geschrieben von Barbara Nehring

Ein Hinweis zu Beginn: Erwachsene Hunde sollte man nicht länger als fünf Stunden, Welpen maximal eine Stunde allein lassen. 

Ein Hund bleibt nicht gern allein, wenn er die Verantwortung für Sie übernommen hat. Also ist es wichtig, dass Sie Ihren Hund führen und ihm nicht die Selbstbestimmung über die für ihn wichtigen Ressourcen (das kann z.B. Spielzeug oder auch Ihre Aufmerksamkeit sein) überlassen. Gewinnen Sie vor dem Trainieren des Alleinbleibens die Rudelführung zurück.

Ob Sie nicht der Rudelführer oder ein schlechter Rudelführer sind, erkennen Sie daran, dass

  • Ihr Hund Sie in der Wohnung überallhin verfolgt.
  • Ihr Hund nicht leinenführig ist. (bitte keine Flexileine verwenden)
  • Ihr Hund viele Dinge allein entscheidet. (Hausregeln anwenden)
  • Ihr Hund sich beim Gassi gehen nicht an Ihnen orientiert.
  • Ihr Hund leinenaggressiv ist.
  • Ihr Hund in vielen Situationen auf der Straße Angst hat.
  • Sie Ihren Hund an der Leine führen und nicht bemerken, dass er von einem anderen Hund bedrängt wird oder dass andere Gefahren auf ihn zukommen.

Arbeiten Sie bitte vor Beginn des Trainings an diesem guten Basisverhältnis.

So trainieren Sie das Alleine bleiben

Ich trainiere das Alleinbleiben im Zusammenhang mit dem Kommando „bleib“. Bitte beachten Sie außerdem, dass Sie…

  • dem Hund keinen Liegeplatz im Flur zur Verfügung stellen!
  • den Hund mit Ton und Zeichenkommando ins „bleib“ schicken, dann erst aus der Tür raus gehen, wieder zurückkommen und den Hund loben!

Diesen Ablauf steigern Sie langsam, indem Sie die jeweilige Zimmertür zumachen, aus der Wohnungstür raus, später zum Briefkasten gehen und so weiter. Verabschieden Sie sich nicht von Ihrem Hund. Geben Sie ihm bei über zehn Minuten eine Leckerchenstange (z.B. getrockneter Rinderpansen). Nehmen Sie ihm aber die Kauartikel wieder weg, sobald Sie zu Hause sind. Machen Sie beim Wiederkommen auch kein großes „Tarahh“. Es ist ganz normal und nichts Besonderes, dass Sie manchmal nicht da sind. Der Hund kann sich sicher fühlen. Das müssen Sie ausstrahlen – aber nicht sagen. Kommen Sie nicht wieder herein, wenn der Hund jault, sondern warten Sie auf einen Moment, in dem er ruhig ist. Verknüpfen Sie Schlüsselreize, die den Hund in Stress versetzen, positiv bzw. neutralisieren Sie sie (z.B. Schuhe anziehen). Lassen Sie nicht zu, dass Ihr Hund Sie immer in der Wohnung verfolgt.

Weitere Tipps

Loben Sie Ihren Hund immer, wenn er ruhiges, stressfreies Verhalten zeigt. Zusätzlich können Sie ein getragenes Kleidungsstück bei Ihrem Hund lassen, leise, sehr ruhige klassische Musik anschalten oder mit Pheromonen, Globuli oder beruhigenden Kräutern arbeiten, wenn Sie Ihren Vierbeiner alleine lassen. Die Trainingszeit beträgt bei täglichem Üben ca. drei Wochen. Wichtig: Lassen Sie Ihren Hund erst nach einem ausgiebigem Gassi-Gang, bei dem er sich lösen und körperlich auslasten kann, über 30 Minuten alleine. Zusätzlich können Sie dafür sorgen, dass sich Ihr Vierbeiner zu Hause nicht langweilt. Man darf den Hund niemals beim Heimkommen bestrafen, egal was er gemacht hat. Wenn Ihr Hund längere Zeit alleinbleiben muss, bitten Sie einen Gassi-Service ihn vorübergehend abzuholen.

Foto: © Anja Götz/fotolia.com

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