In Schlesin, einem kleinen Dorf nahe der Elbe in Mecklenburg-Vorpommern, liegt der Schnauzenhof, eine Pension, die sich speziell auf Menschen mit Hund eingestellt hat. Wir haben mit Kathrin Stobbe ein Interview geführt und durften dabei die Gastfreundschaft des Schnauzenhofs persönlich erleben.

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Der Schnauzenhof

Geführt wird der Hof von Kathrin Stobbe und Rainhard Hornik, die 2016 ihre frühere Heimat Hamburg hinter sich ließen, um „eine Erholungsoase für Mensch(en) mit Hund(en)“ zu schaffen. Das ist ihnen gelungen: Im alten Tanzsaal des ehemaligen Dorfgasthauses ist ein Treffpunkt für Gäste und ihre Vierbeiner entstanden, der mit seiner liebevollen Gestaltung, dem prasselnden Ofen und dem wunderbaren großen Holztisch zum Verweilen einlädt. Hier kommen die Gäste auch zum Frühstück und – auf Wunsch – zum Abendessen zusammen.

Direkt vor der Haustür beginnt die Natur: Wiesen und Wälder laden zu langen Spaziergängen ein, auf denen es vieles zu entdecken gibt. Zurück auf dem Schnauzenhof können die tierischen Gäste dann unbeschwert auf der 3000 m2 großen Freilauffläche toben, den riesigen Buddelberg erklimmen und sich im Hundepool erfrischen, während Mensch die klare Luft und den Ausblick genießt.

Interview mit Kathrin Stobbe von der Pension „Schnauzenhof“

Was kam zuerst: Der Hof oder die Idee, eine Pension für Menschen mit Hund zu eröffnen?

Das ging miteinander einher. Wir wollten aus Hamburg wegziehen und für uns und unsere Hunde einen Hof kaufen. Während wir gesucht haben, dachten wir uns beim Anschauen der Höfe, dass wir vielleicht auch Ferienwohnungen anbieten könnten. Letztendlich sind es dann Gästezimmer für Menschen mit Hunden geworden. Aber es gab keinen festen Plan – wir haben einfach auf dem Weg das Richtige gefunden.

Was war Ihnen bei der Gestaltung der Pension wichtig?

Wir haben uns überlegt, was wir selbst haben wollen würden, wenn wir mit unseren Hunden im Urlaub wären und den Hof danach gestaltet. Deswegen gibt es unsere große Freilauffläche, die zwei Meter hoch eingezäunt ist und nicht nur mit einer kleinen Hecke. Wir haben auch sichere Gehege für Gästehunde, die es gewohnt sind, überwiegend draußen zu leben. Für diese Hunde würde es Stress bedeuten, wenn sie mit ins Zimmer müssten.

Weil ich jemand bin, der morgens ohne Kaffee nicht ansprechbar ist, war mir wichtig, dass es für Gleichgesinnte auf den Zimmern eine Kaffeemaschine gibt. Und für Hundehaltende, die ihre Tiere frisch füttern wollen, gibt es einen Kühlschrank mit Gefrierfach. Unsere Zimmer sind auch nicht nur 20m2, sondern 45m2 groß, weil man mit Hund einfach mehr Platz braucht. Hinter allem stand also immer der Gedanke: „Was würde ich als Gast mit Hund brauchen?“

Haben Sie schon einmal selbst in einer Pension für Mensch und Hund Urlaub gemacht?

Nein, noch nicht. Es gibt in Deutschland mittlerweile ein paar Anbieter, aber für einen Urlaub mit Hund bleibt meist nur die Option, eine Ferienwohnung oder ein Ferienhaus zu mieten, wenn dort das Mitbringen von Tieren überhaupt gestattet ist. Für mich persönlich bedeutet Urlaub aber, dass ich mich morgens an einen gedeckten Frühstückstisch setzen kann und diesen nicht hinterher abräumen muss. Wir hatten auch schon Absagen, weil Gäste lieber eine eigene Küche haben und sich selbst verpflegen wollten. Das kann ich verstehen, aber aus meiner Sicht fehlt dann das „bisschen mehr“, was einen Urlaub ausmacht.

Wie viele Hunde können mitgebracht werden?

Es gibt bei uns keine Maximalgrenze, aber als Richtlinie gilt, dass die Hunde im Zimmer Platz haben müssen. Eine zweite Buchungsanfrage von jemandem, der zum gleichen Zeitpunkt ebenfalls viele Tiere mitbringen möchte, würde ich dann allerdings ablehnen. Das wäre ein Unruhefaktor auf dem Hof und sehr stressig für die Gäste und ihre Hunde. In der Regel kennen sich die Gäste ja nicht und für manche Vierbeiner ist es schwierig, sich mit anderen Menschen und Hunden auf engem Raum zu arrangieren.

Aus diesem Grund gilt bei uns auch überall Leinenpflicht auf dem Gelände, einfach aus Sicherheitsgründen, damit nicht ein Hund mal aus Versehen in einen anderen hereinrennt. Denn selbst, wenn die Hunde sich in einem Moment verstehen, heißt es nicht, dass es so bleibt, wenn etwas Unvorhergesehenes geschieht.

Auf der Freilauffläche können die Hunde dann aber lospesen. 

Gibt es Einschränkungen bezüglich der Rasse oder des Alters der Hunde?

Nein, wir sind auch eine der wenigen Pensionen, die bereits Welpen aufnehmen. Tatsächlich haben wir auch schon häufiger Gäste mit Rollstuhlhunden gehabt, die von der Barrierefreiheit unseres eigentlich für gehbehinderte Menschen gestalteten Zimmers profitieren.

Vom hiesigen Hundegesetz aus gibt es natürlich Einschränkungen, die aber nicht die Rasse betreffen, sondern zum Beispiel, dass die Hunde an der Leine zu führen sind. Aber das ist etwas, was ich hier in der Natur sowieso jedem Hundehaltenden wärmstens ans Herz lege. Wir haben das große Glück, noch echte Natur vor der Haustür zu haben, mit einem großen Bestand an Hirschen und Rotwild. Wenn der Hund dann im Wald wegläuft und auf einen Vierzehnender trifft, dann kann er vielleicht nicht mehr zurückkommen, auch wenn er es gewollt hätte. Das muss man realistisch sehen. Wir wollen alle gerne die Natur schützen – das heißt aber auch, dass wir uns an die Regeln halten müssen, auch wenn sie manchmal Einschränkungen mit sich bringen.

Haben Gäste während des Aufenthalts auch die Möglichkeit, an Seminaren teilzunehmen oder mit einem Hundetrainer zu arbeiten?

Ja, wir haben einen Hundetrainer hier aus der Region, den wir interessanterweise schon lange kannten, bevor er und wir hierher gezogen sind, und den wir hier wiedergetroffen haben. Auf Wunsch kommt er her und bietet unseren Gästen ein individuelles Hundetraining an. Im Herbst, Winter und Frühjahr veranstalten wir immer verschiedene Seminarwochenenden zum Zughundesport, den wir selbst betreiben, und vor allem auch zum Thema Hundegesundheit.

Letzteres ist mir persönlich sehr wichtig, denn ich habe beobachtet, dass viele mit ihren Tieren erst dann ärztliche Hilfe suchen, wenn diese bereits krank sind. Bis ein Hund aber anzeigt, dass es ihm nicht gut geht, vergeht viel Zeit, und mit mehr Grundwissen könnten die Haltenden früher erkennen, dass etwas nicht stimmt. Wer sich also mit dem Bewegungsapparat seines Vierbeiners, mit seiner Ernährung und mit Naturheilkunde auskennt, kann präventiv tätig werden.


Wir bedanken uns bei Kathrin Stobbe für das spannende Interview und die Einblicke in ihre Pension für Menschen mit Hund. Mehr über den Schnauzenhof, seine Besitzer und ihre Alaskan Malamute-Zucht erfahren Sie auf http://www.schnauzenhof.de/

Foto: © Ann-Catrin Büttner

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