Ein Milztumor beim Hund ist leider keine Seltenheit. Diese Tumorart macht einen großen Teil der diagnostizierten Bauchtumoren aus und kann tödliche Folgen haben. Im folgenden Artikel können Sie sich über Milztumore informieren und erfahren außerdem noch etwas über Symptome, Behandlungen, Prognosen und Kosten.


Inhaltsverzeichnis:


Funktionen der Milz beim Hund

Die Milz liegt hinter dem Magen, in der vorderen Hälfte des Bauchraums und kann bei einem großen Hund bis zu 25 cm lang werden. Sie ist für den Abbau alter Blutzellen und für die Bildung, Reifung und Speicherung von Lymphozyten zuständig. Lymphozyten gehören zu einer Untergruppe der weißen Blutkörperchen (Leukozyten) und sind besonders wichtig für die Abwehr von Krankheitserregern.

Die Milz ist kein lebenswichtiges Organ. Sollte sie krankheitsbedingt entfernt werden, kommen die betroffenen Hunde gut damit zurecht. Ihre Aufgaben werden dann von anderen Organen, wie zum Beispiel der Leber, übernommen.

Was ist ein Milztumor beim Hund?

Stellt ihr Tierarzt eine Veränderung in der Milz fest, muss das nichts Böses heißen. In etwa der Hälfte aller Fälle steckt dahinter eine gutartige Veränderung –­ in der anderen Hälfte jedoch ein Tumor. Der häufigste bösartige Milztumor beim Hund ist das Hämangiosarkom. Diese Tumorart geht von den Endothelzellen, also der Innenauskleidung der Gefäßwände aus. Weitere bösartige Milzerkrankungen  sind:

  • Sarkome (Bindegewebstumore)
  • Lymphome (Lymphdrüsentumore)
  • Blastome (krankhafte Neubildung von Gewebe)
  • Adenokarzinome (Tumor im Drüsengewebe)

Bösartige Tumore metastasieren häufig, das heißt, dass sie sogenannte Tochtergeschwulste (Metastasen) im ganzen Körper verstreuen. Wird der Hund gar nicht oder erst sehr spät behandelt, können sich die Metastasen verteilen und beispielsweise die Lunge, das Herz, die Leber oder das Gehirn befallen. Bei Hämangiosarkomen besteht auch das Risiko, dass die Tumorzellen sich auf die umliegenden Organe und die Bauchwand ausbreiten – insbesondere dann, wenn die Milz aufgrund des Tumors reißt.


Vor allem Hunde zwischen acht und zehn Jahren sind anfällig für die Bildung eines solchen bösartigen Milztumors. Tierärzte beobachten außerdem eine erhöhte Häufigkeit bei Rüden und bestimmten Rassen, wie:

  • Deutscher Schäferhund
  • Weißer Schäferhund
  • Dogge
  • Boxer
  • Golden Retriever
  • Labrador Retriever

Aber auch alle anderen Hunde sind gefährdet und können an einem Milztumor erkranken. Die Tatsache, dass auch Hunde immer älter werden, können eine Tumorbildung in der Milz begünstigen.


Zu den weniger problematischen Veränderungen in der Milz gehören gutartige Tumore und Milzerkrankungen wie Entzündungen oder Blutergüsse sowie sogenannte noduläre Hyperplasien – hierbei ist die Milz an bestimmten Stellen knotig vergrößert.

Gutartige Milztumore beim Hund können zwar auch größer werden und dadurch andere Organe einquetschen oder die Milz in ihrer Funktion einschränken, allerdings befallen diese selten Nachbargewebe. Ein kleiner gutartiger Tumor, der nicht weiter wächst und den Hund nicht einschränkt, kann erstmal unbehandelt bleiben. Ein bösartiger Tumor sollte jedoch sicher ausgeschlossen und die Veränderung sollte regelmäßig kontrolliert werden. Denn auch ein gutartiger Tumor kann die Milz schädigen, sodass es zu mitunter lebensbedrohlichen Blutungen kommen kann. Sprechen Sie in einem solchen Fall mit Ihrem Tierarzt.

Neben den bösartigen und gutartigen Tumoren der Milz gibt es auch Veränderungen, die wie Tumore aussehen, allerdings gar keine sind. Auch diese müssen von einem Tierarzt untersucht und sicher als solche diagnostiziert werden, damit der Gesundheitszustand Ihres Hundes stabil bleibt und nichts übersehen wird. Manchmal ist es ratsam, eine veränderte Milz vorsorglich zu entfernen, damit Ihr Hund weiterhin unbeschwert leben kann.

Milztumor beim Hund: Symptome

Die Symptome bei Hunden mit Milztumoren werden häufig sehr spät wahrgenommen. Anfängliche Symptome sind zum Beispiel:

  • Teilnahmslosigkeit
  • Bewegungsunlust
  • Bauchweh
  • Blasse Schleimhäute

Da diese Anzeichen bei alternden Vierbeinern oder auch bei anderen Erkrankungen auftreten können, kann ein Milztumor beim Hund lange unbemerkt bleiben. Wenn  ein bösartiger Tumor weiter wächst und zusätzliche Organe wie Herz, Leber oder Lunge befällt, können die Symptome deutlicher werden. Streut der Tumor beispielsweise in die Lunge des Tieres, kann es zu Atembeschwerden kommen. Insgesamt wird sich der Gesundheitszustand des Patienten wahrscheinlich rapide verschlechtern bis zu dem Punkt, dass sich Ihr Hund gar nicht mehr bewegen will oder kann.

Eine schwere Komplikation, die bei jeder Art der Milzveränderung auftreten kann, ist ein Milzriss. Hierbei blutet der Hund stark in die Bauchhöhle – ein lebensbedrohlicher Zustand. Eine vergrößerte Milz reißt eher, weil das Bindegewebe der Kapsel gedehnt und geschwächt ist und schneller reißen kann. Hunde mit einem Milzriss können folgende Symptome zeigen, die allerdings je nach der verlorenen Blutmenge variieren: Unruhe, leichte Bauchschmerzen, Teilnahmslosigkeit, blasse bis porzellanweiße Schleimhäute, schwacher bis schwankender Gang, angespannte Bauchdecke, Erbrechen oder Kreislaufkollaps.

Achtung: Sollte sich der Gesundheitszustand bei Ihrem alten Hund plötzlich verschlechtern und er dabei eines oder mehrere der oben genannten Symptome zeigen, suchen Sie umgehend einen Tierarzt auf. Kontaktieren Sie zuvor die Praxis und melden sich an. Das tiermedizinische Fachpersonal kann dann schon alles für die Untersuchung vorbereiten und Ihrem Liebling schnell helfen. Sollten Sie es nicht schaffen, Ihren Hund alleine zu mobilisieren, fragen Sie Nachbarn oder Freunde um Hilfe. In so einem Fall ist es sehr wichtig, dass Ihr Hund schnellstmöglich medizinisch versorgt wird.

 

Milztumor beim Hund: Untersuchung

Um den Ausbreitungsgrad eines Milztumors beim Hund festzustellen, führen Tierärzte gewisse Voruntersuchungen durch. Sie dienen vor allem als Grundlage für die Entscheidung, zu welcher Therapie der Tierarzt raten kann und liefern auch Informationen für die Prognose. Außerdem kann der Tierarzt auch die Schwere möglicher anderer Krankheiten, die nichts mit der Tumorerkrankung zu tun haben, einschätzen. Dies kann ebenfalls für Behandlung und Prognose relevant sein.


Beim Verdacht auf einen Milztumor wird der Tierarzt vermutlich folgende Untersuchungen durchführen:

Bei einer ausführlichen Untersuchung prüft der Tierarzt den Allgemeinzustand des Hundes. Dabei kann er beispielsweise bereits Hinweise auf eine Blutarmut, Kreislauf- und Lungenstörungen, vergrößerte Organe im Bauchraum oder veränderte Lymphknoten feststellen.

Eine Blutuntersuchung kann Hinweise auf (tumorbedingte) Veränderungen im Hundekörper liefern. Wenn Ihr Vierbeiner einen Milztumor hat, kann beispielsweise eine Blutarmut vorliegen oder bestimmte Organwerte können aufgrund von Metastasen verändert sein. Veränderungen – ob tumorbedingt oder nicht – müssen ggf. zusätzlich behandelt werden und können sich auch auf mögliche Therapieoptionen auswirken. Ein Hund mit abnormalen Nierenwerten verträgt eine Narkose möglicherweise schlechter.

Röntgenbilder vom Bauchraum können Veränderungen in der Milz bildlich darstellen, allerdings erst ab einer bestimmten Größe. Sollten Veränderungen festgestellt werden, können diese nicht immer einem bestimmten Organ zugeordnet werden, sodass meist anschließend ein Ultraschall von den entsprechenden Regionen durchgeführt wird. Um auszuschließen, dass sich Metastasen in der Lunge befinden, können zudem Röntgenbilder von der Lunge erstellt werden. Diese sollten in verschiedenen Positionen aufgenommen werden, da die Metastasen leicht von anderen Geweben verdeckt werden können. Zudem werden gegebenenfalls auch Hinweise auf andere Lungen- oder Herzerkrankungen sichtbar, die das Narkoserisiko des Patienten beeinflussen können.

Mit einer Ultraschalluntersuchung kann die Zubildung in der Milz bildlich dargestellt und ausgemessen werden. Auch andere schon betroffene Organe sowie zusätzliche Krankheiten, die eine Therapie erschweren, kann der Tierarzt so identifizieren. Obwohl einige Veränderungen typisch für bestimmte Tumoren sind, kann der Tierarzt durch eine Ultraschalluntersuchung allein meist keine definitive Diagnose stellen.

Beim Herzultraschall wird das Herz aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet, um Metastasen und Tumore im Herzen aufzuspüren. Hämangiosarkome können dort primär oder als Metastase vorkommen. Möglicherweise müssen Sie für diese Untersuchung zu einem Kardiologen überwiesen werde, da nicht jeder Tierarzt diese Untersuchung anbietet.

Bei einer Punktion oder Feinnadelaspiration werden unter Ultraschallkontrolle mit einer dünnen Nadel Zellen aus der Milz entnommen. Dies ist nicht schmerzhafter als eine normale Spritze und kann bei den meisten Tieren im Wachzustand vorgenommen werden. Anhand der Zellen kann der Tierarzt in manchen Fällen feststellen um welchen Tumor es sich handelt. Entdeckt der Tierarzt im Ultraschall, dass sich mehr Flüssigkeit in der Bauchhöhle befindet als normal, kann er mittels Punktion zudem prüfen, ob es sich um Blut oder eine andere Flüssigkeit handelt.

Der Begriff Probelapratomie bezeichnet einen operativen Eingriff, bei dem die Bauchhöhle geöffnet wird. Der Tierarzt hat dann eine gute Übersicht über alle Organe, die sich im Bauchraum befinden und kann den Milztumor und gegebenenfalls andere Veränderungen erkennen. Falls nötig könnte er dann sofort den Tumor oder die gesamte Milz entfernen. Das wäre zum Beispiel der Fall, wenn es bereits zu einem Milzriss gekommen ist und sich schon Blut in der Bauchhöhle befindet. Oder aber auch, wenn die Vergrößerung so stark ist, dass bereits andere Organe eingequetscht oder in ihrer Funktion eingeschränkt sind.

Anhand der gesammelten Befunde wägt Ihr Tierarzt die Veränderungen in den Voruntersuchungen und die Prognose gegeneinander ab, um anschließend mit Ihnen eine gute Entscheidung bezüglich einer Behandlung treffen zu können. Nicht in jedem Fall muss jede dieser Untersuchungen durchgeführt werden. Am besten besprechen Sie mit Ihrem Tierarzt, welche dieser Voruntersuchungen für Ihren Vierbeiner sinnvoll sind. Gerade, wenn es bei einem Milzriss schnell gehen muss, kann das sehr schwierig sein. Möglicherweise muss der Tierarzt die Milz sofort entfernen, um das Leben des Hundes zu retten – obwohl das Risiko besteht, dass der Tumor bereits gestreut hat.

Milztumor beim Hund: Behandlung

Die Art der Behandlung richtet sich nach dem Gesundheitszustand des Patienten und der Ausbreitung des Tumors im Körper. Sind keine Metastasen sichtbar oder ist das Leben des Hundes in Gefahr, sollte ein Milztumor beim Hund operativ entfernt werden. Hierbei wird meistens das ganze Organ entnommen. Ob ein Milztumor beim Hund gutartig oder bösartig ist, kann manchmal erst nach der Operation in einem zuständigen Labor herausgefunden werden. Wenn Sie dahingehend Gewissheit haben möchten oder eine weitere Therapie für Sie infrage kommt, wird Ihr Tierarzt den Tumor und ggf. weitere verdächtige Gewebeveränderungen einschicken, um eine sichere Diagnose zu erhalten. Es kann allerdings einige Tage dauern, bis der Befund beim Tierarzt eintrifft.

Sollte es bei Ihrem Hund zu einem Milzriss gekommen sein und er musste operiert werden, dann kann es durchaus sein, dass er für ein paar Tage stationär aufgenommen werden muss. In Kliniken gibt es meistens Intensivstationen, auf denen die Patienten genaustens beobachtet werden. Einige brauchen Sauerstoff und Blutkonserven und werden rund um die Uhr über ein EKG (Elektrokardiogramm) überwacht. Deswegen wird oft empfohlen, die Milz auch schon bei einer kleinen Veränderung frühzeitig zu entfernen, um so einen Zustand zu vermeiden zu können.

Sollte nach der Operation ein bösartiger Milztumor diagnostiziert werden, kann eine Chemotherapie die Überlebenszeit verlängern. Mittlerweile wird diese Leistung von einigen Kliniken und Spezialpraxen angeboten und viele Hunde vertragen sie sehr gut. Sie müssen sich jedoch im Klaren sein, dass Sie trotz dieser kostenintensiven Therapie zwar eine längere schöne Zeit mit Ihrem Vierbeiner haben können, eine Heilung aber nicht möglich ist.

Hinweis: Nach der Operation muss Ihr Hund circa zehn bis zwölf Tage einen Halskragen tragen, damit er die Operationswunde nicht ableckt und keine Bakterien hineingelangen.

Milztumor beim Hund: Prognose

Bei gutartigen Veränderungen in der Milz – also in 50 Prozent der Fälle – ist die Prognose gut: Eine Operation behebt das Problem in den meisten Fällen. Lediglich Komplikationen wie ein Milzriss können hier dazu führen, dass es dem Hund sehr schlecht geht oder er einen längeren Heilungsverlauf hat.

Der häufigste bösartige Milztumor beim Hund ist das Hämangiosarkom. Bei diesem Tumortyp ist die Prognose leider schlecht. Sie werden meist spät erkannt und haben dann bereits  in andere Organe gestreut. Trotz einer Operation überleben weniger als zehn Prozent der Hunde länger als ein Jahr. Eine Operation mit anschließender Chemotherapie kann die Lebensdauer Ihres Hundes allerdings durchschnittlich um einige Monate verlängern.

Milztumor beim Hund: Kosten

Die Höhe der Tierarztrechnung ist immer von unterschiedlichen Faktoren abhängig. Je nachdem für welches Behandlungs- und Untersuchungsverfahren sich Ihr Tierarzt entscheidet und in welchem Zustand sich Ihr Hund befindet. Bei einer Operation werden viele Materialen, Medikamente und Fachpersonal benötigt. Auch ob er ein paar Tage stationär aufgenommen werden muss und Intensivbetreuung benötigt oder ob Sie sich für eine anschließende Chemotherapie entscheiden oder nicht, muss bei einer Kostenschätzung mit einfließen. Die Leistungen werden gemäß der Gebührenordnung für Tierärzte abgerechnet und können bei der Diagnose Milztumor beim Hund bis zu mehrere tausend Euro betragen.

Dieser Artikel wurde geprüft von Tierärztin Melanie Ahlers.

Die genannten Informationen stellen keine Anleitung zur Selbstdiagnose und Behandlung von Tierkrankheiten dar. Tierhalter sollten bei gesundheitlichen Problemen ihres Tieres in jedem Fall einen Tierarzt um Rat fragen. Diagnosen über das Internet sind nicht möglich.

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