Anatomie: So beweglich wie eine Schlange

Die Hundezunge besteht aus der Zungenwurzel, die am Zungenbein hängt und der Zungenspitze, auch Lyssa genannt. Benannt nach der altgriechischen Dämonin des Wahnsinns galt dieser etwa vier Zentimeter lange Schlauch im Mittelalter als Sitz der Tollwut und wurde auch „Tollwurm“ genannt. Deshalb schnitten die Menschen allen Hunden die Zungenspitze ab, sobald jemand durch einen Biss mit der gefährlichen Krankheit infiziert wurde. Heute bewundern die Wissenschaftler die Lyssa, die es Hunden möglich macht, die Zungenspitze unabhängig vom Rest zu verformen. Die Akrobatik der Hundezunge ist schlichtweg der Wahnsinn – im positiven Sinne.

To do: Diese drei wichtigen Dinge übernimmt die Hundezunge

Kühlung
Unsere Fellnasen können nur über die Pfoten schwitzen. Um auch bei höheren Temperaturen oder Anstrengung nicht zu überhitzen, sorgt die Zunge durch Verdunstung für eine gesunde Normaltemperatur und ist damit überlebensnotwendig. Deshalb brauchen unsere Vierbeiner vor allem im Sommer ausreichend Wasser.

Trinken
Wenn Hunde trinken, dann hört und sieht man das. Pfützen sind keine Seltenheit. Dabei ist das Trinkverhalten unserer Vierbeiner raffiniert. Mit Hilfe von moderner Technik, Zeitlupenaufnahmen und Röntgenbildern fanden Forscher der Virginia Tech in Blacksburg heraus, dass Hunde ihre Zunge knicken, parallel auf die Wasseroberfläche aufkommen lassen und so einen Wasserstrom nach ob ziehen, welchen sie dann im Maul auffangen.

Übrigens trinken auch Katzen auf diese Weise, wie eine Studie 2010 herausfand. Der Unterschied liegt in der Beschleunigung der Aufwärtsbewegung: Hunde trinken mindestens doppelt so schnell. Mehr zur Katzenzunge können Sie auch in unserem Artikel „Die Zunge der Katze“ lesen.

Nahrungsaufnahme
Schmecken können Hunde mit nur 1500 Geschmacksknospen – sechsmal weniger als wir Menschen - nicht so gut. Stattdessen entscheidet der Duft, ob etwas mundet oder nicht. Das Jacobsonsche Organ in der Nase sogt für das Erschnuppern von Sexualduftstoffen und Nahrung und leitet den notwendigen Prozess des Speichelns ein. Dafür ist dann die Unterzungendrüse zuständig. Die Verdauung beginnt nicht erst im Magen, sondern direkt im Maul.

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Hundeküsse: Eklig, gefährlich, bedenkenlos oder gar heilend?

„Et calor qui in lingua est, vulneribus et ulceribus sanitatem convert“ – Die Wärme, die in der Zunge ist, bringt Gesundheit für Wunden und Geschwüre.“ (Hildegard von Bingen, Mystikerin und Ärztin aus dem frühen Mittelalter)

Zur Wundheilung gibt es heute andere Möglichkeiten, aber eine Studie der University of Arizona zeigt, dass Hundeküsse keineswegs gefährlich sind. Eklig? Ja bestimmt, wenn man daran denkt, was unsere Fellnasen tagtäglich fressen. Doch die Mikroben auf der Hundezunge sollen das Wachstum positiver Mikroorganismen im menschlichen Körper anregen und damit sogar zur Gesundheit beitragen. Dies ist noch nicht wissenschaftlich erwiesen, denn die Studie zum Thema läuft noch. Fest steht aber, dass Kinder, die mit Hunden aufwachsen und dadurch kleinen Mengen an Bakterien ausgesetzt sind, ein besseres Immunsystem haben. Wer also häufiger feuchte Küssen von seinem Liebling bekommt, muss sich keine Sorgen um seine Gesundheit machen.

Verwendetes Bildmaterial

Foto: © Kar Tr/fotolia.com

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