Ein Gastartikel von Alexandra Goeke

Im ersten Teil dieser Serie haben Sie bereits Grundlegendes zum Sozialverhalten und dem Leben mit einer Katzengruppe erfahren. Heute klärt Katzentherapeutin Alexandra Goeke über Konfliktverhalten unter Samtpfoten auf und verrät, wie Sie es vermeiden oder darauf reagieren können.

Problemverhalten im Mehrkatzenhaushalt

Wenn Wohnungskatzen Stresssituationen ausgesetzt sind, hören sie auf, ihr Revier mit den Gesichtspheromonen zu bestreichen und zeigen uns damit, dass etwas in ihrem Umfeld nicht stimmt, sie sich nicht mehr wohl und sicher fühlen. Oft tritt in diesen Situationen das Markieren mit Harn oder Kratzen auf.

Unsauberkeit

Das Markieren zählt zum territorialen Verhalten und gehört somit zum normalen Ausdrucksrepertoire. Bei einer katzengerechten Haltung ist es jedoch unwahrscheinlich, dass dieses Verhalten gezeigt wird. Sollte es doch zu Markierungen kommen, deutet es darauf hin, dass irgendeine Veränderung im persönlichen Umfeld des Tieres nicht passt. Oft sind Ereignisse im Zusammenhang mit Territorialverhalten und Unsicherheit der Auslöser.  Vor allem bei Angst, Stress, Langeweile, Eifersucht, Depressionen, Schmerzen, falschem Toilettenmanagement und Lebensveränderungen bringt eine Katze dies mit Unsauberkeit zum Ausdruck.

Kratzen

Vermehrtes Kratzen hat generell nichts mit der Krallenpflege zu tun. Unsere Stubentiger hinterlassen in der Regel Kratzspuren an gut sichtbaren Orten, um das Revier gegenüber anderen Katzen abzugrenzen. Um die sogenannten Besitzansprüche zu bekräftigen, kratzen die Samtpfoten meist immer an den gleichen Stellen. Dieses Ausdrucksverhalten deutet ebenfalls auf Unsicherheit hin.

Damit sich unsere Stubentiger rund um wohlfühlen, benötigen sie ein artgerechtes, zeitlich und räumlich strukturiertes Umfeld. Beim Markieren mit Harn und durch Kratzen handelt es sich nicht um einen Racheakt! Es ist hier wichtig zu verdeutlichen, dass die Katze dieses Verhalten nie aus Protest gegenüber uns ausübt. Sie möchte uns nur darauf aufmerksam machen, dass etwas nicht in geregelten Bahnen läuft.

Wichtige Regeln bei Problemverhalten

Deshalb gilt eine goldene Regel: Bestrafen Sie niemals Ihre Katze! Loben und belohnen Sie das richtige Verhalten, denn das stellt bei unseren Samtpfoten die wirkungsvollere Methode dar, um ihnen zu vermitteln, was sie dürfen und was nicht. Schimpfen oder Bestrafungen wie schlagen, mit Wasser bespritzen, hinterherlaufen oder in Hände klatschen, erhöhen den Stresspegel und verschärfen die Situation. Ignorieren Sie Ihre Katze stattdessen und belohnen Sie sie bei richtigem Verhalten mit einem schmackhaften Leckerbissen.

Viele Verhaltensänderungen resultieren übrigens auch aus Krankheiten. Daher sollte immer an erster Stelle eine genaue tierärztliche Einschätzung erfolgen, um eine der vielen Ursachen für ein Verhalten auf der organischen Ebene auszuschließen.

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