen fast immer tödlich.

Wie kann ich Tollwut beim Hund verhindern?

Die Tollwutimpfung ist die einfachste und sicherste Methode, um Ihren Liebling vor der Krankheit zu schützen. Durch den gezielten Einsatz des Impfstoffes bei Haus- und Wildtieren, vor allem Füchsen, gelten Deutschland und andere Länder als tollwutfrei. Trotzdem sollten Sie den Kontakt Ihres Vierbeiners zu Wildtieren möglichst vermeiden. Lückenlos geimpfte Hunde, die Kontakt zu einem möglicherweise tollwütigen Wildtier hatten, werden (abhängig vom Beschluss des Amtstierarztes oder der Amtstierärztin) gegebenenfalls nur unter Beobachtung gestellt. Ungeimpften Tieren droht in Tollwut-Verdachtsfällen die Euthanasie.

Einreisebestimmungen in die Europäische Union, die unter anderem den Nachweis einer Impfung im Heimtierausweis vorschreiben, verhindern den erneuten Einzug der Krankheit. Aber Achtung: Leider ist nicht immer auf die Einträge hundertprozentiger Verlass. Lassen Sie nach der Einreise also am besten den Titer nochmal bestimmen.

Dennoch ist Tollwut beim Hund weltweit weiterhin eine Gefahr und verschuldet jährlich ungefähr 60.000 Menschenleben. Vor Reisen sollten Sie sich immer informieren, ob Sie sich möglicherweise in gefährdete Gebiete begeben. Gerade in ärmeren Regionen fehlen die Mittel für die Bekämpfung der Viruskrankheit, sodass sie auf Hilfe angewiesen sind. So hilft beispielsweise Tierärzte ohne Grenzen mit der Kampagne „Impfen für Afrika“, die Tollwut in Afrika zu bekämpfen.

Dieser Artikel wurde geprüft von Tierärztin Melanie Ahlers.

Die genannten Informationen stellen keine Anleitung zur Selbstdiagnose und Behandlung von Tierkrankheiten dar. Tierhalter sollten bei gesundheitlichen Problemen ihres Tieres in jedem Fall einen Tierarzt um Rat fragen. Diagnosen über das Internet sind nicht möglich.

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