geschrieben von Dr. Stefanie Ott

Nicht nur bei Welpen und Junghunden, sondern auch bei einigen erwachsenen Hunden kommen gelegentlich Fragen zur Stubenreinheit auf. Diese Fragen beziehen sich oftmals auf die Ursachen, die hinter der Unsauberkeit eines erwachsenen Hundes stecken können, und auf die Möglichkeiten, das Problem zu lösen.

Weshalb wird ein erwachsener Hund wieder unsauber?

Die Gründe dafür, dass ein erwachsener Hund nach einer längeren, oftmals mehrjährigen Phase der Stubenreinheit, wieder unsauber wird, sind vielfältig. Hierbei sollte man sowohl an medizinische Ursachen wie auch an verhaltensmedizinische Ursachen denken.

Medizinische Ursachen für eine Unsauberkeit

Verschiedene Krankheiten können dazu führen, dass ein Hund auch nach Jahren der Stubenreinheit wieder unsauber wird. Zuallererst denkt man dabei wohl an Erkrankungen des Harntrakts, also bspw. der Nieren, der Harnwege oder der Blase. Jedoch sollten auch Erkrankungen des Hormonsystems, bspw. ein Diabetes mellitus oder ein Diabetes insipidus, berücksichtigt werden. Nicht zuletzt können verschiedene Erkrankungen des Nervensystems oder des Bewegungsapparat – der Knochen, Muskeln und Gelenke – dazu führen, dass ein Hund erneut Probleme mit der Stubenreinheit entwickelt. Schließlich können auch verschiedene weitere Organsysteme an einer erneut auftretenden Unsauberkeit beteiligt sein.

Der Mechanismus, wie diese oder andere Krankheiten zu einer Unsauberkeit führen, ist sehr unterschiedlich. So kann es in einigen Fällen sein, dass ein Hund vermehrt Wasser aufnimmt und dementsprechend mehr Urin absetzen muss. In anderen Fällen ist die Wasseraufnahme normal, der Hund muss aber über den Tag verteilt viele kleine, anstatt weniger großer Geschäfte erledigen. Schließlich ist es auch möglich, dass ein Hund es einfach nicht mehr rechtzeitig nach draußen schafft – sei es, weil er sich bei Problemen mit dem Bewegungsapparat nicht schnell genug fortbewegen kann oder weil er bei Problemen mit den Sinnesorganen nicht wahrnehmen kann, ob er noch drinnen oder bereits draußen ist.

Verhaltensmedizinische Ursachen für eine Unsauberkeit

Bei den verhaltensbedingten Problemen mit der Stubenreinheit unterscheidet man zunächst das unerwünschte Markierverhalten und das unerwünschte Ausscheidungsverhalten. Die Ursache hinter unerwünschten Markierungen kann Territorialverhalten sein. Nicht selten wird dieses Verhalten jedoch auch als Reaktion auf vom Hund empfundenen Stress gezeigt. Die Ursachen hinter unerwünschtem Ausscheidungsverhalten sind vielfältiger: Zum einen sollte man an Veränderungen in der Haltung des Hundes denken, bspw. eine Veränderung des Futtermittels, des Fütterungszeitpunkts, im Tagesablauf des Halters oder die fehlende Möglichkeit, sich (rechtzeitig) am erwünschten Ort lösen zu können. Zum anderen kann dieses Verhalten als Bestandteil von unterwürfigem Verhalten, von Aufregung / Erregung, eines Angstproblems oder eines trennungsbezogenen Problems auftreten.

Lösungsmöglichkeiten für Unsauberkeit bei erwachsenen Hunden

Wie oben beschrieben kommen sowohl medizinische als auch verhaltensmedizinische Ursachen für ein Problem mit der Unsauberkeit in Frage. Beide Faktoren können einzeln auftreten oder die Unsauberkeit gemeinsam hervorrufen. Der erste Schritt auf dem Weg zur Problemlösung besteht in einer gründlichen tierärztlichen Allgemeinuntersuchung und ggf. weiterführenden Untersuchungen. Zum einen kann man damit absichern, dass es dem eigenen Hund körperlich gut geht. Zum anderen hilft dieser Schritt, zu verhindern, dass man im weiteren Training immer wieder an eine Grenze stößt – nämlich eine nicht diagnostizierte und therapierte Erkrankung des Hundes. Der zweite Schritt besteht in einer gründlichen Anamnese (Erhebung der Vorgeschichte) durch einen verhaltenstherapeutisch tätigen Tierarzt. Mit den Informationen, die dabei gewonnen werden, wird die mögliche Ursache für die Unsauberkeit nach und nach eingegrenzt.

Die Auswahl der weiteren Schritte und insbesondere deren individuelle Anpassung erfolgt dann anhand der Ursache wie auch anhand von Faktoren, die Hund, Hundehalter und Haltungsumwelt betreffen.

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