Eine chronische Niereninsuffizienz gehört zu den am häufigsten diagnostizierten Katzenkrankheiten in der Tierarztpraxis. Vor allem ältere Samtpfoten sind davon betroffen. Wenn Sie wissen möchten, auf welche Hinweise Sie bei Ihrer Katze achten können oder Ihr Tierarzt eine Niereninsuffizienz festgestellt hat, können Sie sich im folgenden Text ausführlich darüber informieren.


Inhaltsverzeichnis:


Was ist eine Niereninsuffizienz bei der Katze?

Die Niere ist ein wichtiges Organ: Sie ist dafür zuständig, Stoffe, die den Körper (in zu hoher Menge) schädigen könnten, über den Urin auszuscheiden. Dabei hält sie gleichzeitig die Stoffe im Blut zurück, die die Katze braucht. Darüber hinaus reguliert die Niere den Wasser-, den Elektrolyt und den Säure-Basen-Haushalt und sie produziert wichtige Hormone. Bei einer Niereninsuffizienz oder Nierenschwäche verliert die Niere diese Funktionen – entweder akut, wenn die Niere beispielsweise durch ein Trauma, eine Infektion oder einen Tumor angegriffen wird, oder schleichend.

Den schleichenden Funktionsverlust der Nieren nennt man chronische Niereninsuffizienz ­– sie ist bei der Katze sehr häufig. Viele Katzen zeigen allerdings erst dann Symptome, wenn der Großteil der Niere(n) schon beschädigt ist. Die Erkrankung tritt meistens bei älteren Samtpfoten auf. Ab einem Alter von 12 Jahren steigt das Risiko einer Niereninsuffizienz. Ungefähr die Hälfte aller Katzen in diesem Alter sind betroffen. Wenn die Nieren erst einmal beschädigt sind, dann können sie nicht mehr geheilt werden. Der Verlauf der Krankheit kann dann lediglich durch Medikamente, bestimmte Managementmaßnahmen oder spezielles Futter verzögert werden.

Niereninsuffizienz bei der Katze: Symptome

Bei einer Niereninsuffizienz schafft es die Niere nicht, ausreichend Wasser im Körper zu halten. Betroffene Katzen scheiden deshalb mehr verdünnten Urin aus. Der Harn ist dann hell und wässrig. Indem sie mehr trinken, versuchen sie, ihren Flüssigkeitshaushalt wieder aufzufüllen. Ansonsten würden sie austrocknen. Einige Giftstoffe, die normalerweise mit dem Urin ausgeschwemmt werden, bleiben im Körper. Dort wirken sie giftig und schädigen beispielsweise die Schleimhäute im Maul und in Magen-Darm-Trakt.

Im Anfangsstadium der Krankheit zeigen die Katzen häufig keine oder nur sehr leichte Symptome, die oft auf das vorangeschrittene Alter geschoben werden. Deutlichere Anzeichen treten meistens sehr spät auf, sodass in vielen Fällen schon über 60 Prozent der Nieren beschädigt sind.

Folgende Symptome können bei chronischer Niereninsuffizienz bei Katzen vorkommen:

  • häufiges Trinken
  • häufiges Urinieren
  • Appetitlosigkeit
  • Übelkeit
  • Erbrechen
  • Austrocknung
  • Stumpfes, struppiges, ungepflegtes Fell,
  • Teilnahmslosigkeit
  • Muskelschwund
  • Schwäche
  • Verstopfung
  • Speicheln und Schmerzen beim Fressen wegen Geschwüren im Maul
  • Mundgeruch
  • Blutiger Kot oder Blutarmut durch Magen-Darm-Geschwüre
  • Vergiftungserscheinungen: Zittern, Muskelzuckungen, (Krampf-)Anfälle

Eine chronische Niereninsuffizienz wird von Experten in vier verschiedenen Stadien eingeteilt. Damit der Tierarzt das Stadium Ihrer Samtpfote ermitteln kann, muss er Blut- und Urinuntersuchungen durchführen.

Stadium

Anzeichen

Risikopatient

Katzen, die sehr alt sind oder deren Vorgeschichte Hinweise auf nierenschädigende Medikamente oder Infektionserkrankungen liefert; Nierenwerte (Kreatinin im Blut) normal; keine Symptome

Stadium I

Katzen mit hinweisenden Untersuchungsbefunden wie verdünnter Urin oder abnormal geformten Nieren; Nierenwerte normal

Stadium II

Katzen mit leicht erhöhten Nierenwerten; kaum oder keine Symptome

Stadium III

Katzen mit mittelgradig erhöhten Nierenwerten; verschiedene, meist milde Symptome

Stadium IV

Katzen mit stark erhöhten Nierenwerten und deutlichen, mitunter schweren Symptomen

 

Häufig geht mit einer chronischen Niereninsuffizienz bei der Katze auch ein Bluthochdruck einher, der die Krankheit noch verkomplizieren kann, indem er die Niere, aber auch andere Organe wie die Augen oder das Gehirn schädigt. Auch Elektrolytverschiebungen im Blut und eine vermehrte Ausscheidung von Eiweißen mit dem Urin sind ein Symptom, dass der Tierarzt bei der Beurteilung und Behandlung der Niereninsuffizienz berücksichtigen muss.

Niereninsuffizienz bei der Katze: Ursachen

Es gibt unterschiedliche Ursachen für eine Niereninsuffizienz bei der Katze, die jedoch für das individuelle Tier häufig ungeklärt bleiben. Das auslösende Ereignis liegt vermutlich oft mehrere Jahre zurück. Die Niere wird zunächst nur leicht geschädigt – das verbleibende intakte Nierengewebe übernimmt die Aufgaben des verlorenen Gewebes und ist damit überlastet. Dadurch wird nach und nach immer mehr Nierengewebe zerstört.

Daher sind meistens ältere Tiere betroffen. Aber auch jüngeren Katzen können erkranken. Werden die Nieren zum Beispiel bei einem Unfall stark beschädigt, kann das zu einem anhaltenden Funktionsverlust führen. Vererbung, Vergiftungen, Infektionen, verminderte Durchblutung, Missbildungen oder aber Immunreaktionen können weitere Ursachen für eine Niereninsuffizienz sein.

Niereninsuffizienz bei der Katze: Untersuchung

Beobachten Sie Symptome bei Ihrer Samtpfote, die auf eine chronische Niereninsuffizienz hinweisen könnten, sollten Sie Ihren Tierarzt aufsuchen. Er wird zunächst eine allgemeine Untersuchung durchführen und dabei insbesondere die Schleimhäute in der Maulhöhle begutachten und die Bauchorgane abtasten.

Um eine Niereninsuffizienz bei der Katze zu diagnostizieren, benötigt der Tierarzt eine Blut- und Urinprobe. Die Gewinnung des Urins gestaltet sich bei Katzen oft schwierig. Dafür gibt es ein beispielsweise spezielles Streu. Das besteht aus Plastikkügelchen, die den Urin nicht aufsaugen und somit einfach mit einer Pipetten eingesammelt werden kann. Falls es Ihnen nicht gelingt, zuhause Urin Ihrer Katze zu sammeln, wird der Tierarzt ihn direkt aus ihrer Blase entnehmen. Dazu punktiert er mit einer dünnen Nadel durch die Haut die Harnblase. Das geht ganz schnell und tut nicht mehr weh als eine normale Spritze.

Zunächst wird dann das sogenannte spezifische Gewicht des Harns gemessen. Es zeigt an wie verdünnt und konzentriert der Harn ist. Dann wird die Urinprobe unter dem Mikroskop untersucht. Befinden sich dort vermehrt Proteine, Blut oder Entzündungsmerkmale, können das ebenfalls Begleiterscheinungen einer Niereninsuffizienz bei der Katze sein.

Bei Funktionsstörungen der Niere sind die sogenannten Nierenwerte, Kreatinin und Harnstoff, im Blut erhöht. Die Stoffe werden normalerweise mit dem Urin ausgeschieden. Ist die Funktion der Nieren eingeschränkt, sind sie nicht mehr in der Lage dazu die Stoffe herauszufiltern. Diese sammeln sich dann im Körper und reichern sich im der Blut an, sodass sie dort nachweisbar sind. Insbesondere das Kreatinin gibt Aufschluss darüber, ob eine Nierenschädigung vorliegt – allerdings ist es erst erhöht, wenn bereits 75 Prozent des Nierengewebes zerstört ist. Seit einiger Zeit gibt es einen Früherkennungswert, das sogenannte SDMA (symmetrisches Dimethylarginin). Dieser kann die Schädigungen der Nieren schon im Frühstadium – etwa ab 25-30 Prozent zerstörtem Nierengewebe – anzeigen, auch wenn die Katze noch keine Symptome hat.

Im Blut können außerdem Begleiterscheinungen einer chronischen Niereninsuffizienz sichtbar werden. Mitunter ist beispielsweise das Kalium im Blut erniedrigt, was zu körperlichen Symptomen wie einem Herabhängen des Kopfes führen kann. Auch eine Blutarmut (Anämie) kommt nicht selten bei Katzen mit chronischer Niereninsuffizienz vor und weist auf blutende Magen-Darm-Geschwüre hin.

Bei etwa zwei Drittel aller Katzen mit bestehender Niereninsuffizienz kann der Blutdruck erhöht sein. Viele Tierarztpraxen verfügen mittlerweile über ein Blutdruckmessgerät und können somit die Werte kontrollieren. Da Katzen beim Tierarzt häufig gestresst sind, kann erst dann gemessen werden, wenn sich die Samtpfote beruhigt hat. Die Aufregung würde sonst die Werte verfälschen. Der Blutdruck wird bei Katzen entweder am Vorderbein oder am Schwanz gemessen. Das Messen an sich dauert ein paar Sekunden, wie bei uns Menschen auch. Sollte bei Ihrer Katze Bluthochdruck diagnostiziert werden, kann dieser mit Medikamenten eingestellt werden. Im weiteren Untersuchungsverfahren kann es sein, dass der Tierarzt Ihre Katze röntgt oder eine Ultraschalluntersuchung durchführt, um mögliche Veränderungen an den Nieren, in der Harnblase oder im Magen-Darm-Trakt zu erkennen.

Niereninsuffizienz bei der Katze: Behandlung

Eine Niereninsuffizienz bei der Katze kann nicht geheilt werden. Durch eine Behandlung kann die Krankheit jedoch kontrolliert und das Fortschreiten verzögert werden. Wie die Behandlung aussieht, hängt davon ab, welche Befunde der Tierarzt in seinen Untersuchungen feststellt. Für alle erkrankten Katzen gilt:

  • Sie müssen immer genügend trinken, damit die Nieren ordentlich durchgespült werden und sich keine Giftstoffe ablagern. Sollte Ihre Katze nicht von alleine ausreichend Flüssigkeit zu sich nehmen, benötigt sie gegebenenfalls eine Infusion vom Tierarzt. Manche Katzen werden durch einen Trinkbrunnen zum Trinken angeregt, andere durch die Zugabe von Fisch- oder Fleischsaft.
  • Möchte Ihre Katze nichts fressen, muss sie wohlmöglich ein paar Tage stationär aufgenommen und gefüttert werden, damit sie schnell wieder zu Kräften kommt. Manche Katzen lassen sich besser zum Fressen motivieren, wenn Nassfutter angewärmt oder mit warmem Wasser angereichert ist: Es riecht dadurch appetitlicher. Sind offene Stellen in der Maulhöhle Schuld daran, dass Ihre Samtpfote weniger frisst, können sie versuchen, auf Trockenfutter umzusteigen, da dies möglicherweise weniger an den Geschwüren brennt.
  • Katzen, die an einer Niereninsuffizienz erkrankt sind, benötigen den Rest ihres Lebens eine Nierendiät. Das ist ein spezielles Futter, das auf die Bedürfnisse der kranken Katzen angepasst ist. Vor allem Nassfutter oder eingeweichtes Trockenfutter hilft Ihrer Samtpfote dabei, mit der Nahrungsaufnahme gleichzeitig genügend Flüssigkeit aufzunehmen.

Darüber hinaus gibt es individuelle Empfehlungen für Katzen mit bestimmten Untersuchungsbefunden:

Bei einem erhöhten Phosphorwert im Blut sollte beispielsweise ein Phosphatbinder über das Futter gegeben werden. Bei Bluthochdruck, einer Blutarmut, Magen-Darm-Beschwerden oder wenn die Katze Eiweiße mit dem Urin ausscheidet, sind entsprechend bestimmte Medikamente angezeigt.

Niereninsuffizienz bei der Katze: Ernährung

Katzen mit einer Niereninsuffizienz müssen für den Rest ihres Lebens eine spezielle Nierendiät fressen. Normales Katzenfutter ist ungeeignet – es sei denn die Katze frisst dann gar nicht mehr. Die spezielle Nahrung sollte am besten weniger Eiweiße (Proteine), Phosphor und Natrium enthalten, dafür aber reich an Kalium und hochwertigen Fettsäuren. Die Futterumstellung auf eine Nierendiät sollte nur in Absprache eines Tierarztes stattfinden. Dieser kann Sie beraten und hat eventuell schon einige Futtersorten in der Praxis, die er Ihnen mitgeben kann. Viele Katzen haben oft keinen richtigen Appetit und lehnen das neue Futter ab. Sie können es gegebenenfalls mit ein bisschen Thunfischwasser vermischen, das mögen viele Katzen gerne. Allerdings ist das keine Dauerlösung und nur dafür gedacht, die Katze an das Futter heranzuführen. Möchte Ihre Katze das Futter gar nicht fressen, dann sollten sie den Hersteller wechseln. Mittlerweile gibt es viele Unternehmen die Nierendiätfutter für Katzen herstellen.

Niereninsuffizienz bei der Katze: Vorbeugung

In der Regel können sie einer Niereninsuffizienz bei der Katze nicht vorbeugen. Wichtig ist, dass sie Katzen, die zur Risikogruppe gehören, also vor allem ältere Samtpfoten, ausgewogen und altersentsprechend ernähren und bei ihnen regelmäßige Blutuntersuchungen durchführen lassen. Früh erkannt können die Schädigungen und der Krankheitsverlauf verzögert werden.

Niereninsuffizienz bei der Katze: Prognose

Die Niereninsuffizienz bei der Katze ist, neben Unfällen, die häufigste Todesursache. Allerdings erkranken häufig ältere Katzen, die bei einer frühen Diagnose, regelmäßigen Kontrollen und einem speziellen Futter trotzdem noch älter werden können.

Niereninsuffizienz bei der Katze: Kosten

Eine Niereninsuffizienz ist eine dauerhafte Erkrankung und nicht heilbar. Ihre Katze wird bis ans Ende ihres Lebens eine bestimmte Ernährung benötigen und zusätzlich gegebenenfalls noch Medikamente. Bei der ersten Untersuchung wird der Tierarzt eine allgemeine Untersuchung und eine Blut- und Urinuntersuchung durchführen. Es kann außerdem sein, dass Ihr Tierarzt noch eine Röntgenaufnahme und eine Ultraschalluntersuchung durchführen wird. Befindet sich Ihr Liebling in einem schlechten Zustand, nimmt Ihr Tierarzt Ihre Katze gegebenenfalls stationär auf. Der Tierarzt rechnet alle Leistungen gemäß der Gebührenordnung für Tierärzte ab. Ihnen sollte bewusst sein, dass die oben genannten Behandlungen und die regelmäßigen Kosten für Kontrolluntersuchungen, Medikamente und Futter die Tierarztrechnungen in die Höhe treiben können.

 

Dieser Artikel wurde geprüft von Tierärztin Melanie Ahlers.

Die genannten Informationen stellen keine Anleitung zur Selbstdiagnose und Behandlung von Tierkrankheiten dar. Tierhalter sollten bei gesundheitlichen Problemen ihres Tieres in jedem Fall einen Tierarzt um Rat fragen. Diagnosen über das Internet sind nicht möglich.

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