Im Sommer auf dem Balkon sitzen, die Fenster aufmachen oder zumindest auf Kipp stellen ist erfrischend und selbstverständlich. Wenn allerdings Katzen in der Wohnung herumstreunen, sind Fenster und Balkone eine nicht zu missachtende Gefahrenquelle. Die Katzen unterschätzen die Höhe der Wohnung, sind abgelenkt oder rutschen ab und fallen metertief auf den Boden. Mir ist das erst kürzlich mit meinem Kater passiert. Aber was tut man in so einem Fall und was für Schutzmaßnahmen gibt es dagegen?

Mitten in der Nacht ist mein Kater Miu aus einem angelehnten Dachfenster meiner Wohnung im 4. Stock ausgebüxt und auf das Dach geklettert. Es kam, wie es kommen musste: Er konnte sich nicht halten und stürzte knapp acht Meter in die Tiefe! Nach einer Stunde Suche und vielen Nachfragen bei den Nachbarn der umliegenden Häuser, konnte ich ihn zum Glück auf einem Zwischendach zusammengekauert maunzen hören. Er lief gebückt und humpelte ein bisschen. Um sicherzugehen, dass nichts passiert ist, bin ich zu einer Tierärztin gefahren. Prellungen und ein Schock war die Diagnose - Glück im Unglück. Häufig ist das allerdings nicht der Fall: Fenster und Balkone können lebensgefährlich sein.

Mögliche Verletzungen und Behandlung

Manchmal haben die Katzen Glück und kommen mit Schürfwunden, Prellungen und einem Schock noch glimpflich davon. Ein Tierarztbesuch sollte dennoch erfolgen, weil man als Besitzer nie abschätzen kann, ob die Katze sich nicht doch innere Verletzungen zugezogen hat. Außerdem sollte unbedingt der Schock mit einer Spritze behandelt werden, weil er zu einem Nierenversagen führen kann. Zum Glück werden die Tierarztkosten der Behandlung mit der Spritze oder anderen Medikamenten durch eine Katzenkrankenversicherung gedeckt. Die Schäden nach einem Sturz können aber weitaus schlimmer sein. Bei großen Höhen kann der Aufprall zum Tod führen. Aber auch bei einem Fall aus geringen Höhen können die Folgen schwere Knochenbrüche und -splitterungen, Lungen- und Zwerchfellrisse sowie andere innere Verletzungen sein. Hier hilft meistens nur noch eine Operation, um die Katzen zu retten. Der Katze meines Nachbarn konnte nach einem Sturz aus dem Fenster nur so geholfen werden. Kosten insgesamt: 2000 Euro. Deshalb empfiehlt sich auch bei Stubentigern ein OP-Kostenschutz.

Die Höhe ist nicht immer entscheidend

Die Tierärztin meinte zu mir, dass es gut war, dass mein Kater so tief gefallen ist. Das irritiert zunächst, ist aber wahr: Durch die längere Flugdauer können sich Katzen so hindrehen, dass sie auf den Pfoten landen und der Sturz recht gut abgefedert wird. Natürlich gilt auch das nur für eine gewisse Höhe, denn irgendwann kann keine Katze mehr die Wucht abfangen. Außerdem ist es immer großes Glück, wenn sich die Katzen tatsächlich abfangen konnten und nichts nachhaltig Schlimmes passiert. Doch gerade Stürze aus dem ersten oder zweiten Stock sind häufig die Ursache für schwere Verletzungen - eine Höhe, die einige vielleicht noch nicht als großes Problem sehen würden.

Vorbeugen

Entweder hat mein Kater tatsächlich sieben Leben oder (wahrscheinlicher) enormes Glück gehabt. Jedenfalls sollte man Stürze von Balkonen oder Fenstern auf keinen Fall riskieren und dementsprechend vorsorgen. Denn auch wenn eine Katze jahrelang kein Interesse an Fenstern zeigt, ist es schon häufig vorgefallen, dass sie es irgendwann doch sehr spannend finden und einen Sprung ins Freie wagen oder auf die Balkonbrüstung springen. Im Fachhandel gibt es spezielle Schutzgitter für Kippfenster, die am Fensterrahmen festgeschraubt werden. Möchte man das nicht, sollte man zumindest ein dickes Handtuch in den Spalt drücken, damit das Tier weniger Gefahr läuft, sich einzuklemmen. Für Balkone ist die sicherste Variante ein transparentes Netz, das vor die Balkonöffnung gespannt wird.

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